Jetzt ist es wieder so weit: Die Lüneburger Heide steht schon fast in voller Blüte und eine Wanderung auf den Wilseder Berg gehört dann zum Pflichtprogramm. Genau dorthin nehme ich dich heute mit. Im vergangenen August war ich dort gemeinsam mit Raban, Charly und dem reizenden Gemahl unterwegs. Und ich kann dir schon jetzt verraten: Die Wanderung hat all unsere Erwartungen übertroffen. Endlose lilafarbene Heideflächen, traumhafte Ausblicke und eine Stimmung, die man einfach selbst erlebt haben muss.
Inhalt:
Die erste Heideblüte in der neuen Heimat
Im vergangenen August waren wir gerade einmal vier Wochen zuvor in den Heidekreis gezogen. Eines war schnell klar: Hier begegnet einem die Heide an vielen Ecken. Der Name des Landkreises kommt schließlich nicht von ungefähr 😉.
Natürlich kannte ich Heidepflanzen schon vorher. Jahrelang haben sie im Herbst und Winter meine Blumenkübel vor der Haustür im Westerwald geschmückt. Die „echte“ Heideblüte in der Lüneburger Heide hatte ich allerdings noch nie erlebt. Nur unzählige Fotos gesehen und begeisterte Geschichten gehört.
Für mich stand deshalb schnell fest: Einer unserer ersten Ausflüge in der neuen Heimat musste uns während der Heideblüte auf den Wilseder Berg führen. Der reizende Gemahl konnte meine Begeisterung zunächst allerdings nur bedingt teilen. Verständlich, denn der Wilseder Berg ist mit seinen 169 Metern nicht nur die höchste Erhebung der Lüneburger Heide, sondern im August auch der Touristen-Hotspot schlechthin.

Unterwegs zum Wilseder Berg
Der Wilseder Berg ist nicht nur der höchste „Berg“ der Lüneburger Heide, sondern liegt auch mitten in den größten zusammenhängenden Heideflächen Europas. Rund 230 Quadratkilometer Heide, Wacholder und Wald stehen hier bereits seit über 100 Jahren unter Naturschutz.
Rund um den Wilseder Berg ist man ausschließlich zu Fuß, mit dem Fahrrad oder ganz traditionell mit der Pferdekutsche unterwegs. Autos dürfen nur bis zu den Wanderparkplätzen am Rand des Naturschutzgebiets fahren. Wir haben unseren Wagen an einem warmen und sonnigen Augustnachmittag in Niederhaverbeck abgestellt.
Ich hatte gehofft, dass um 17 Uhr der größte Besucheransturm bereits vorbei sein würde und die meisten Familien ihren Ausflug schon beendet hätten. Nun ja … ganz so war es dann doch nicht. Zwar war es deutlich entspannter als zur Mittagszeit, aber von einsam konnte keine Rede sein. Immerhin haben wir ohne Probleme noch einen Parkplatz gefunden.
Und dann konnte es endlich losgehen.


Vom Trubel hinein in die Heide
Raban und Charly sind völlig aus dem Häuschen, als es endlich losgeht. So viele Autos, Fahrräder, Menschen, Kinder und Hunde. Dazu unzählige neue Gerüche und Geräusche. Eigentlich bräuchten die beiden jetzt gar keine Wanderung. Der Parkplatz allein wäre schon Abenteuer genug. Aber das Leben ist nun mal kein Ponyhof. Also marschieren wir erst einmal ein Stück an der Straße entlang, zurück in die Richtung, aus der wir gerade gekommen sind.
Nach rund 400 Metern verlassen wir die Straße und biegen links in Richtung Wilseder Berg ab. Kurz darauf erreichen wir das Naturinformationshaus Niederhaverbeck, in dem sich alles um die Heide, ihre Bienen und die Heideimkerei dreht. Da wir vor allem die blühende Heide erleben wollten, sind wir allerdings nicht hineingegangen. Der Eintritt ist übrigens kostenlos.
Nach einer Weile endet der asphaltierte Weg und wir tauchen auf einem schmalen Waldpfad in die Natur ein. Der Weg führt uns am Haverbeeke-Teich vorbei, ehe wir nach knapp zwei Kilometern an einem zauberhaften Heidschnucken-Schafstall ankommen.

