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Winterwandern im Harz – rund um den Ebersberg

Über das Faschingswochenende waren wir im Harz und haben ganz wunderbare Tage im Klosterhotel Wöltingerode in der Nähe von Goslar verbracht. Natürlich sind wir auch Wandern gewesen. Was ich mir vorher so unter Harz im Winter vorgestellt habe, kann ich nicht genau sagen. Jedenfalls ganz bestimmt nicht, dass hier – besonders, wenn richtig Schnee liegt – der Bär tanzt.

Und was soll ich sagen: Im Naturpark Harz hat jede Menge Schnee gelegen. Auf unserem Weg sind wir durch Bad Harzburg gefahren und dann über die B4 in Richtung Braunlage. Kaum sind wir aus der Kurstadt raus, geht es in lang gezogenen Serpentinen den Berg hinauf. Mit jedem Kilometer, den wir tiefer in den Harz fahren, liegt auch immer mehr Schnee. Alleine sind wir an diesem Samstagvormittag leider nicht auf der Straße. Und je weiter wir fahren, umso klarer wird mir, dass der Harz im Winter kein Ort der Beschaulichkeit ist.

Wintersport total 

Ganz im Gegenteil. Als wir uns dem höchsten Punkt Niedersachsens nähern, wird die in beide Richtungen jeweils zweispurige Bundesstraße plötzlich einspurig. Der zweite Fahrstreifen wird als Parkplatz genutzt. Stoßstange an Stoßstange parken die Autos in einer scheinbar endlosen Schlange. Und wer krabbelt da alles die Straße hinauf – Familien, Paare, Jugendliche, Hundebesitzer, Skiläufer, Langläufer, Schlittenfahrer. Alle haben die klitzekleine Siedlung Torfhaus im Visier. Hier ist mit 800 Metern nicht nur der höchste Punkt in Niedersachsen, sondern auch ein Skigebiet. So geht es übrigens an allen Wintersportorten im Harz zu. Von Braunlage bis Schierke. Von Hahnenklee bis Bad Sachsa.

Winterwandern geht auch

Und hier jetzt wandern? Mit all den Leuten? Nein, ich – Pardon wir – ganz bestimmt nicht. Wir fahren weiter in Richtung Hohegeiß (einem Ortsteil von Braunlage, der früher direkt an der Grenze zur DDR lag). Da ich bezüglich der Winterwanderwege ausnahmsweise etwas besser vorbereitet bin als gewöhnlich, steuern wir kurz vor dem Ort Hohegeiß einen Parkplatz an, der erstaunlicherweise nur mäßig belegt ist. Gut, hier gibt es offensichtlich keine Skilifte. Nur ein paar Kinder rodeln den Hang hinab. Einen halben Kilometer später erreichen wir den „Bechlerstein“ – hier ist der Ausgangspunkt unserer geplanten Winterwanderung „Rund um den Ebersberg“. Abgesehen davon, dass wir hier hätten auch parken können, ist hier der Einstieg in eine Loipe.Der Rundwanderweg ist um die zehn Kilometer lang und mit dem roten Kreis mit der zwei darin gekennzeichnet. Da die gesamte Strecke abgesehen von ein paar kleineren Steigungen mehr oder weniger eben verläuft, ist der Weg extrem leicht zu laufen.
Für einen Wintertag im Harz herrschen angenehme Temperaturen von ungefähr -2° C. Der Weg ist gut geräumt und nach den ersten Metern auf der Ebersbergstraße sind wir fast alleine im Wald. Der Schnee knirscht unter den Schuhen. Es geht ein leichter Wind. Der Himmel ist Grau, und die Bären erfreuen sich an all den wunderbaren Gerüchen. Besonders Suri taucht ihre Nase in die zahlreichen Spuren im Schnee – war hier ein Hase unterwegs? Oder gar ein Reh?Auf den Ästen der Tannen und Bäumen liegt dick der Schnee. Und unsere Atemwölkchen lösen sich im Einheitsgrau des Tages ganz schnell auf.
Am Wegesrand türmen sich zahlreiche, sehr ordentliche Holzstapel. Der letzte Sturm ist erst zwei Wochen her und hat nicht nur bei uns im Westerwald, sondern auch im Harz zahlreiche (Baum-)Opfer gefordert.
Wie müssen die Ausblicke sein, wenn der Himmel blau und das Wetter klar ist … aber auch Grau kann ja sehr schön sein …… immerhin sieht man dann Highlights der Wanderung deutlicher … 😉 … wie beispielsweise der Ort, an dem einst die Ebersbergschanze stand, die 1991 abgerissen wurde.

Orkantief „Friederike“ lässt grüßen

Auf Schritt und Tritt begegnen uns die Hinterlassenschaften des Orkantiefs „Friederike“.Dayo interessiert sich dafür allerdings nicht besonders. Er bleibt brav auf dem Weg und macht nur ab und zu einmal einen Abstecher nach links oder rechts.Irgendwie faszinieren mich die vielen entwurzelten Bäume, die zerborstenen Stämme und die wirklich unzähligen Holzstapel …

Fein säuberlich aufgebaut ...

