Vom römischen Limes zur mittelalterlichen Sporkenburg

Mitte April war es endlich wieder einmal soweit, dass wir mit unseren Freunden Marianne und Jürgen sowie deren Labrador Boomer zu einer gemeinsamen Wanderung aufbrechen. An diesem Sonntagmorgen ist der Himmel blau, die Sonne wechselt sich mit ein paar Wolken ab und die Luft ist frühlingshaft. Wir wollen die Wäller Tour Augst laufen, die am Wanderparkplatz Neuhäusel-Ost startet und rund 14 Kilometer lang ist.

Während ich voller Vorfreude über den Parkplatz laufe, um die vorhandenen Informationsschilder zu inspizieren und den Startpunkt des Weges zu finden, ist Marianne neben aller Begeisterung doch ein wenig skeptisch. Sie kennt mich und meine Ideen von „die Wanderung ist gar nicht so schwer und 14 Kilometer laufen wir doch auf einer Pobacke ab“ … 😉 … die Erfahrungen, die sie mit uns auf der Wanderung über die Montabäurer Mären gemacht hat, lassen sie nur vorsichtig enthusiastisch sein.… schon noch wenigen Metern ist klar, dass wir mal wieder gegen den Strom schwimmen und den Weg genau anders herum laufen. Aber es handelt sich ja um einen Rundwanderweg. Da ist es schließlich egal, wie wir laufen. Hauptsache, wir laufen. Und Hauptsache, wir sind auf dem richtigen Weg!Zunächst geht es ein Stück durch den frühlingshaften Wald. An den Bäumen leuchtet es Zartgrün und der Waldboden ist mit weissen, gelben und lila Blumen übersät. 
Während mein reizender Gemahl etwas zurück bleibt, weil er sich erst einmal mit seiner neuen Kamera anfreunden muss, spazieren wir schon aus dem Wald heraus …… und haben einen wunderschönen Ausblick auf die Kulturlandschaft der Augst.Die Augst ist ein kleiner Landstrich im Westerwald. Er umfasst die Gemeinden Neuhäusel, Eitelborn, Kadenbach, Arzbach und Simmern, die nur ein paar Autominuten von Montabaur entfernt sind. Die erste urkundliche Erwähnung gab es bereits im 10. Jahrhundert.Im Jetzt und Hier laufen wir nun erst einmal durch Wiesen und vorbei an Weiden.Die einzigen Weidetiere, die wir entdecken, ist eine große Herde Schafe. Obwohl wir relativ nah an der Herde vorbei gehen, sind die Hunde an den Schafen überhaupt nicht interessiert. Gut. Unsere Jagdmaus Suri ist an der Leine und hat auch gar keine Chance, sich zu interessieren. Dayo kümmern die wolligen Vierbeiner auch nicht. Er holt sich lieber ein paar Leckerchen bei mir ab. Der Weg läuft sich sehr angenehm. Mal geht es sanft bergauf, mal geht es bergab. So erreichen wir die Kapelle „Maria in der Augst“, die aber nicht aus dem 10. Jahrhundert stammt, sondern erst zur Jahrtausendwende von den Augster Bürgern gebaut wurde. Hier laden auch Holzbänke zum Verweilen ein. Wir sind ja noch nicht so lange unterwegs, dass wir schon eine Pause bräuchten und sehen, dass wir weiter kommen.Wir sind alle gut gelaunt. Mein reizender Gemahl und ich führen keine Dispute, ob wir auf dem rechten Weg sind oder nicht. Die Temperaturen sind genau richtig zum Wandern. Herrlich!Wir kommen an einer kleiner Herde Mutterschafen vorbei, die in der Sonne mit ihren Lämmern vor sich hindösen.
Ich finde es nach wie vor immer wieder toll, dass sich Suri nicht weiter für Tiere interessiert, wenn sie sich hinter einem Zaun befinden. Sie schaut zwar, aber unternimmt keine Jagdversuche.Kurze Zeit später erreichen wir die Stelle, an der vor Urzeiten die Römer ihren Grenzwall erbaut hatten. Auch wenn mich – geschichtlich gesehen – das Mittelalter sehr viel mehr interessiert als die Römerzeit, ist es doch immer wieder faszinierend, was die Menschen vor mehr als 2.000 Jahren alles geleistet haben. Und das völlig ohne die heutige Technik. Dort, wo einst der Obergermanisch-Raetische Limes verlief, erinnert heute erinnert nur noch ein Stein an das Römische Reich.Ein paar hundert Meter weiter holt uns die römische Geschichte erneut ein. Wir stehen auf dem Mühlberg und blicken auf einen Turm auf der anderen Seite des Tales.Das ist der Stephansturm, der