Vier Fragen an sechs Pfoten
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Die Hundenomaden – von einem Rudel, das auszieht, Europa zu erkunden

Wer träumt (manchmal) nicht davon, als digitaler Nomade durch die Welt zu reisen, Abenteuer zu erleben und dort zu arbeiten, wo andere Urlaub machen. Und das natürlich mit Hund(en)? Und es gibt tatsächlich Menschen, die sich diesen Traum erfüllen und so leben. Ich freue mich sehr, dass mir Susanne für im Rahmen meiner Interviewreihe „Vier Fragen an sechs Pfoten“ Rede und Antwort gestanden haben.

1. Wer seid Ihr, und wer sind Eure vierbeinigen Begleiter?

Wir freuen uns, dass die liebe Martina uns hier die Möglichkeit gibt, uns zu vorzustellen … 🙂 … wir? Wer ist denn das eigentlich?

Wir, das ist das Team rund um Dognomads. Dognomads setzt sich zusammen aus Dog und Nomaden, denn Susanne (ich) und Robert (mein Mann, genannt „der Gatte“) sowie unsere beiden Hunde Mo und Murphy, wir leben nomadisch.

Familienbilder der Familie Kerling, aufgenommen im Juli 2017 im Stadtpark Schwabach.

2016 war ein nicht so gutes Jahr für uns und das Leben kratzte mal wieder an der Tür. Es begann mit einem Todesfall im engen Freundeskreis und endete mit der Frage: War’s das jetzt schon mit unserem Leben? Wir hatten alles, was man heute so braucht, um glücklich zu sein. Einen Job im Außendienst mit Firmenwagen (der Gatte), eine sich gut einpendelnde Selbstständigkeit als Texterin (ich), ein Haus, das in etwa 20 Jahren auch ganz uns gehören würde, ein weiteres Auto – genannt „die Hundekutsche“ –, nette Nachbarn, eine schöne Umgebung und zwei gesunde Hunde, die ihr Leben mit mehrmaligem Besuch in der Hundeschule sehr liebten.

Da ist einmal Murphy der Terriermischling, 10 Jahre alt. Er ist eine Mischung zwischen einem Beamten und einer Prinzessin, denn zum einen besteht er auf regelmäßige Tagesabläufe (wir gingen immer so gegen 15:15 Uhr Gassi und schon um 14:30 Uhr setzte er sich so hin, dass ich ihn auf gar keinen Fall übersehen kann und starrt Löcher in mein Schienbein), zum anderen ist er hochempfindlich – eine echte Rüdenprinzessin.

Dann ist da noch Mo, die Fluse genannt. Ein Berner Sennenhund, 6 Jahre alt. Das exakte Gegenteil einer Prinzessin, eher so Modell Bergepanzer. Er hat ständigen Aufmerksamkeits- und Kuschelbedarf und setzt diesen bei jedem durch. Die Sturheit in Person, mindestens so schwer erziehbar wie der Terrier – nur eben anders. 

Zusammen sind sie ein echtes Trümmerduo.

2. Ihr seid so genannte „digitale Nomaden“. Was ist das, wie lebt Ihr, und was sind Eure Reisepläne für 2019?

Unser aktuelles Lebensmodell nennt sich digitales Nomadentum, denn im Gegensatz zu früheren Nomaden verdienen wir unser Geld (jaja, das müssen wir auch) digital, heißt: Online. Und Dognomads ist nicht nur ein Name, der gut klingt und die sozialen Netzwerke schmückt, wir sind dabei, eine Marke aufzubauen. Dognomads steht für Freiheit sowie die „geilste Zeit mit Deinem Hund“. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, die Abenteuerlust in all denjenigen zu wecken, die daheim geblieben sind. Wir sind selbst sehr gerne in den Urlaub mit den Jungs gefahren, fanden es aber immer nervig, so viel Recherche betreiben zu müssen. Also so Sachen wie: Einreisebestimmungen, wo kann ich mit dem Hund hin, wie sind die klimatischen Bedingungen und alles, was da so an einem Urlaub mit Hund dranhängt. Und da haben wir uns gesagt: Wenn bisher niemand die Notwendigkeit eines Reiseführers für Hundebesitzer gesehen hat: Wir sehen sie. Und so ist unser erster Reiseführer mit dem Hund auf Texel entstanden. 

Und weil man nicht dauernd in den Urlaub fahren kann, ist kurz darauf unser zweites Buch „Abenteuer Alltag“ erschienen. Da wir zwei unterschiedliche Charaktere sind, fahren wir arbeitstechnisch etwas zweigleisig. Der Gatte macht den Urlaubspart (und arbeitet gerade an etwas Großem … 😉 … und ich bin so ein Gesundheitsjunkie und mache in diese Richtung etwas. Außerdem kümmere ich mich ums Marketing. Dazu gehört Instagram, Facebook, unser Blog, Pinterest und unser Newsletter. 

Nachdem wir also im Februar 2018 unser Haus verkauft haben, um auf Reisen zu gehen, stellt sich auch die Frage: Wie macht man das mit zwei Hunden? Andere digitale Nomaden haben es da etwas einfacher. Die setzen sich in den Flieger, mieten sich vor Ort eine kleine Wohnung und gehen zum Arbeiten ins Coworking Space. Da wir nicht fliegen wollen mit den Hunden und lieber alleine arbeiten, haben wir uns ein Wohnmobil gekauft und bereisen Europa. Inzwischen ist daraus ein Van mit Wohnwagen geworden und dank mobilem Internet (das im Ausland viel günstiger als in Deutschland ist) haben wir immer prima W-Lan im Wohnwagen (außer wir sind in Deutschland … 😉 ….

