Der Harz im Februar – Auszeit im Klosterhotel Wöltingerode

Die Faschingszeit ist nicht so meins. Schon im vergangenen Jahr ist es mir und meinem Rudel gelungen, dem närrischen Treiben zu entkommen. Damals sind wir im Vogelsberg gewesen. In diesem Jahr kam mir die Einladung der Reisehummel (ein Anbieter von Kurzurlaub in und um Deutschland) und des Klosterhotel Wöltingerode gerade recht. Wir durften das 3-Sterne-Superior-Hotel in der Nähe von Goslar auf seine Hundefreundlichkeit testen und haben darüber hinaus ein paar wunderschöne Wintertage im Harz erlebt.

Wir haben uns an einem grauen Freitagvormittag auf den Weg in das rund 350 Kilometer entfernte Goslar gemacht. Das Klosterhotel Wöltingerode ist ungefähr zehn Kilometer vom Stadtzentrum entfernt und liegt am Rande des Ortsteils Vienenburg. Es ist weit mehr als „nur“ ein Hotel mit Tagungs- und Veranstaltungsräumen, denn Wölteringerode ist ein funktionierendes Klostergut mit eigener Landwirtschaft, Klosterbrennerei und einem Lachsinfocenter.Wir erreichen das Hotel gegen 17 Uhr in der Dämmerung. Es ist wunderbar kalt und die Schneereste zeugen davon, dass hier vor noch gar nicht allzu langer Zeit so richtig Winter gewesen ist. Der reizende Gemahl bleibt mit Dayo und Suri erst einmal beim Auto, und ich checke alleine ein. So habe ich die Möglichkeit, unser Zimmer im „Originalzustand“ zu fotografieren. Ich werde sehr freundlich willkommen geheißen und erhalte als aller erstes erst einmal den Willkommensgruß für die beiden Bären … … neben den Leckereien gibt es auch eine ganze Rolle Kacktütchen. Perfekt! Ich nehme den Zimmerschlüssel entgegen und mache mich über die ehrwürdig knarrende Holztreppe …
… in Richtung Clementinenflügel, wo das Zimmer C0 auf mich wartet …
Das Klosterhotel Wöltingerode hat insgesamt 57 Zimmer in den Kategorien Classic-Zimmer, Comfort-Zimmer und Comfort-Plus-Zimmer, die sich hauptsächlich in der Größe unterscheiden. Unser Zimmer ist ein Comfort-Plus-Zimmer, das 22 Quadratmeter groß und sehr schön geräumig ist.Ich habe natürlich auch einmal ein Classic-Zimmer mit einer Größe von 15 Quadratmetern angeschaut. Das Zimmer ist für zwei Personen sehr gut, aber mit zwei großen Hunden wäre es seeehr eng geworden.

Schreibtisch mit Getränken und Lesematerial

Die Möbel passen gut zum Stil eines Klosterhotels und die ein oder andere Gebrauchsspur sorgt für die entsprechende Patina. Besonders gut gefallen hat mir, dass es auf dem (sehr bequemen) Bett zwei Kopfkissen gab, dass das Badezimmer auf dem neuesten Stand und sehr sauber war und dass wir ausreichend Platz im Schrank vorgefunden haben, um unsere Habseligkeiten (vor allem die Hundesachen) bequem unterzubringen.Als Leseratte ist mir gleich die Auswahl an Büchern auf dem Schreibtisch aufgefallen – tolle Idee. Wer Lesematerial vergessen hat, kann sich hier bedienen oder sich in der Bibliothek ein Buch ausleihen.
Auch Dayo und Suri haben sich hier wohlgefühlt und haben auch nachts die Ruhe bewahrt, wenn es draußen auf dem Flur etwas lauter geworden ist.
Das war dann auch der einzige Schwachpunkt unseres Aufenthalts. Obwohl wir natürlich nichts aus den benachbarten Zimmern gehört haben, war es doch vom Flur her ziemlich hellhörig. Alles im Rahmen, wenn nicht gerade ein paar Hotelgäste laut lachend und Türe knallend nachts um vier Uhr von der im Haus stattfindenden Feier auf ihre Zimmer marschieren. Da gebe ich schon zu, dass ich senkrecht im Bett gestanden habe … 😉 … 

