Von Kühen, einem Vulkan und dem Teufel, der Karten spielt

Ende Februar waren wir für eine kurze Auszeit in Herbstein im Vogelsberg. Dort haben wir nicht nur in einem absolut trendigen Designhotel gewohnt, sondern sind auf einer Wanderung auch (fast) dem Teufel begegnet. 

Nachdem es am Tag unserer Anreise ganz schön gestürmt und geregnet hat, jagen an diesem Freitagvormittag die Wolken zwar immer noch über den Himmel, aber es wird im Laufe des Tages immer schöner. Kalt und sonnig. Bevor wir uns zu einer Wanderung aufmachen, wollen wir uns Herbstein etwas genauer anschauen.Das Städtchen ist ein anerkannter Luftkurort sowie ein staatlich anerkanntes Heilbad. Bereits im Mittelalter erhielt Herbstein, das mitten im Naturpark Hoher Vogelsberg liegt, die Stadtrechte. In der Saison tanzt hier bestimmt der (Wander-)Bär, aber Ende Februar ist das historische Stadtzentrum ein wenig ausgestorben.In der Saison werden historische Stadtrundgänge angeboten, auf der es dann auch zu den Resten einer alten Burganlage geht. Wir begnügen uns einfach damit, durch die menschenleeren Straßen zu spazieren.

Kühe in der Stadt

Die vielen schön renovierten und restaurierten Fachwerkhäuser reihen sich in manch einer Straße aneinander wie Perlen, die auf eine Schnur gezogen wurden. 
Natürlich begutachten wir auch die gut erhaltene Stadtmauer, die ursprünglich einmal 800 Meter lang war. 
Hinter einigen Hoftoren verbergen sich neben Wohnhäusern auch Kuhställe. Ein ganz reizender älterer Bauer ist froh, als er uns sieht. Er fängt sofort ein Gespräch an, freut sich über Dayo und Suri und erlaubt uns, die Kühe ganz aus der Nähe zu betrachten. Dayo ist sich nicht so sicher, was er von der ganzen Sache halten soll, aber er gibt sich charmant und weltoffen. Ein wenig ungeduldig ist er aber schon. Er möchte endlich laufen und ungestört die Natur erkunden. Also machen wir uns mit dem Auto auf den Weg in den Luftkurort Ilbeshausen-Hochwaldhausen, denn hier habe ich verschiedene „Vulkan“-Wanderwege entdeckt, die genau das Richtige für uns sind.

Wandern auf Europas größtem erloschenen Vulkan

Für Ilbeshausen-Hochwaldhausen, das nur ein paar Autominuten von Herbstein entfernt ist, haben wir uns auch deshalb entschieden, weil das Örtchen 2011 zum „schönsten Wanderort Hessens“ gekürt wurde.Rund um den Luftkurort gibt es vier Rundwanderwege, die insgesamt ca. 12,5 Kilometer lang sind und sich alle miteinander verbinden lassen. Der Einfachheit halber heißen die Wanderwege R1, R2, R3 und R4. Wir laufen erst R3 und hängen dann noch R2 dran. Ausgangspunkt ist das Informationshaus im Kurpark. Hier gibt es auch einen großen Parkplatz (den wir natürlich nicht benutzt haben, denn wir sind schon zwei Kilometer gelaufen, bevor wir im Kurpark ankommen …). Der Rundwanderweg R3 soll uns rund um den Steinkopf führen.Der gesamte Weg ist gut ausgeschildert und bietet immer wieder die Möglichkeit, auf einen anderen Rundweg „umzusteigen“, aber das haben wir nicht vor.In der Wegbeschreibung am Informationshaus hieß es, dass R3 kaum Steigungen hat. Am Anfang stimmt das auch. Es geht erst einmal ganz gemächlich durch die Landschaft. Immer wieder haben wir tolle Ausblicke auf Wiesen, Wälder und einen sich ständig verändernden Himmel. 
Obwohl es in den vergangenen Tag zum Teil sehr stark geregnet hat, sind die Wege recht gut begehbar – mal von dem ein oder anderen Meter Schlamm abgesehen …… und hin und wieder gibt es auch noch ein wenig Schnee. Der Vogelsberg ist übrigens das größte zusammenhängende Basaltmassiv Europas und entstand vor ungefähr 20 Millionen Jahren. Der Naturpark Hoher Vogelsberg wurde 1956 ins Leben gerufen. Bis dahin war er selbst den in der Nähe lebenden Frankfurtern relativ unbekannt. So wahnsinnig überlaufen ist er – mit wenigen Ausnahmen – bis heute nicht. Und schon gar nicht im Februar, wo uns auf dem Weg zum Steinkopf keine Menschenseele begegnet.
Dafür können wir Meister Reineke beobachten, der ganz in Ruhe auf der Suche nach Beute ist und sich weder von uns noch von Dayo und Suri ins Bockshorn jagen lässt. Den Fuchs haben wir ungefähr am höchsten Punkt des Wanderwegs R3 getroffen und das war auf 500 Meter Höhe. Der letzte Kilometer bis nach oben hat es in sich. Vermutlich liegt es aber daran, dass wir die ganze Zeit so gemütlich vor uns hin geschlendert sind, dass es auf einmal sehr anstrengend wurde, bergauf zu laufen … 😉 … jedenfalls geht es dann nur noch bergab bis wir wieder in Ilbeshausen-Hochwaldhausen angekommen sind. Hier beschließen wir noch die Rundwanderung R2 dran zu hängen, die uns zunächst durch den Ort und an der Vogelsbergklinik vorbei in Richtung Wald führt.