Jetzt stellt sich endlich so etwas wie echtes Heide-Feeling ein. Kurz darauf entdecken wir auch die ersten Heidschnucken. Die genügsamen Schafe gehören einfach zur Lüneburger Heide dazu und sorgen mit ihrer Beweidung dafür, dass die Heideflächen nicht verbuschen. Übrigens: Die Lämmer kommen pechschwarz zur Welt und bekommen ihr typisches graues Fell erst später.
Raban und Charly interessieren sich allerdings nur mäßig für die wolligen Landschaftspfleger. Schließlich stehen die Heidschnucken sicher hinter einem Zaun und sind damit längst nicht so spannend wie all die vielen Gerüche am Wegesrand.
Lila Heide – wohin das Auge reicht
Wir laufen weiter über den schmalen Sandweg. Noch hält sich die Heide am Wegesrand etwas zurück, doch in der Ferne schimmert bereits das erste große lilafarbene Blütenmeer. Genau darauf habe ich mich die ganze Zeit gefreut.

Und dann ist sie plötzlich da: die Heide. Erst öffnet sich zwischen den Bäumen der Blick auf die ersten lilafarbenen Flächen, wenige Schritte später stehen wir mitten in einem Meer aus blühendem Heidekraut. Sanfte Hügel, knorrige Wacholderbüsche und ein strahlend blauer Himmel mit dicken Sommerwolken. Genau so hatte ich mir die Heideblüte vorgestellt. Und ehrlich gesagt: In natura ist sie noch beeindruckender als auf jedem Foto.




Während ich mich gar nicht sattsehen kann und Raban jede meiner Fotopausen nutzt, um ausgiebig die vielen neuen Gerüche einzusammeln, versuchen der reizende Gemahl und Charly immer wieder, uns zu einer etwas flotteren Gangart zu bewegen. Meistens sind die beiden schon ein gutes Stück voraus … 😉… Aber das ist mir heute völlig egal. Ehrlich gesagt schlendere ich mehr, als dass ich wandere. Diese Landschaft muss man einfach genießen.
Erfreulicherweise ist um diese Uhrzeit gar nicht mehr so viel los. Nur vereinzelt begegnen uns andere Wanderer mit ihren Hunden. Schade ist allerdings, dass die meisten Vierbeiner frei laufen, obwohl hier Leinenpflicht herrscht und nicht jeder zuverlässig auf seinen Menschen hört. Zum Glück lässt sich Raban davon überhaupt nicht beeindrucken. Die vielen neuen Gerüche sind für ihn im Moment einfach deutlich spannender.

Der Wilseder Berg mitten in der Lüneburger Heide
Die Wanderung, die bislang fast ohne nennenswerte Steigungen ausgekommen ist, führt nun langsam bergauf zum höchsten Punkt der Lüneburger Heide. Je näher wir dem Wilseder Berg kommen, desto mehr Menschen begegnen uns. Kein Wunder. Schließlich ist der 169 Meter hohe Gipfel während der Heideblüte das beliebteste Ausflugsziel der Region.

Oben auf dem Wilseder Berg fällt zunächst ein Gedenkstein ins Auge, der an den Mathematiker und Astronomen Carl Friedrich Gauß erinnert. Er nutzte den höchsten Punkt der Lüneburger Heide im Jahr 1820 als wichtigen Vermessungspunkt bei der Vermessung des Königreichs Hannover.

Von hier oben genießen wir bei strahlendem Sonnenschein einen fantastischen Blick über die scheinbar endlosen Heideflächen. Bei klarem Wetter soll die Sicht sogar bis nach Hamburg reichen. So klar war es an diesem Nachmittag zwar auch, aber entweder habe ich Hamburg einfach übersehen oder die Hansestadt hat sich gut hinter dem Horizont versteckt.

Nach einer kurzen Verschnaufpause machen wir uns auf den Rückweg und lassen den Wilseder Berg langsam hinter uns. Natürlich fehlt jetzt noch das obligatorische Foto von Raban und Charly inmitten der blühenden Heide. Da die ausgewiesenen Wege nicht verlassen werden sollen – was ich auch absolut richtig finde –, halte ich Ausschau nach einer schönen Stelle direkt am Wegesrand.


Einen passenden Platz habe ich schließlich gefunden. Raban und Charly waren allerdings nur mäßig begeistert von meinem spontanen Fotoshooting. Ordentlich sitzen, aufmerksam in die Kamera schauen und dabei auch noch niedlich aussehen? Fehlanzeige. Nun ja, es war warm, wir hatten schon einige Kilometer in den Pfoten beziehungsweise Beinen, und ich glaube, die beiden Buben wollten einfach nur noch nach Hause.
Kreuzottern und ein Fürstengrab
Auf dem Weg zum Fürstengrab entdecken wir einen Infopunkt rund um die Kreuzotter. Neben einer großen Holzschlange erfährt man hier allerlei Wissenswertes über die einzige heimische Giftschlange Deutschlands, für die die Lüneburger Heide einen der wichtigsten Lebensräume in Niedersachsen bietet. Warum ich ausgerechnet hiervon kein Foto gemacht habe, ist mir bis heute ein Rätsel.

