4 Tipps für ein Wochenende in Werder an der Havel

Im vergangenen Oktober war ich mit Dayo und Suri eine Woche in Brandenburg unterwegs. Genauer gesagt im Havelland. Zuerst ging es für uns in die Region rund um die Inselstadt Werder und danach in die Wasserstadt Brandenburg an der Havel. Unter dem Havelland konnte ich mir so recht nichts vorstellen – außer natürlich Theodor Fontanes Gedicht „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“. Umso überraschter war ich dann darüber, wie schön diese Region ganz im Osten Deutschlands ist.

Gewohnt habe ich im hundefreundlichen Apfelhotel (in Glindow, einem Ortsteil von Werder), das inmitten riesiger Sanddorn- und Obstplantagen liegt. Denn genau dafür ist das Gebiet rund um die Inselstadt bekannt und wird daher auch „Obstkammer von Berlin und Potsdam“ genannt. Zu DDR-Zeiten wurde hier auf ungefähr 10.000 Hektar Obst angebaut.  Nach dem Mauerfall wurde es kompliziert. EU-Vorgaben und die Rückführung der Grundstücke an die ursprünglichen Eigentümer sorgten dafür dass weniger Obst angebaut wurde.

Tipp Nummer 1 – Panoramaweg Werder Obst

Aber genau diese Obstplantagen sind Schauplatz meines ersten Tipps für euch. Denn hier gibt es seit 2012 (also noch recht jung) den Panoramaweg Werder ObstDer Streckenwanderweg ist ungefähr 15 bis 16 Kilometer lang. Er startet im Lenée-Park in Petzow, endet am Lilienthal-Denkmal und gibt euch einen schönen Einblick in die Kulturlandschaft, in der seit dem 19. Jahrhundert Obst und Gemüse angebaut wird. Darüber hinaus liegen einige interessante Sehenswürdigkeiten am Wegesrand, wie beispielsweise die Schinkelkirche in Petzow, das Ziegeleimuseum in Glindow oder die Dorfkirche in Derwitz. Ich bin diesen Wanderweg nicht komplett gelaufen, sondern habe die morgendlichen Pippirunden dort absolviert. Es muss traumhaft sein, wenn hier alles in voller Blüte steht. Wir konnten immerhin das satte Orange der Sanddornplantage genießen.

Tipp Nummer 2 – Wanderung durch die Glindower Alpen

Und wer hätte gedacht, dass es mitten in Brandenburg auch Alpen gibt. Sabine vom Apfelhotel hat mir diese Wanderung durch die Glindower Alpen empfohlen. Es wurde dann „nur“ ein etwas längerer Spaziergang, weil einige Wege aufgrund von Sturmschäden gesperrt waren und ich – wie das so bei mir üblich ist – frei nach Schnauze (und Komoot) gelaufen bin.Ausgangspunkt ist der Parkplatz am Ziegelmuseum am Glindower See. Die „Alpen“ entstanden durch den Abbau von Ton, der in der ebenfalls neben dem Parkplatz liegenden Ziegelei verarbeitet wurde. Und was mich ja dann immer fasziniert, ist die Geschichte. Glindow hatte einst den slawischen Namen Glina, was so viel wie Lehm oder Ton heißt, und wurde 1317 das erste Mal erwähnt.
Wir spazieren erst einmal ein Stück am Glindower See entlang. Der Himmel ist wolkenverhangen, aber wenigstens regnet es nicht. Jetzt Ende Oktober ist hier an einem Dienstagvormittag recht wenig los, und ich kann das Wasser und die Landschaft ganz in Ruhe genießen.

Still ruht der See ...

Inzwischen sind die Glindower Alpen ein Naturschutzgebiet und umfassen ein Gelände von rund 120 Hektar.Aber bevor wir so richtig in dieses Naturschutzgebiet eintauchen, geht es erst einmal immer am See entlang. Rechter Hand stehen hübsche Wochenendhäuser in Reih und Glied. Und am Seeufer führen zahlreiche Bootsstege ins Wasser. Und wie es in Deutschland so üblich ist, warnt vor jedem Steg ein Verbotsschild davor, diesen zu betreten …
… alles Privatbesitz, alles verboten. Natürlich tut es mir auch furchtbar leid, dass Dayo und Suri nicht lesen können und sich daher nicht weiter um die Verbote scheren … 😉 …Und dann stolpere ich fast über eine kleine Walderdbeere, die da am Wegesrand im Oktober ihr rotes Köpfchen aus den Blättern streckt.Als wir den verwaisten Ferienpark passieren, führt uns der Weg nun weg vom See und in Richtung Glindower Alpen.
Trotzdem wir immer mal wieder wegen im Weg liegenden Bäumen …
… vom Weg abweichen müssen (na ja, über den Baum sind wir natürlich drüber geklettert), schaffen wir es, halbwegs in die richtige Richtung zu laufen.Dayo nimmt alle Hindernisse sportlich und mit großer Eleganz!
Es geht ein wenig bergab und ein wenig bergauf … natürlich nicht so wie in den echten Alpen, aber immerhin auf schmalen und verwunschenen Pfaden.Und dann wechselt der Laub- bzw. Mischwald plötzlich zu einem Nadelbaumwald. Der Weg wird breiter und am End schimmert doch tatsächlich ein blauer Himmel.Wir sind jetzt fast am höchsten Punkt unserer Wanderung. Nur noch ein paar Schritte, und wir erreichen den Aussichtspunkt „Belvedere“.Von hier aus geht es für uns bergab und zurück in Richtung Ziegelei.
Auf den letzten Metern werden wir noch so richtig schmutzig, denn hier hat der Regen der letzten Wochen dafür gesorgt, dass wir über ziemlich verschlammte Wege laufen müssen.Der Rundwanderweg durch die Glindower Alpen ist rund 12 Kilometer lang. Wegen der gesperrten Wege sind wir nur ungefähr acht Kilometer gelaufen.