auf römischen Fundamenten eines Wachtposten erbaut wurde. Doch nun genug von römischen Hinterlassenschaften. Wir tauchen wieder in den Wald ein.Der Weg, der nun eher nur ein Pfad ist, schlängelt sich zwischen den Bäumen hindurch nach unten. Diese Teilstrecke hat es ganz schön in sich, denn es geht ziemlich bergab und wird auch steil. Marianne und ich beschließen nun, unsere Trekkingstöcke auszupacken … ich hatte im vergangenen Herbst die Trekkingstöcke von Leki ausprobiert. Obwohl ich mir nicht ganz sicher war, ob die Stöcke für mich Sinn machen, weil ich ja immer die beiden Hunde im Schlepptau habe, habe ich sie mir gekauft.Bis zu diesem Zeitpunkt lagen sie bei Wanderungen immer nur im Auto oder warteten in der Dunkelheit meines Rucksackes auf ihren Einsatz, der nun endlich kam.Und es geht wirklich gut mit den Stöcken: meine Knie schmerzen nicht ganz so stark. Wo ich sonst bergab immer richtig schleichend und sehr, sehr vorsichtig herunter krabbele, geht es dieses mal zwar immer noch nicht wahnsinnig schnell bergab, aber doch viel rascher und auch mit einem sicheren Gefühl. Die Stöcke werden ab sofort also immer mit von der Partie sein. Nun geht es ein Stück an der Landstraße entlang bis nach Arzbach. Dort treffen wir auf das „Alte Bierhaus„, das sich ideal für eine kleine Pause anbietet.Ich finde eigentlich, dass wir noch nicht wirklich weit genug gelaufen sind, um uns eine „richtige“ Pause verdient zu haben. Aber ich werde überstimmt, und wir lassen uns im Hof des Gasthofs nieder, um uns mit einer leckeren Saftschorle zu stärken. Wir sind hier übrigens eine Woche später abends mal zum Essen hingefahren. Ich kann das etwas abgelegene Restaurant wirklich nur empfehlen. Wir haben sehr gut gegessen und wurden bestens betreut. Es ist allerdings ratsam, am Wochenende einen Tisch zu reservieren.Nach dieser Stärkung geht es weiter, denn wir haben noch zwei Drittel der Strecke vor uns.
Gemächlich entfernen wir uns von Arzbach. Im Hinterkopf bleibt bei mir jedoch die Erinnerung an unseren Abstieg vom Mühlberg (den ich keinesfalls anders herum hätte laufen wollen und schon gar nicht, weil er fast am Ende der Wanderung liegt). Das, was wir runter gelaufen sind, müssen wir ja wohl irgendwann auch wieder hinauf.Vorbei geht es am plätschernden Bach, an dem sich Boomer, Dayo und Suri laben. Wir folgen dem Bachlauf für eine ganze Weile.Der Weg ist schön und eben. Zu eben für meinen Geschmack …Wir überqueren die Landstraße ….
… ein kurzer Blick auf den Schilderwald und dann auf den vor uns liegenden Weg und ich weiß, dass der gemütliche Teil unserer Wanderung erst einmal vorbei ist. Es geht ab jetzt bergauf. Erst einmal recht gemächlich, aber dann immer strammer.Mein reizender Gemahl und er andere reizende Gemahl machen sich einen Spaß daraus, schnellen Schrittes voraus zu eilen und dann betont gelangweilt an der passenden Stelle auf Marianne, Suri und mich zu warten. Natürlich nicht, ohne uns darauf hinzuweisen, dass wir doch reichlich langsam unterwegs seien.
Wir ignorieren das männliche Hengstgehabe so gut es eben geht und krabbeln tapfer weiter nach oben …Da Suri sich durch nichts beirren lässt und immer mal wieder ihre ausgiebigen Schnupperaktionen startet, habe ich immerhin eine gute Ausrede, warum ich andauernd stehen bleiben muss … 😉 …Der Wanderweg ist übrigens sehr gut ausgeschildert. Ein Verlaufen ist fast nicht möglich.Und dann werden wir für unsere Anstrengungen belohnt. Über uns ragen die Reste der Sporkenburg auf.Innerhalb von Sekunden habe ich alle Anstrengungen vergessen. Die spätmittelalterliche Spornburg wurde Mitte des 11. Jahrhunderts erbaut.  Die Impressionen von der Burg habe ich mal mit einem Foto-Galerie-Programm erstellt. Ich hoffe, es funktioniert. Gefällt euch das so? Oder möchtet ihr meine Fotos lieber wieder ganz normal der Reihe nach anschauen? Im Moment übe ich ja noch mit den Galerien … es wird in Zukunft vermutlich schöner …