Zum Frühstück alles, was das Herz begehrt (jedenfalls meines)

Einer der Gründe, warum ich so gerne im Hotel bin, ist das Frühstück. Ich finde nichts schöner, als morgens aufzuwachen, die Hunde zu versorgen, den reizenden Gemahl noch etwas schlafen zu lassen und schon einmal zum Frühstück zu gehen.Und das besondere am Frühstück im Klosterhotel Wöltingerode? Ihr dürft eure vierbeinigen Begleiter mitnehmen. Solange die Hunde wohl erzogen sind und sich andere Gäste nicht darüber beschweren, ist das kein Problem. Ich bin ganz froh, dass Dayo und Suri so problemlos alleine in Hotelzimmern bleiben. Der Kopf von beiden passt im Sitz perfekt auf den Tisch, und wenn sich Dayo endlich entspannt hat (weil er begriffen hat, dass für ihn nichts vom Tisch fällt), dann liegt er gerne in seiner gesamten Länge mitten im Weg … 

Nur noch drei Stufen zum Frühstücksglück

Ich war – um ehrlich zu sein – etwas überrascht über die reichhaltige Auswahl. Die kann durchaus mit den Frühstücksbuffets von 4-Sterne-Hotels in den Großstädten mithalten … vielleicht ist sie sogar einen Tick besser, weil hier leckere, regionale Produkte angeboten werden. Von Wurst, Schinken, Käse über Eier, Pancakes, Marmeladen und Honig aus der Honigwabe … alles da! Da passt schon einmal ein Brötchen mehr rein als normalerweise! Gut gefallen, hat mir hier, dass Käse und Wurst nur auf kleineren Platten serviert und daher öfter aufgefüllt wurden. So gab es nirgends angegraute Wurst und Käse mit nach oben gewölbten Ecken, weil die Produkte schon so lange auf dem Buffet liegen. Da das Klosterhotel Wöltingerode wohl an diesem Februarwochenende ziemlich ausgebucht war, sorgte das allerdings am Samstagmorgen für Panik bei so manch einem Gast. Da war der Brötchenkorb doch tatsächlich für zwei Minuten leer … kaum aufgefüllt, spurtete ein Mann in Lichtgeschwindigkeit dorthin und schleppte stolz sechs Brötchen an einen Tisch für zwei Personen … ich bin mir sicher, das Pärchen wäre ansonsten sofort eines dramatischen Hungertodes gestorben … 😉 ..

Restaurant Klosterkrug

Im Hotelrestaurant wird nicht nur das Frühstück serviert, sondern auch das Abendessen für Hotelgäste, die Halbpension gebucht haben. Soweit ich das verstanden habe, gibt es die Halbpension außerhalb der Saison nur bei Bedarf. Wir hatten jedenfalls keine Halbpension, sondern sind abends in das À-la-Carte-Restaurant „Klosterkrug“ gegangen, das Teil des weitläufigen Klostergutes ist.Der Klosterkrug wirbt auf seiner Homepage mit dem Spruch „Gutes Essen ist Balsam für die Seele“. Dies und dass wir an allen drei Abenden dort zum Essen waren, drückt eigentlich alles aus. Das im modernen Landhausstil eingerichtete Lokal befindet sich in einem hübsch renovierten Fachwerkhaus und bietet  gute Landküche mit Produkten aus der Region. Neben der Speisekarte gibt es zusätzlich saisonale Gerichte. So standen im Februar Grünkohl und Wild im Mittelpunkt. Da der Klosterkrug ab 11.30 Uhr durchgehend geöffnet hat, könnt ihr hier nachmittags auch leckeren Kuchen essen und Kaffee trinken. Ich kann euch nur empfehlen, einmal die heiße Schokolade mit Zimtlikör und Sahne zu probieren. Hmmm, da gehen auch zwei Tassen!Der Service ist sehr aufmerksam und sehr freundlich. Die Portionen sind reichlich. Ein 3-Gang-Menü war für mich an keinem Abend machbar. Einmal habe ich ein Wildrahm-Morchelsüppchen mit Preißelbeerschmand und Klosterbrot für 5,90 Euro vorneweg gegessen. Am letzten Abend habe ich mir ein Dessert gegönnt. Und weil ich mich nicht entscheiden konnte, hat mir die Küche einfach alle meine Wunschdesserts auf einem Teller präsentiert. Daumen hoch.

