„Ruchome Wydmy“ in Leba – wo Füchse die Besucher verabschieden!

Fährt man knapp 1.000 Kilometer von Frankfurt aus in nordöstlicher Richtung, dann landet man irgendwann in Hinterpommern an der Ostseeküste.  Während sich die polnischen Ferienregionen in Pommern wie beispielsweise Swinemünde (Swinoujście) auf Usedom und Danzig (Gdansk) unter den deutschen bzw. westeuropäischen Touristen großer Beliebtheit erfreuen, trifft man in Hinterpommern bisher eher selten auf deutschsprachige Touristen. Dabei haben die riesigen Wälder und die strahlendweißen Strände Hinterpommerns ihren ganz eigenen Reiz. Da gibt es zum Beispiel den Slowinzischen Nationalpark, der zwischen den Orten Lauenburg (Lebork) und Stolp (Slupsk) liegt, und der 1977 in die Liste der UNESCO Biosphärenreservate aufgenommen wurde.

Der Naturpark ist gut beschildert und erklärt ... aber leider nur auf Polnisch

Der Naturpark ist gut beschildert und erklärt … aber leider nur auf Polnisch

Da hier die Touristenattraktionen nur in polnisch ausgeschildert sind (was schreibe ich hier eigentlich für einen Blödsinn? In Deutschland, England oder Frankreich sind die Sehenswürdigkeiten auch nur in der jeweiligen Landessprache ausgeschildert. Das Problem ist einfach nur, dass man aus der polnischen Sprache so gar nichts ableiten kann …), wurde uns im Hotel gesagt, wir sollen immer dem Schild „Ruchome Wydmy“ folgen … das ist der polnische Begriff für Wanderdüne. Denn zu einer der schönsten und größten Wanderdünen Europas wollen wir: der Lontzkedüne (Łącka Góra), die sich in eben jenem Słowiński Park Narodowy befindet und 42 Meter hoch ist.

Noch ist keine Hauptsaison und der Parkplatz ist nur mäßig gefüllt … einige polnische Schulbusse, ein deutscher Reisebus und auch einige PKW mit deutschen Kennzeichen … bezahlt wird nach Dauer des Parkens beim Rausfahren (ist aber moderat). Auch der Eintrittspreis hält sich mit wenigen Euros sehr in Grenzen. Die Entfernung vom Eingang des Parks bis zur Łącka Góra beträgt rund acht Kilometer. Für diejenigen, die nicht auf Schusters Rappen unterwegs sein wollen, gibt es Fahrradverleihe. Außerdem stehen Elektrozüge zur Verfügung, die regelmäßig bis zur Düne fahren.

Aufgrund mangelnder englischer und/oder deutscher Beschreibungen dauern die Diskussion manchmal etwas länger ...

Aufgrund mangelnder englischer und/oder deutscher Beschreibungen dauern die Diskussionen manchmal etwas länger …

Mangels Zeit entscheiden wir uns, für umgerechnet rund 7,50 Euro pro Person (hin und zurück) den Elektrozug zu nehmen (na gut, es könnte auch sein, dass wir zu faul zum Laufen waren … ;-)).

... die Elektrozüge fahren ziemlich zügig durch die Natur ...

… die Elektrozüge fahren ziemlich zügig durch die Natur …

Unser Timing ist ein wenig ungünstig, denn vor uns warten zwei Schulklassen auf die nächste Bahn … hmmm, zu meiner Zeit mussten wir als Schulkinder immer laufen … aber irgendwann ist es geschafft und wir ruckeln in einem ziemlichen Tempo über gut gepflegte Wege durch den Kiefernwald. Dabei überholen wir zahlreiche Wanderer (von denen der ein oder andere bewundernswerter Weise in FlipFlops unterwegs ist …  ich könnte keine acht bzw. 16 Kilometer in FlipFlops laufen) und Fahrradfahrer. Auch sind gar nicht so wenige Menschen mit ihren Hunden unterwegs. Die müssen im übrigen im Naturpark an der Leine geführt werden und dürfen später zwar mit auf die Düne, aber nicht an den Strand und in die Ostsee. Soweit ich das verstanden habe, kostet die Mitnahme von Hunden nichts extra. In regelmäßigen Abständen befinden sich am Wegesrand schöne Rastplätze für die Wanderer – meistens auch mit einem (deutschen?) „ToiToi“-Toilettenhäuschen ausgestattet.