Tipp Nummer 3 – Stadtspaziergang durch Werder an der Havel

Natürlich ist ein Spaziergang durch die Inselstadt Werder ein unbedingtes Muss. Werder hat ungefähr 25.000 Einwohner ist nur rund 40 Kilometer von Berlin entfernt. Die Kernstadt liegt auf einer Insel in der Havel. Werder ist von den Havelseen Schwielowsee, Glindower See, Großer Plessower See und Großer Zernsee umgeben und ist daher auch sehr sehr beliebtes Ausflugsziel der Berliner und Potsdamer.
Die Stadtgeschichte geht bis ins Mittelalter zurück. Außerdem wurden auf der Insel Scherben slawischer Herkunft gefunden.Auf dem Mühlenberg (wo auch die slawischen Scherben gefunden wurden) steht einer Bockwindmühle. Die ursprüngliche Mühl brannte 1973 ab. Man fand eine ähnliche Mühle in der Nähe von Leipzig, baute sie dort ab, bereitete das Material wieder auf und baute sie dann wieder in Werder auf.Ans Wasser kommt man nicht überall, denn natürlich stehen am Ufer zahlreiche (hübsche) Villen und Häusern, die dann alle einen Privatzugang zur Havel haben.Die Altstadt bzw. der gesamte Stadtkern wurde nach 1990 komplett renoviert, saniert und restauriert.Ich bin an einem Dienstagnachmittag auf der Havelinsel unterwegs. Die meisten Geschäfte (und auch Gaststätten) hatten geschlossen. Im Sommer ist hier bestimmt sehr viel los. Dann ist es vielleicht mit zwei so großen Hunden nicht ganz so angenehm wie Ende Oktober.

Tipp Nummer 4 – Ribbeck im Havelland

Von dem Moment, an dem ich Werder in Richtung der Wasserstadt Brandenburg verlassen habe, geistert mir Theodor Fontanes wohl berühmtestes Gedicht durch den Kopf. Was wäre ein Roadtrip durch das Havelland, ohne nicht auch Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland einen Besuch abzustatten?Sabine vom Apfelhotel empfahl mir, Landstraße und Fähre zu nehmen, um nach Brandenburg zu fahren. So käme ich in Ribbeck vorbei und würde darüber hinaus auch einen besseren Eindruck über das Havelland und das Land Brandenburg an sich bekommen. Und wo sie Recht hat, hat sie Recht. 
Manchmal fuhren wir über gut ausgebaute Landstraßen. Manchmal rumpelten wir eher über Straßen, die seit DDR-Zeiten wohl keine ernsthaften Reparaturversuche mehr erlebt hatten.
Und in Ketzin setzten wir mit einer Fähre über die Havel. Und das hat mir eigentlich am besten an der Autofahrt gefallen. Und für drei Euro war es auch ein sehr erschwingliches Vergnügen. Die nette Unterhaltung mit dem Fährmann gab es kostenlos … 😉 …Und dann erreichten wir Ribbeck im Havelland, das sich selbst als „Dorf voll Poesie und Birnen“ beschreibt (und ein Ortsteil der Stadt Nauen ist). Das Rittergut derer von Ribbeck ist ein gepflegtes und sehr hübsches Kleinod. Viele der Gebäude aus Fontanes Zeiten sind noch erhalten und wurden liebevoll restauriert. So produziert die Ribbecksche Brennerei diverse Obstbrände und natürlich auch einen aus den berühmten Birnen …

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
ein Birnbaum in seinem Garten stand,
und kam die goldene Herbsteszeit
und die Birnen leuchteten weit und breit,
da stopfte, wenn’s Mittag vom Turme scholl,
der von Ribbeck sich beide Taschen voll,
und kam in Pantinen ein Junge daher,
so rief er: »Junge, wiste ’ne Beer?«
Und kam ein Mädel, so rief er: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick hebb ’ne Birn.«

(Theodor Fontane)

Den berühmten Birnbaum gibt es nicht mehr …… aber an dieser Stelle spendet nun ein jüngerer Birnbaum Schatten.