"Wilder Burger" mit Pommes

Mein „Wilder Burger“ für 14,90 Euro war schon der Knaller, aber die Wildbratwürste mit Cassis-Senf für 11,90 Euro sind ebenfalls der Hammer. Von den Bratwürsten würde ich furchtbar gerne welche mit nach Hause nehmen. Auf Nachfrage wurde mir jedoch gesagt, dass es die so nicht zu kaufen gibt. Welch Überraschung, als mir der Service-Mitarbeiter am letzten Abend mitteilte, dass mir der Küchenchef 10 Bratwürste verkaufen wolle … wie toll … die warten jetzt in meiner Tiefkühltruhe darauf, auf den Grill gelegt zu werden. Dreimal Daumen hoch. Wir haben uns im Klosterkrug sehr wohl gefühlt und ausgesprochen gut gegessen. Wäre das Restaurant bei uns in der Nähe, würden wir es sicherlich zu unserem Stammlokal machen. 

Ach so: Hunde dürfen mit in den Klosterkrug. Es gibt sogar Wassernäpfe für die vierbeinigen Gäste. Und im Sommer muss es hier ebenfalls wunderschön sein, denn dann könnt ihr im Biergarten draußen sitzen.

Klostergut Wöltingerode – Gassi und Geschichte

Und um den morgendlichen und abendlichen Gassi-Spaziergang müsst ihr nicht groß nachdenken. Zum einen könnt ihr (vermutlich stundenlang) über die Felder rund um das Klostergelände marschieren. Zum anderen könnt ihr auch den Klostererlebnisweg erkunden. Der führt euch durch das gesamte Klostergelände.Da geht es vorbei am Dammwildgehege, in dem es sogar einen Albino gibt …
… und von deren Bewohnern sich Dayo und Suri nicht weiter beeindrucken lassen, weil sie ganz genau wissen, dass die Tiere in einem eingezäunten Gehege leben. Dann geht es weiter durch den klösterlichen Kräutergarten, der jetzt im Februar natürlich ziemlich unspektakulär ist.

Jedes Beet ist mit einer Hinweistafel versehen, die erklärt, welche Pflanzen hier wachsen und wozu sie in der mittelalterlichen Klosterapotheke dienten.
Was muss hier im Frühling für ein Duft über dem Garten liegen, wenn all diese Kräuter und Blumen blühen und die Luft vom Summen der Bienen erfüllt ist.Im Moment ist es hier winterlich still. Alles ist erstarrt unter der vereisten Schneedecke, und wir müssen auch etwas aufpassen, denn streckenweise ist es auch recht glatt.Auch die Bienen verharren noch im tiefen Winterschlaf. Aber dann entdecken wir doch schon erste Anzeichen neuen Lebens …
In einem Beet an einer windgeschützten Hauswand strecken die ersten Frühblüher ihre Köpfe vorsichtig aus dem Schnee.
Dann erreichen wir die Klosterkirche. Das Kloster Wöltingerode wurde 1174 als Benediktinerkloster gegründet. Nur ein paar Jahre später zogen hier die Nonnen der Zisterzienserinnen ein. 
Die frommen Damen sorgten (mit sehr harter Arbeit) dafür, dass Wöltingerode seine Blütezeit vom 13. bis zum 15. Jahrhundert erlebte. Das Kloster war reich und die Pfründe äußerst begehrt. Es überstand die unruhigen Zeiten der Reformation und des 30-jährigen Krieges und brannte 1676 fast komplett ab. Danach wurde das Kloster wieder aufgebaut. Im 20. Jahrhundert waren auf dem Klostergut unter anderem die Landfrauenschule des Reifensteiner Verbands und die Welfenakademie beheimatet. Es finden mehrfach pro Woche Führungen durch das Kloster Wölteringerode, wo ihr einen Überblick über die Geschichte des Klosters bekommt … 

Das Haupttor zum Klostergut

… und vor allem, wo ihr dann das probieren könnt, wofür das Kloster weit über seine Grenzen hinaus bekannt ist …

