Wäller Tour Bärenkopp im Schweiße meines Angesichts

Nun geht es von Claudias Schweden-Berichten wieder zurück in die Heimat. Mein reizender Gemahl hatte Ende August eine Woche Urlaub. Ich nicht. Aber ich hatte mir einen Tag frei genommen. Wir wollten eine schöne Wanderung machen. Da wir abends noch mit Freunden zum Essen verabredet waren, sollte die Tour nicht so lang, nicht so weit entfernt und nicht so schwer sein …

… und wie das so oft bei mir ist: Es kam natürlich anders als gedacht! Seit Mitte 2015 gibt es die Wäller Tour Bärenkopp, die durch den Naturpark Rhein-Westerwald führt. Der Wanderweg ist als „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“ mit dem Zusatz „traumtour“ zertifiziert. Mit 11,6 Kilometern Länge erschien mir die Wandertour als angemessen für unseren Urlaubstag. Ich hatte allerdings übersehen, dass für diese Wanderung eine Dauer von ca. vier Stunden (und ich benötige ja generell etwas mehr … 😉 …) kalkuliert ist und dass die Wanderung als schwer eingestuft ist.waeller-tour-baerenkopp-42Start- und Zielpunkt ist der Ort Waldbreitbach. Wir parken auf einem Parkplatz direkt an der Wied (in der Nähe von „Nassen’s Mühle“) und haben im ersten Moment etwas Mühe, die Wegweiser „Wäller Tour Bärenkopp“ zu finden. Wir überqueren eine Hauptstraße und ein Stückchen weiter beginnt auch schon der Wanderweg.waeller-tour-baerenkopp-2An dieser Wandertafel findet Ihr auch entsprechendes Informationsmaterial zum Mitnehmen. Von hier geht es bergauf direkt in den Wald hinein. Der Weg verläuft fast parallel zur Wied und …waeller-tour-baerenkopp-3… ist sehr gut ausgeschildert. Noch denke ich mir nichts Böses dabei, dass es bergauf geht. Da ich mir vorher auch nicht die zu überwindenden Höhenmeter angeschaut habe, ahne ich zu diesem Zeitpunkt nicht einmal ansatzweise, was noch auf uns zukommt.waeller-tour-baerenkopp-6Wir spazieren bei hochsommerlichen Temperaturen durch einen spätsommerlichen Wald. Zwischendurch gelingt uns immer mal wieder ein Blick durch das dichte Grün auf Waldbreitbach.waeller-tour-baerenkopp-7Dann führt uns der Weg oberhalb eines Campingplatzes raus aus dem Wald …waeller-tour-baerenkopp-10… und runter an die Wied, …
waeller-tour-baerenkopp-11… wo Dayo erst einmal ein Bad nimmt. Das ist hier (zumindest im Sommer) fast die einzige Möglichkeit für die Hunde, Wasser in der freien Natur zu trinken. Ihr solltet bei dieser Tour also unbedingt Wasser für die Vierbeiner mitnehmen.waeller-tour-baerenkopp-12Träge fließt der Fluss dahin, den wir mittels einer Fußgängerbrücke überqueren, und liegt friedlich in der doch ziemlich warmen Mittagssonne. Für uns geht es über eine Landstraße und dann wieder stramm bergauf. Ein Hinweisschild besagt, dass wir an einem jüdischen Friedhof entlang laufen.waeller-tour-baerenkopp-14Wie so oft ist mein reizender Gemahl geradezu in Lichtgeschwindigkeit unterwegs. Dayo kann sich nicht so richtig entscheiden, an wessen Seite er laufen soll … Papa rennt, Mama schleicht … also läuft er immer hin und her …waeller-tour-baerenkopp-15Es geht natürlich nicht immer nur bergauf. Hin wieder passiert es, dass wir auch mal fünf Meter bergab spazieren. Der Weg ist mehr ein Pfad und läuft – wie ich später auf der Karte sehen werde – in langen Serpentinen durch den Hochscheider Seifen. Hierbei handelt es sich um Basaltformationen, wobei rechts des Weges Felswände steil nach oben gehen und links den Blick in ausgewaschene Basaltbecken freigeben. waeller-tour-baerenkopp-18Der Pfad ist schmal. Es geht über Baumwurzeln und Basaltsteine. Ein bisschen muss man hier schon achtgeben, wo man hintritt. Ich bin zwar außer Atem, aber es ist herrlich, auf diesem verschlungenen Weg zu laufen. Wir begegnen so gut wie keinen anderen Wanderern …waeller-tour-baerenkopp-19Nur die Wegweiser bringen zum Ausdruck, dass wir uns hier nicht auf einem unerforschten Weg in das Nirgendwo befinden …waeller-tour-baerenkopp-20Mein reizender Gemahl hat mir bisher nur eine kleine Trinkpause im Stehen gegönnt. Und wie immer befindet er sich gefühlt fünf Kilometer vor mir … 😉 …waeller-tour-baerenkopp-21Hin und wieder gibt es ein paar Hindernisse zu überwinden.waeller-tour-baerenkopp-22Da an diesem Hindernis eine Wandermarkierung angebracht ist, wird der umgestürzte Baum also nicht bei nächster Gelegenheit weg geräumt.waellertour-baerenkopp-th-4