Wenige Minuten später erreichen wir das Fürstengrab. Von hier aus bietet sich noch einmal ein wunderschöner Blick über die blühende Heidelandschaft. Dass dieser Ort seinen Namen nicht ohne Grund trägt, verrät die Infotafel. Ich muss zugeben: Ich war fest davon ausgegangen, dass hier tatsächlich einmal ein Fürst begraben worden ist. Die Infotafel belehrt mich allerdings eines Besseren. Der rund 3.500 Jahre alte Grabhügel stammt zwar aus der Bronzezeit, doch bei Ausgrabungen fanden Archäologen keinen Fürsten, sondern die Überreste eines etwa 50 Jahre alten Mannes mit zahlreichen Bronzebeigaben. Manchmal sind Namen eben doch etwas irreführend.


Von hier aus sind es nur noch knapp 1,5 Kilometer bis zum Wanderparkplatz. Die Heide begleitet uns zwar noch ein Stück, wird aber nach und nach von Feldern und Wiesen abgelöst. Ich bleibe natürlich trotzdem immer wieder stehen, weil ich noch ein schönes Fotomotiv entdecke. Raban und Charly sehen das inzwischen allerdings anders. Die beiden haben von der Wanderung genug, schnuppern nur noch halbherzig und scheinen ziemlich froh zu sein, als wir endlich wieder am Auto ankommen.

Wenn die Rücksicht fehlt
Die Wanderwege rund um den Wilseder Berg dürfen übrigens nicht nur zu Fuß, sondern auch mit dem Fahrrad genutzt werden. Dagegen ist natürlich grundsätzlich überhaupt nichts einzuwenden – auch wenn ich persönlich finde, dass man eine Landschaft wie diese am intensivsten erlebt, wenn man das Fahrrad einfach stehen lässt und zu Fuß unterwegs ist.
Gerade zu Beginn unserer Wanderung sind uns allerdings sehr viele Radfahrer begegnet. Viele waren ausgesprochen rücksichtsvoll, machten sich rechtzeitig bemerkbar oder warteten einfach einen Moment, bis genügend Platz zum Überholen war. Leider gab es aber auch einige, die lautlos von hinten an uns vorbeischossen und sich anschließend sogar darüber beschwerten, dass wir nicht schnell genug zur Seite gegangen sind. Das hat mir ehrlich gesagt überhaupt nicht gefallen. In einem Naturschutzgebiet, in dem so viele Menschen die Ruhe und die Natur genießen möchten, wünsche ich mir von allen – ganz gleich ob zu Fuß oder auf dem Fahrrad – einfach ein bisschen mehr gegenseitige Rücksicht.
Mein Fazit
Unser erster Heideblüten-Ausflug in der neuen Heimat hätte kaum schöner sein können. Kein Wunder also, dass wir seitdem noch einige Male in der blühenden Lüneburger Heide unterwegs waren. Wenn du die Möglichkeit hast, solltest du dir dieses Naturschauspiel unbedingt einmal selbst anschauen. Am besten natürlich gemeinsam mit deinem Hund.
Heideblüte am Wilseder Berg – weitere Informationen
- Die Heideblüte erreicht ihren Höhepunkt in der Regel zwischen dem 8. August und dem 9. September. In den vergangenen Jahren begann sie allerdings häufig etwas früher. Den aktuellen Blühstatus kannst du ganz bequem im Heideblüten-Barometer verfolgen.
- Start- und Zielpunkt unserer Wanderung war der Wanderparkplatz in Niederhaverbeck. Der Parkplatz ist kostenpflichtig. 4 Stunden kosten drei Euro, der ganze Tag ist für 5 Euro zu haben.
- Von Niederhaverbeck aus werden auch Kutschfahrten zum Wilseder Berg angeboten.
- Die Strecke unserer Wanderung von Niederhaverbeck über den Wilseder Berg zum Fürstengrab und wieder nach Niederhaverbeck war etwa 7,75 Kilometer lang. Ich habe sie mit Komoot aufgezeichnet und du kannst dir die Tour gerne herunterladen.
- Auf der Wanderung zum Wilseder Berg gibt es relativ wenig Schatten. Bitte achte darauf, wie es unterwegs deinem Hund geht. Nimm ausreichend Wasser mit und mach zwischendurch immer mal wieder eine Pause.