Angefangen haben wir in unserem geliebten Frankreich, genauer in der Normandie. Seit Juni waren wir außerdem auf Texel, vier Wochen in den Niederlanden, und aktuell sind wir im Elsass. Gestern haben wir mal gezählt: Auf 23 verschiedenen Campingplätzen haben wir schon gelebt. Da kommt ganz schön was zusammen! Um konzentriert arbeiten zu können, bleiben wir so vier Wochen an einem Ort. Da kann man sich die Gegend auch in Ruhe angucken und uns gefällt das so ausnahmslos gut. Feste Reisepläne für das kommende Jahr haben wir nur bedingt. Denn wenn wir eines gelernt haben dann, dass man sehr flexibel sein muss, vor allem am Anfang. Wir hatten uns das alles komplett anders vorgestellt und im Kopf ausgemalt, und was jetzt hier so leicht klingt, hat uns in Wahrheit im Frühsommer ziemlich an unsere persönlichen Grenzen gebracht. Dank unseres kaputten Wohnmobils hat sich nicht nur unser Start verzögert, wir waren mit zwei Hunden quasi obdachlos, weil das Haus bereits verkauft war. So haben wir eine Woche in einer Ferienwohnung, eine Woche bei einer Freundin und eine Woche im Leihwohnmobil gelebt. Das hat weder zu unserer Erheiterung noch zu guter Laune beigetragen. Und es hat ziemlich lange gedauert, hier einen guten Weg für uns alle zu finden. Damit einher ging dann auch die Entscheidung, das Wohnmobil gegen einen Wohnwagen zu tauschen. 

Aber um die Frage nach den Reiseplänen nochmal aufzugreifen: Im Januar werden wir nach Griechenland fahren und dort vermutlich so lange bleiben, bis es der Fluse und uns zu heiß wird. Danach zieht es uns vielleicht wieder nach Frankreich, denn nirgends sind wir so rundum glücklich mit leckerem Essen, freundlichen Menschen, wunderschöner Natur und gutem Internet. Vielleicht sehen wir uns aber auch Norwegen, Schweden und Finnland an oder fahren gar nach UK und Schottland.

3. Was ist Euer persönlicher Urlaubstipp für HundeReisenMehr?

Unser persönlicher Urlaubstipp ist schon seit Jahren für alle Hundebesitzer die Normandie. Freunde haben uns vor fast zehn Jahren dorthin verschleppt und inzwischen waren wir schon acht Mal dort. Endlose Sandstrände, wunderschöne Natur und gutes Essen. Ja, die Fahrt ist weit aber es lohnt sich wirklich.

4. Fünf Dinge, auf die Ihr für Eure Hund auch als digitale Nomaden nicht verzichten könnt?

Jetzt fragst Du nach fünf Dingen, auf die wir für unsere Hunde nicht verzichten können.

  • Da steht ganz oben als allerwichtigster Punkt Fleisch. Wir barfen inzwischen seit 16 Jahren – schon den zweiten Berner Sennenhund – und ich bin nicht bereit, diesbezüglich Abstriche zu machen. Mit Trockenfutter ist mir die Gefahr einer Magendrehung zu groß, Dosenfutter kann ich bei einem Hund mit 43 Kilo und einem Bedarf von etwa zwei Dosen am Tag aus umwelttechnischen Gründen nicht vertreten. Ich bin diesbezüglich sowohl konsequent als auch inkonsequent, denn wir handhaben die Fütterei locker, ohne Plan. Wir kochen ab und zu, und es gibt auch mal eine Portion Trockenfutter. 
  • Nummer 2 ist unser Mixer, der klein und handlich ist und sich zum pürieren von Gemüse bestens eignet.
  • Nummer 3 ist ein Hundebett für den Berner. Es nimmt ganz schön viel Platz weg, aber die Fluse legt ebenso wert auf ein Bett wie der Terrier. 
  • Bürsten und Kämme sind Nummer 4. Seit wir im Wohnwagen leben und ohne Couch sind, dürfen die Jungs zum kuscheln mit ins Bett. Seitdem nehme ich die Sache mit dem Bürsten etwas genauer als vorher … 😉 …
  • Nummer 5 ist der Bademantel der Fluse. Bisher hat es zwar noch kein einziges Mal so richtig geregnet, zweimal war ich aber recht dankbar, zumindest einen Teil des Hundes trocken weggepackt zu wissen.

Wie man sieht, sind wir eher die praktisch veranlagten Hundebesitzer, bei denen auch nur jeder Hund ein Halsband und eine Leine hat.

Vielen Dank, liebe Susanne für Deine ausführlichen Antworten. Ich finde es sehr interessant, dass ihr tatsächlich als digitale Nomaden unterwegs seid. Ein bisschen neidisch bin ich darauf vielleicht auch. Ich glaube nicht, dass ich auf lange Zeit so leben könnte und bewundere euren Mut, eure Entschlossenheit und euren Zusammenhalt. 

Wer Lust hat, mehr von Susanne und den Dognomads zu erfahren, der folgt ihr auf ihrem Blog unter www.dognomads.de.

2 Kommentare

    • martinazuengel sagt

      Hallo Thomas,
      vielen Dank. Das Kompliment leite ich gerne an Susanne weiter.
      Viele Grüße
      Martina

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