waeller-tour-baerenkopp-23Abgestorbene, aber sehr bizarre Bäume recken ihre toten Äste in den Wald und scheinen vorbeiziehende Wanderer zu grüßen. Das ist dann allerdings so ziemlich das letzte Mal während des Aufstiegs, dass ich Gedanken an meine Umgebung verschwende. Es geht immer noch bergauf und langsam finde ich das ziemlich beschwerlich. Ich bleibe öfters stehen und nehme einen Schluck Wasser. Ich schaue nach vorne und sehe, dass es – ja, genau – weiter hinauf geht.waellertour-baerenkopp-th-17Am Ende unseres Wandertages werde ich dank meines Fitnesstrackers feststellen, dass ich für diese Etappe von 1,6 Kilometern mehr als doppelt so viel Zeit benötigt habe, wie normalerweise. Dann geht es endlich mal ein Stück einfach gerade aus. Herrlich. Wenn da nicht das Grinsen meines reizenden Gemahls wäre, als der Wanderweg eine Linkskurve macht und uns wieder stramm nach oben laufen lässt …waeller-tour-baerenkopp-24Ganz ehrlich? Ich mag jetzt nicht mehr bergauf laufen. Nein, meine Knie machen keine Probleme. Aber ich bin völlig durchgeschwitzt und meine Beine sind etwas schwer. Immerhin sind wir ein paar Minuten später auf dem Gipfel, dem Bärenkopp, angelangt. 
waeller-tour-baerenkopp-25Der Bärenkopp liegt 304 Meter hoch. Vom Gipfelkreuz haben wir einen wunderbaren Blick über Waldbreitbach und das Wiedtal.waeller-tour-baerenkopp-27waeller-tour-baerenkopp-28Hier darf ich jetzt auch endlich eine Pause im Sitzen machen … 😉 … nachdem Dayo und Suri mit Wasser versorgt sind, mache ich mich über mein belegtes Brötchen her, das mir selten so gut geschmeckt hat wie heute. Dann geht es auch schon wieder weiter. Immer noch bergauf. Aber der Weg ist nun nicht mehr so steil. Er führt uns an den Rand des Dorfes Verscheid. Und von dort aus geht es zurück in Richtung Waldbreitbach. waeller-tour-baerenkopp-30Wir müssen das, was wir hinauf gelaufen sind, natürlich auch wieder runter. Ab Verscheid geht es also bergab. Erst eine ganze Weile an der Landstraße entlang, wo es verschiedentlich Rastplätze mit Informationstafeln gibt.waeller-tour-baerenkopp-31Ich kann mein Wander-Tempo wieder steigern. Es geht eher sanft bergab, und es bleibt Zeit, die schönen Aussichten zu genießen. Irgendwann gelangen wir dann zum sogenannten Luh-Kapellchen.waeller-tour-baerenkopp-33Hier können Wallfahrer und Pilger ihre Gebete verrichten. Es wird angenommen, dass diese kleine Kapelle ursprünglich Ende des 17. Jahrhunderts erbaut wurde und zwar auf Betreiben der Deutschherren, die damals in Glockscheid lebten. In den 1950er Jahren wurde das winzige Gotteshaus renoviert.

waeller-tour-baerenkopp-34Für uns geht es weiter durch Wiesen und Felder. Und schon bald erblicken wir die Türme des Klosters der Waldbreitbacher Franziskanerinnen.
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waeller-tour-baerenkopp-36Wir laufen praktisch mitten durch das Klostergelände …waeller-tour-baerenkopp-37… und machen auf der Klosterbergterrasse eine Pause. Hier bietet das gleichnamige Restaurant im Sommer ein wunderbares Terrassenlokal, auf der sich müde Wanderer erholen und erfrischen können. Nachdem Dayo und Suri sich an der Hundewasserstation gelabt haben, gönne ich mir ein großes Glas Apfelsaftschorle und mein reizender Gemahl lässt sich einen Käsekuchen schmecken. waeller-tour-baerenkopp-38Noch ein letzter Blick auf unser Ziel, dann nehmen wir die letzten zwei Kilometer in Angriff. Und die haben es nochmals in sich. Die 446 Höhenmeter, die wir nach oben gelaufen sind, wollen ja auch schließlich wieder nach unten gelaufen werden. Da der Weg von Verscheid bis zum Kloster als eher gemächlich abfallend beschrieben werden kann, wird es jetzt nochmals richtig steil.waeller-tour-baerenkopp-40Ich werde wieder etwas langsamer. Dieses Mal nicht, weil mir die Puste ausgeht, sondern weil sich das Bergab-Laufen bei meinen Knien bemerkbar macht.

waeller-tour-baerenkopp-41Ich bin ziemlich froh, als wir endlich in Waldbreitbach ankommen. Nun müssen wir nur noch durch das kleine Städtchen hindurch zum Parkplatz. Dann ist die Wäller Tour Bärenkopp geschafft.