Ein Teufel, der Karten spielt

Wir spazieren bergauf durch einen Mischwald, in dem noch nichts darauf hin deutet, dass der Frühling vor der Tür steht. Kurze Zeit später erreichen wir eine kleine Lichtung, von der aus wir einen schönen Blick auf Ilbeshausen-Hochwaldhausen haben, das ganz verträumt in der Sonne des Spätnachmittages liegt.Wir halten uns nicht lange auf und marschieren weiter in Richtung „Spitze Steine“, einem alten vulkanischen Durchbruch mitten im Wald.
Ab hier geht es wieder bergab. Überall liegen Basaltblöcke – von ganz groß bis ganz klein und fast alle sind mit einer dicken Schicht grünen Mooses überzogen.Hin und wieder versperrt uns ein Baum den Weg und eine kleine Klettertour ist angesagt. Mein reizender Gemahl ist der Meinung, dass wir auf dem falschen Weg sind (schließlich dürfen auf einem Wanderweg keine Bäume liegen …). Aber kurze Zeit später wird er eines besseren belehrt. Wir sind auf dem richtigen Weg. Die Teufelskanzel ist nur noch ein paar Schritte entfernt. Und riecht es hier nicht auf einmal nach Schwefel? Verdunkelt sich die Umgebung nicht schlagartig? Sind die Geräusche des Waldes vielleicht verstummt? Nein, keine Sorge. Nichts von alledem ist passiert, obwohl wir doch recht lange die Steinformation, die Teufelskanzel genannt wird, begutachten.Hier soll der Teufel mit Holzfällern Karten gespielt haben. Allerdings wurde er von den Leuten geprellt und verzog sich daraufhin wütend. Erst in dem Moment sahen die Holzfäller, dass der böse Kartenspieler einen Pferdehuf statt eines Fusses hatte. Noch heute soll man den „Schwefel“ des Teufels an dieser Stelle riechen können. Ich habe nichts gerochen … und Dayo und Suri auch nicht …Aber ein bisschen unheimlich war es schon.Es geht noch ein kurzes Stück über Stock und Stein bis wir wieder auf einen befestigten Waldweg treffen. Rechts und links plätschert der Schwarzbach vor sich hin und gibt Dayo und Suri die Möglichkeit, ihren Durst zu stillen. 
Dann sind wir auch schon wieder an der Vogelsbergklinik, an der wir jetzt nicht mehr komplett vorbei laufen, sondern rechts abbiegen, durch ein Wohngebiet spazieren und auf unser Auto zusteuern.Wir werfen einen letzten Blick auf Ilbeshausen-Hochwaldhausen … … und erreichen bald darauf unseren Ausgangspunkt, der auch noch einiges zu bieten hat. Denn wir haben nur wenige Schritte von der Teufelsmühle geparkt, …… die 1691 erbaut wurde …Die Teufelsmühle zählt zu den bedeutendsten Fachwerkbauten in Deutschland und ist privat bewohnt. Es geht die Sage um, dass die Mühle von einem Zimmermann im Wettstreit mit dem Teufel erbaut wurde … Dayo und Suri sind die Teufelssagen relativ egal. Sie sind froh, dass sie im Auto entspannen können und später im Hotel ihr Abendessen serviert bekommen. Wir sind knapp zehn Kilometer gelaufen und hatten einen schönen Nachmittag auf Europas größtem erloschenen Vulkan.