Nach rund 15 bis 20 Minuten erreichen wir unser Ziel – den Fuß der Wanderdüne. Ich möchte gar nicht wissen, wie es hier zur Hochsaison aussieht. Gefühlte zehn Schulklassen und etliche andere Besucher bestaunen, was die Natur so alles vollbringen kann. Dabei sind wir noch nicht einmal auf der Düne (wie ich später nachlese, sind es jetzt zwei Kilometer zu Fuß) … aber genau da geht es jetzt hinauf.

... Schuhe aus und los geht's ...

… Schuhe aus und los geht’s …

Die einfachste Art und Weise, um die rund 42 Meter (hört sich echt nicht nach besonders hoch an … geht aber ganz schön in die Beine auf den letzten Metern) zu überwinden, ist es, wenn man die Schuhe auszieht.  Zunächst ist die Steigung moderat, und es bleibt ausreichend Zeit und Ruhe, die Natur zu betrachten.

Der Sand verschlingt alles, was sich ihm in den Weg stellt.

Der Sand verschlingt alles, was sich ihm in den Weg stellt.

Die Wanderdüne bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von etwa zehn Metern im Jahr. Dabei begräbt der Sand den Nehrungswald unter sich.

Weißer Sand und blauer Himmel

Weißer Sand und blauer Himmel

Während der Sand in Richtung Ostsüdosten alles verschlingt, wird dieser auf der westlichen Seite abgetragen und legt dabei den bereits vor Jahrhunderten versunkenen Wald wieder frei.

Der Weg wird steiler

Der Weg wird steiler

Der Weg zum Dünengipfel wird immer steiler. Jetzt bloß nicht stehen bleiben, denke ich. Um durch den lockeren Sand zu kommen, muss man schon ganz schön die Pobacken zusammenkneifen … ;-). Aber dann ist es geschafft. Ich bin (vor dem Rest meiner Truppe) oben angekommen!

Ich bin oben ...

Ich bin oben …

Die Füße versinken im warmen und strahlendweißen Sand. Die Sonne lacht vom azurblauen Himmel und ein leichter Windhauch sorgt für ein wenig Erfrischung. Kaum zu glauben, dass wir uns hier an der Ostsee befinden und nicht irgendwo an den weißen Stränden Spaniens. Und der Ausblick ist wunderschön.

Der erste Blick auf die Ostsee

Der erste Blick auf die Ostsee

Nach Kolberg ist es gar nicht so weit ...

Nach Kolberg ist es gar nicht so weit …

Wir machen uns dann auf den Weg zum Strand (seltsamerweise habe ich leider keine Fotos von der Ostsee gemacht … warum? Ich habe keine Ahnung …). Ich kann es gar nicht oft genug wiederholen: kilometerlanger und strahlendweißer Sandstrand. Muss man unbedingt nach Spanien, um an solchen Stränden zu entspannen? Nein, das muss man sicherlich nicht. Zugebenermaßen ist die Schönwettergarantie in Südeuropa höher als an der Ostsee …

Duene 7

Der Rückweg führt uns unterhalb der Düne entlang …

Naturpark Duene 7

Und irgendwann sind wir auch wieder an der Haltestelle für die Elektrozüge angekommen. Schön wäre es jetzt, wenn man irgendwo ein Kaltgetränk erwerben könnte … kann man aber nicht.