… die Schnapsbrennerei, die 1682 gegründet wurde und bis heute ein zentraler Wirtschaftsfaktor des Klostergutes ist. Hier werden Schnäpse und (ziemlich leckere) Liköre auf traditionelle Art und nach alten Rezepten gebrannt. Mir hat am besten der Zimtlikör geschmeckt, von dem ich dann auch eine der letzten Flaschen dieses Winters gekauft habe. Denn diese Sorte gibt es nur in den Wintermonaten. Der Hofladen hat noch mehr zu bieten. Neben den Spirituosen gibt es Honig, Süssigkeiten, lokale Biere und den leckeren Cassis-Senf, den ich zu den Wild-Bratwürsten gereicht bekommen habe … Im Laufe des Jahres gibt es hier Hoffeste und andere Veranstaltungen, die nicht nur von den Hotelgästen gerne besucht werden. Sobald es draußen wärmer wird, steppt hier wohl der Bär … 😉 …

Fazit

Für uns wird es nach drei Tagen Zeit, unsere Sachen zu packen und wieder in Richtung Heimat zu fahren. Uns hat es im Klosterhotel Wöltingerode gut gefallen. Wir haben (jeden Tag) sehr gut gegessen, gut geschlafen und einen persönlichen und sehr freundlichen Service erfahren. Die Hunde sind hier wirklich willkommen und dürfen mit in alle Restaurants – auch zum Frühstück. Was will das Hundebesitzerherz mehr? Darüber hinaus ist alleine auf dem Gelände des Klostergutes der Erlebnisfaktor ziemlich hoch. Wir haben längst nicht alles entdeckt und gesehen.
Und ihr denkt euch bestimmt, dass die moderne Technik noch keinen Einzug in die altehrwürdigen Klostermauen gehalten haben, weil ich darüber noch gar nichts geschrieben habe. Pustekuchen! Das WLAN, über das ihr euch mit einem Passwort einwählen könnt, funktioniert hervorragend. Ihr könnt sogar Filme aus der Mediathek auf euren Tablets ohne Probleme anschauen. Das WLAN ist für Hotelgäste kostenlos. Auf jeden Voucher können bis zu drei mobile Endgeräte angemeldet werden. Perfekt, oder?Einzig am Wetter wäre etwas zu kritisieren, da uns die Sonne leider die meiste Zeit über nicht gewogen war. Darunter hat natürlich auch die Qualität bzw. Strahlkraft meiner Bilder etwas gelitten, obwohl ich auch den ein oder anderen sonnigen Moment einfangen konnte.Wir haben auf unserer Karnevalsflucht natürlich noch viel mehr erlebt: Wir durften nämlich Produkte von Dogs Creek ausprobieren und haben zwei tolle Ausflüge in den winterlichen Harz gemacht (und hier ist wirklich der Teufel los). Doch davon erzähle ich euch demnächst.

Weitere Informationen:

  • Das Klosterhotel Wöltingerode ist unter dem Motto „Himmlische Hundeliebe im Harz“ ab 132 Euro pro Person im einem Comfort-Doppelzimmer buchbar. In diesem Preis enthalten, sind zwei Übernachtungen mit Frühstück, ein Begrüßungsgetränk bei Ankunft, ein Hund übernachtet kostenfrei, Leih-Hundenapf auf dem Zimmer und WLAN im ganzen Hotel. Ein zweiter Hund kostet neun Euro pro Nacht.
  • Zur Begrüßung gibt es Leckerlis und Hundekotbeutel
  • Halbpension könnt ihr zusätzlich buchen (Extrakosten)
  • Hunde sind sowohl im Hotelrestaurant (auch zum Frühstück) als auch im Klosterkrug erlaubt.
  • Von hier aus erreicht ihr Goslar, Braunschweig, Bad Harzburg, Wernigerode, Braunlage sowie die entsprechenden Nationalparks in kurzer Zeit mit dem Auto. 

Offenlegung:

  • Ich wurde von der Reisehummel und vom Klosterhotel Wöltingerode auf zwei Übernachtungen mit Frühstück eingeladen. Mir wurden keine Bedingungen für den Aufenthalt gestellt. Vielen Dank dafür!
  • Alle ansonsten anfallenden Reisekosten, Getränke, unsere Restaurantbesuche sowie die dritte Übernachtung haben wir selbst bezahlt.

 

 

 

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