Wir wären diese Tour vermutlich nicht gelaufen, wenn ich mich vorher daran erinnert hätte, dass die Tour als „schwer“ eingestuft ist. Letztendlich bin ich aber froh, dass ich vorher nicht genauer nachgeschaut habe. Die Tour ist wirklich toll und abwechslungsreich. Sie ist für diejenigen unter euch, die auch im Hochgebirge unterwegs sind, sicherlich nicht so schwer. Aber mir hat es gereicht … 😉 …

Ach so: Wir mussten unsere Verabredung zum Abendessen um eine halbe Stunde nach hinten verschieben. Und so langsam waren wir nun auch nicht, denn anstatt der vorgegebenen vier Stunden haben wir „nur“ eine dreiviertel Stunde mehr gebraucht.

Weitere Informationen:

  • Die Wäller Tour Bärenkopp ist 11,6 Kilometer lang und als „schwer“ eingestuft. Die Laufzeit wird mit vier Stunden angegeben.
  • Es geht 449 Meter nach oben und wieder nach unten.
  • Der Wanderweg ist durchweg sehr gut ausgeschildert.
  • Streckenweise sind die Wege sehr schmal und sehr naturbelassen. Ihr braucht schon eine gewissen Trittsicherheit.
  • Es gibt nicht so sehr viele Wasserstellen für die Hunde. Bitte daran denken, ausreichend Wasser mitzunehmen.
  • Wir sind die Strecke bei einer Temperatur von ca. 25 Grad gelaufen. Für mich persönlich war das zu warm für diesen Grad der Anstrengung. Bei herbstlichen Temperaturen ist das sicherlich angenehmer.
  • Wie erwähnt, sind wir auf der Terrasse des Restaurants Klosterbergterrassen am Kloster eingekehrt. Die Terrasse ist von April bis Oktober geöffnet. Auf der Terrasse sind Hunde erlaubt. Im Restaurant leider nicht. Allerdings gibt es in Waldbreitbach genügend andere Einkehrmöglichkeiten.
  • Eine Tourenbeschreibung für diese Wanderung findet ihr hier.

7 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Martina,
    dein Wanderbericht ist mal wieder köstlich : ) : ), ich hätte wahrscheinlich noch ne Stunde länger gebraucht! Danke für deine schon „anstrengende“ Schilderung mit den schönen fotografischen Eindrücken,
    LG, Monika

  2. Liebe Martina,

    du sprichst mir ja soooo aus der Seele. Scheinbar sind sich unsere Männer ziemlich ähnlich. Ich hechel auch ewig hinterher.
    In diesem Jahr haben wir etliche Wanderwege in den White Mountains und Appalachen bestritten. Was Amerikaner mit „moderate“ bezeichnen, ist mir ein Rätsel, denn alle Wege gingen steil nach oben, über Wurzeltreppen, Steine und umgefallene Bäume. Da will ich gar nicht wissen, was dann „strenuous“ bedeutet. 🙂
    Aber du hast recht, wenn man sich aber durchgebissen hat, darf man sehr stolz auf sich sein.

    Liebe Grüße aus Tucson

    Christine sowie Debby und Faya, die es auf vier Pfoten deutlich leichter haben. 🙂

    • Liebe Christine,
      wenn wir gemeinsam zu viert wandern könnten, hätten wir wohl Spaß zusammen … ? … ich frage mich manchmal auch, wie die Wege eingestuft werden. Eine Freundin, die in der Schweiz lebt, hat mir mal gesagt, dass leicht dort bedeutet, dass man nicht abstürzen kann …
      Viele Grüße
      Martina

  3. Hallo Martina, Einen tollen Wanderweg habt ihr euch ausgesucht 🙂 LEtztens waren wir mit unserem kleinen Hund das erste Mal wandern und er hat fleißig bis ganz oben durchgehalten, sogar sehr gut. Als wir ganz oben waren, hat man wirklich gesehen, wie er die Aussicht genießt 🙂 Es war einfach wunderbar!

    Wünsch dir noch viel Spaß und alles Gute!

    • Hallo Nena,
      ja, der Bärenkopp war schon klasse. Toll, dass Du mit Deinem kleinen Hund auch wandern gehst!!
      Viele Grüße
      Martina

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