Die Besitzer der Burg wechselten häufig. Sie wurde Mitte des 14. Jahrhunderts zerstört und wieder aufgebaut. Und im Dreißigjährigen Krieg komplett verwüstet.Nach einer Pause, die wir mit belegten Brötchen in der Sonne im Burghof verbringen, geht es weiter. Und nun geht es erst einmal ein Stück bergab.Wir haben nochmals einen Blick auf den Stephansturm.Schon kurz darauf teilt sich der Weg. Wenn wir der Markierung folgen, die ab jetzt einen gelben Hintergrund hat (der reguläre Markierung dieser Wäller Tour hat einen weißen Hintergrund), können wir einen Abstecher zur Barbara-Kapelle machen. Und das machen wir auch, obwohl es nun wieder stramm bergauf geht.Nun ja, die Kapelle ist ziemlich neu, aber der Rundumblick lohnt sich, ….
… und Dayo und Suri können sich nochmals so richtig satt trinken … Aber ob die knapp zwei Kilometer lange Extraschleife nun sein musste? Nein, ich glaube nicht. Ich habe mir so den Unmut meiner Mitwanderer zugezogen … 😉 … also, wenn ihr mal auf der Wäller Tour Augst unterwegs seid: immer schön dem Zeichen auf weißem Hintergrund folgen …Irgendwann ist auch die längste Schleife geschafft und wir sind wieder auf dem richtigen Weg. Wir spazieren nun durch die Auen des Binnbaches und laufen am Ortsrand von Eitelborn und Neuhäusel unserem Parkplatz entgegen. Auf dem letzten Kilometer geht es nochmals recht stramm bergauf. Nach 15 Kilometern ist das nun ganz schön anstrengend. 

Aber dann ist es endlich geschafft. Müde, aber zufrieden steigen wir in die Autos. Da es zu spät zum Kaffeetrinken und zu früh zum Abendessen ist, verabreden wir uns für den frühen Abend, um bei unserem Stamm-Italiener einzufallen … ein schöner Wandertag war es! Besonders gut gefallen, hat mir der geschichtliche Bezug zur Römerzeit und zum Mittelalter.

Weitere Informationen:

  • Start- und Endpunkt der Wanderung ist der Wanderparkplatz Neuhäusel-Ost, an der Hauptstraße, 56335 Neuhäusel (ist von der A3, Abfahrt Montabaur, schnell erreicht)
  • Die Wäller Tour Augst ist 14 Kilometer lang. Mit der Extraschleife über die Barbara-Kapelle sind es dann knapp 16 Kilometer. 
  • Die Tour ist als mittelschwer eingestuft. Der Anstieg zum Mühlberg (bzw. der Abstieg, wie wir den Weg gelaufen sind) ist etwas schwieriger und erfordert Trittsicherheit. Trekkingstöcke sind empfehlenswert. Ansonsten braucht ihr für die teilweise längeren Anstiege schon etwas Kondition oder einen Hund, der oft und viel stehen bleibt, um die Gegend zu erschnuppern.
  • Wie erwähnt, lohnt sich das „Alte Bierhaus“ in Arzbach für eine Pause (das Essen ist dort sehr lecker). In Neuhäusel selber gibt es direkt an der Hauptstraße eine Pizzaria, die sehr gut sein soll.
  • Es ist in der Regel immer wieder Wasser für die Hunde verfügbar. Besonders in der warmen Jahreszeit solltet ihr trotzdem Wasser für die Vierbeiner mitnehmen.
  • Weitere Informationen über die Wäller Tour Augst und andere Wäller Touren findet ihr hier. 

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