Der Weg ist gut ausgeschildert, …… aber auf den ersten zwei Dritteln der Strecke doch ziemlich unspektakulär. Da wir in diesem Jahr aber fast keinen Schnee hatten, finde ich es wunderschön und erfreue mich an der Stille im Wald und am Knirschen des Schnees.Und anscheinend beschäftigen sich nicht nur Holzfäller mit der Be- und Verarbeitung von Bäumen …Hier hat ein Specht ganze Arbeit geleistet.Ich bin ohne Rucksack und damit auch ohne Wasser für Dayo unterwegs. Bei einer Strecke von „nur“ zehn Kilometern im Winter habe ich irgendwie gar nicht darüber nachgedacht. Aber Dayo hat natürlich auch im Winter Durst …… und er labt sich an der Steinbachquelle. Das kleine Rinnsal macht sich von hier aus auf den Weg bis zur Nordsee.Irgendwann fängt es an, ganz leicht zu schneien. Und wenn die Farbe Grau noch grauer werden kann, dann jetzt. Doch Dayo und ich marschieren unverdrossen weiter. Für meine Verhältnisse bin ich auch rasant schnell unterwegs, wofür nicht nur der Weg fast ohne Steigungen verantwortlich ist. Trotz der Bewegung fröstele ich ein wenig. Aber wenigstens habe ich warme Füsse.

Gedenktsteine und Schutzhütten überall

So erreichen wir den Hahnestein, den ich nicht fotografiert habe, der aber 1951 für den Forstarbeiter Wilhelm Hahne errichtet wurde, der 70 Jahre lang hier im Forst gearbeitet hat. Meine Güte. Das ist ja ganz schön lange. Hier ist auch die Stempelstelle 206, an der man seinen Pass (ich nehme mal an, es gibt einen Pass) für die Harzer Wandernadel abstempeln kann (wäre eigentlich auch eine gute Idee für den Westerwaldsteig). Im Sommer ist der Hahnestein bestimmt ein toller Platz für eine Pause oder ein Picknick am Wasser.Jetzt im Winter sorgen Schnee und Eis gemeinsam mit dem trüben Wetter für eine eher mystische Stimmung.
Der Harz hält etwas auf Traditionen und ehrt diejenigen, die sich für ihn engagiert haben – in diesem Fall mit einer Schutzhütte. Die zehn Kilometer sind fast abgelaufen. Die angekündigten schönen Blicke auf die höchsten Berge im Harz – Achtermannshöhe, Wurmberg und Brocken – sind mir leider verwehrt geblieben.  Dafür mache ich ein Foto vom Bechlerstein, der daran erinnert, dass hier einst der Rentmeister Bechler in einem Schneesturm erfroren ist. Noch einen letzten Blick auf die Ebersberg-Loipe, die im Gegensatz zu all den anderen Wintersportlokalitäten ziemlich menschenleer und verwaist ist. Dann geht es zurück zum Auto, wo der reizende Gemahl und Suri auf Dayo und mich warten.Und hier bekommt Dayo aus seinem niegelnagelneuen Outdoor-Equipment erst einmal etwas zu trinken …… und natürlich einen großen Hundekuchen, der in Windeseile verspeist ist.  

Abstecher in die deutsche Geschichte

Bevor wir zurück nach Goslar fahren, machen wir noch einen Abstecher in die deutsche Geschichte und besuchen in Hohegeiß die Stelle, wo bis 1989 die Grenze zur DDR war.Obwohl der Fall der Mauer nun schon fast 30 Jahre zurückliegt, hat mich das doch sehr berührt. 
Bis heute machen mich die vielen tragischen Schicksale, die es entlang der gesamten Mauer gibt, sehr traurig. Das Bedauerliche ist, dass  die Menschen aus der Geschichte nicht viel gelernt haben. Gott sei Dank gibt es in Deutschland keine Grenze mehr, an der Menschen erschossen werden. Aber leider ist das nicht überall auf der Welt so.

Weitere Informationen:

  • Im Harz gibt es zahlreiche Winterwanderwege, die bei Schnee gut begehbar sind. Fündig werdet ihr beispielsweise hier.
  • Der Wanderweg rund um den Ebersberg ist zehn Kilometer lang. Er hat nur wenige leichte Steigungen und verläuft meistens auf ebener Strecke. Der Weg ist gut ausgeschildert. Bei schönem Wetter könnt ihr den Brocken und den Wurmberg sehen (ich leider nicht). Mir hat der Weg Spaß gemacht, obwohl ich zugebe, dass ich ihn wohl ohne Schnee ziemlich langweilig gefunden hätte.
  • Ihr solltet auf jeden Fall eine Stippvisite nach Hohengeiß machen. Hier könnt ihr die ehemalige Grenze zur DDR besuchen, die nur noch durch Gedenk- und Informationstafeln sichtbar ist.
  • Wir haben das Wochenende im Klosterhotel Wöltingerode verbracht, in dem Hunde herzlich willkommen und – sofern sie gut erzogen sind – auch in den beiden Restaurants (auch zum Frühstück) erlaubt sind (wir wurden von der Reisehummel sowie vom Hotel für zwei Nächte eingeladen). 

 

 

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