Eingang zum Familienfriedhof derer von Ribbeck

Der letzte Herr auf dem Gut Ribbeck war Rittmeister Hans von Ribbeck, der ein erklärter und ganz offener Gegner von Adolf Hitler war und dies 1945 im KZ Sachsenhausen mit dem Leben bezahlte. Es hört sich jetzt für euch vielleicht etwas komisch an, aber der Familienfriedhof hat mich am meisten beeindruckt. Ich habe dort eine ganze Weile zugebracht (bis Dayo und Suri nervös wurden und weitergehen wollten).Es gibt eine Karte, mit der ihr einen Rundgang über das gesamte Rittergut machen könnt. So gibt es das Schlossmuseum (das ich nicht besuchen konnte wegen der Hunde), ein historisches Klassenzimmer (wie zu Fontanes Zeiten), die bereits erwähnte Ribbecksche Brennerei und, und, und … Als ich in Ribbeck war, waren in Brandenburg und Berlin noch Herbstferien, und so war das Rittergut ziemlich gut besucht und Café und Restaurant fast voll besetzt. Mir war es zu stressig mit den vielen Kindern, mir einen Platz mit Dayo und Suri zu suchen und eine Kleinigkeit zu essen. Hunde sind aber erlaubt.

Rund um Ribbeck könnt ihr wunderbar spazieren gehen

Anstatt eine Pause zu machen, bin ich mit den beiden Bären über den Fahrradweg (der Ende Oktober nicht so befahren ist) in Richtung Groß Behnitz spaziert. Wir sind bis kurz vor den Ortseingang gelaufen und dann den Weg wieder zurück. Die (Fahrrad-)Strecke Von Ribbeck nach Groß Behnitz ist rund 5,5 Kilometer lang und schön eben. Bei dem schönen Herbstwetter hätte ich ewig so weiterlaufen können.Zurück in Ribbeck war es nun an der Zeit, Abschied von Fontane und den Birnen zu nehmen. Natürlich nicht, ohne vorher doch noch einen genaueren Blick auf hübsche Dorfkirche zu werfen, die zentral mitten im Dorf liegt …
… und aus dem 14. Jahrhundert stammt. Hier werden bis heute Gottesdienste, Konzerte und Feste abgehalten. Danach bin ich noch schnell in das Restaurant „Alte Schule“ gegangen, um ein paar Souvenirs in Form von Birnenschnaps und -likör zu kaufen … 😉 … und habe mir fest vorgenommen „Effi Briest“ von Fontane wieder einmal zu lesen.

Dayo und Suri waren dann ziemlich froh, als sie auf dem Weg in die Stadt Brandenburg im Auto endlich eine Runde schlafen konnten. Und ob ich in der Wasserstadt an der Havel auf Spuren der Slawenfürsten Tugomir und Jacza von Köpenick gestoßen bin, das erzähle ich euch ein anderes Mal …

Weitere Information:

  • Ich habe meine Tour durch das Havelland in Brandenburg als hundefreundlich empfunden. Es gibt ausreichend hundefreundliche Restaurants. Es ist allerdings ratsam, Wasser für die Vierbeiner selbst dabei zu haben. Das wurde mir nicht überall angeboten.
  • Über die Havellland-Region könnt ihr euch auch hier informieren.
  • Ich habe im Apfelhotel am Glindower See übernachtet und war dort für zwei Nächte inkl. Frühstück eingeladen.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Warum sich ein Städtetrip mit Hund in die Wasserstadt Brandenburg lohnt – HundeReisenMehr

  2. Liebe Martina,
    vielen Dank für deinen tollen Bericht und die guten Tipps. Das macht Lust, auch in Deutschland wieder einmal unterwegs zu sein.
    An Ostern waren wir im schönen Wismar, allerdings hatte uns der Schnee fest im Griff. 🙂 Trotzdem möchte ich dir noch von der St. Nikolai Kirche in Wismar berichten. Dort dürfen nämlich brave und wohlerzogene Hunde die Kirche mit ihren Menschen besichtigen. Dies habe ich so noch nirgendwo erlebt.
    Liebe Grüße aus München
    Christine, Peter & Debby

    • Liebe Christine,
      wie schön, von Dir zu hören. Ich hoffe, es geht Euch gut. Ihr habt Euch inzwischen sicherlich schon lange wieder an Deutschland und die deutsche Mentalität gewöhnt. Schön, dass meine Reiseerlebnisse aus dem Havelland für Dich inspirierend sind. Es kommt noch ein zweiter Teil.
      Das ist ja toll mit der Kirche in Wismar. Das habe ich auch noch nie gehört. Und das muss ich mir unbedingt merken. Irgendwann kommen wir auch noch nach Wismar.
      Viele Grüße
      Martina

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