Wer von euch war schon im Vogelsberg wandern? Und wo?

Weitere Informationen:

  • Wie oben bereits erwähnt, gibt es rund um den Wanderort Ilbeshausen-Hochwaldhausen vier abwechslungsreiche Rundwanderweg (R1, R2, R3, R4), die auch die Grebenhainer Vulkanrunde genannt wird. Alle Rundwanderwege lassen sich miteinander verbinden. Die Wanderungen sind alle nicht besonders schwer. Unterwegs gibt es einige Stellen, an denen Hunde Wasser trinken können (besonders im Sommer würde ich aber trotzdem Wasser für die Vierbeiner mitnehmen).
  • Gewohnt haben wir in Herbstein im mein kleinHOTEL. Hunde sind hier willkommen und schlagen mit fünf Euro pro Nacht zu Buche. Wir haben uns dort sehr wohl gefühlt.
  • Wir waren am ersten Abend im Wirtshaus „Linde“ in Altenschlirf und haben hier ausgesprochen gut gegessen. Gerade am Wochenende ist es sinnvoll, einen Tisch zu reservieren. Hunde sind erlaubt, so lange sich andere Gäste nicht über die Vierbeiner beschweren. Es wird eine bodenständige Küche mit regionalen Produkte geboten. Das Preisniveau ist etwas höher. Das Wirtshaus hat keine Homepage. 
  • Am zweiten Abend haben wir in Herbstein „Bei Sandy“, einem italienischen Restaurant, gegessen. Pizza und Pasta sehr lecker. Preise in Ordnung.

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Das sieht ja mal nach einem richtig tollen Ausflug aus! Wenn wir das nächste Mal in Hessen sind, würden mein Wuff und ich uns diesen schönen Naturpark auch gerne anschauen. LG Lisa

  2. Liebe Frau Züngel-Hein,
    toller Bericht, schöne Bilder, interessante Hintergrundinfos. Das macht richtig Lust, mal selber die Umgebung zu erkunden. Ich freue mich schon auf viele zwei- und vierbeinige Gäste 🙂
    Beste Grüße
    Andrea Kaage

    • Liebe Frau Kaage,
      das freut mich, wenn Ihnen der Bericht gefallen hat. Dann bin ich gespannt, ob Ihnen die Strecke auch gefällt, wenn Sie sie selbst laufen.
      Viele Grüße
      Martina Züngel-Hein

  3. Liebe Frau Züngel-Hein,
    das ist wirklich ein sehr schöner Bericht mit sehr inspirierenden Bildern. Besonders spannend finde ich, dass Sie von der Teufelskanzel berichten. Es gibt auch in der Nähe von mein kleinHOTEL Biedenkopf eine Teufelskanzel und ganz besonders spannend ist dieser Ort für Hundebesitzer. An der Teufelkanzel in Bad Laasphe beginnt der Mensch- und Hunderlebnispfad. Dies ist ein speziell für Menschen mit ihren vierbeinigen Freunden angelegter Wanderweg, der einige Aufgaben für die Vierbeiner bereithält. Vielleicht ergibt es sich einmal, dass Sie planen unsere Region zu erkunden. Sie sind dann herzlich willkommen in mein kleinHOTEL Biedenkopf. Wir freuen uns auf Sie.
    Viele Grüße
    Nicole Ann Habich

    • Liebe Frau Habich,
      ich freue mich, wenn Ihnen mein Wanderbeitrag gefallen hat. Ich mag die Wanderwege am liebsten, bei denen es noch ein wenig nebenher zu erzählen gibt. Wie interessant, dass es bei Ihnen einen speziellen Wanderweg für Hunde gibt. Ich sage gerne Bescheid, wenn ich mal in Richtung Biedenkopf unterwegs.
      Herzliche Grüße
      Martina Züngel-Hein

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