... die Hüttchen sind - zumindest im Juni - nicht bewirtschaftet ...

… die Hüttchen sind – zumindest im Juni – nicht bewirtschaftet …

Ob das auch in der Hauptsaison so ist? Keine Ahnung. Es wäre sicherlich eine gute, zusätzliche Einnahmequelle für den Naturpark. Vielleicht wird das alles auch nicht bewirtschaftet, um nicht noch mehr Müll und Unrat in den Naturpark zu tragen. Schließlich hat ein „ordentlicher“ Wanderer ja auch immer einen Rucksack mit Verpflegung dabei … 😉

Und dann geht plötzlich ein Raunen durch die wartenden Menschen (wir haben nämlich die zwei Schulklassen vor uns und ein Reisebus mit deutschen Touristen hinter uns) …

Ein Füchslein sagt auf Wiedersehen

Ein Füchslein sagt auf Wiedersehen

Und da im Schatten eines Nadelbaumes schaut ein Fuchs neugierig zu uns herüber. Fast als wolle er uns alle aus seinem Reich verabschieden, kommt er ein paar Schritte näher. Kameras werden gezückt und auf die Auslöser gedrückt.

... ein bisschen zerzaust sieht er ja aus ...

… ein bisschen zerzaust sieht er ja aus …

Noch ein kurzer Blick auf all die Menschen, dann dreht er ab und sucht sich seinen Weg auf der Düne …

... dann ist er auch gleich schon wieder verschwunden ...

… dann ist er auch gleich schon wieder verschwunden …

Besonders auffällig ist, dass der gesamte Naturpark (inklusive Dünen und Strand) extrem sauber ist. Auf der Rückfahrt sehen wir einige  junge Leute (Praktikanten? Schülerfreiwillige), die – bewaffnet mit Mülltüten und Zangen – dafür sorgen, dass von Touristen weggeworfene Papierchen, Zigarettenkippen und sonstiger Unrat nicht in der Natur liegen bleiben.

Weitere Informationen zum Słowiński Park Narodowy:

Der Nationalpark wurde 1967 gegründet und zeichnet sich durch seine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt aus. Aufgrund dieser Naturvielfalt wurde der Park 1977 in die Liste der UNESCO-Biosphärenreservate aufgenommen.

Auf dem Weg zu den Wanderdünen befindet sich auch eine Raketenabschussstation (die wir aber nicht besucht haben). Der Elektrozug hält hier und – je nachdem, welches Zugticket man erworben hat – kann man hier auch aussteigen. Während des zweiten Weltkrieges gab es hier einen großen Truppenübungsplatz. Hier soll Rommel mit seinen Truppen für den Wüstenkrieg trainiert haben. Außerdem wurde das Gelände für Raketentests genutzt.

Ist man mit Hund unterwegs, sollte unbedingt daran gedacht werden, Wasser mitzunehmen. Das gilt natürlich auch für Getränke für die Zweibeiner – außer am Parkeingang gibt es keine Möglichkeit, Getränke zu kaufen. Hunde müssen an der Leine geführt werden und dürfen nicht an den Strand. Ob es einen Hundestrand gibt, konnte ich nicht herausfinden.

Es ist ratsam, sich vorher mit Anti-Mücken-Sprays oder -Cremes einzureiben. Es gibt unheimlich viele Stechviecher im Wald. Die immens großen Pferdebremsen lassen sich allerdings nicht davon beeindrucken … der Rest schon!

Die Mitarbeiter des Parks sind alle verbindlich freundlich, sprechen aber so gut wie kein Deutsch oder Englisch. Es gibt auch keinerlei Informationsmaterial über den Naturpark in deutscher (oder englischer) Sprache zu kaufen (vielleicht ist das aber in der Hauptsaison anders). Auch die Ausschilderungen im Park sind alle auf polnisch (abgesehen von den Regeln zur Nutzung des Elektrozugs – die gibt es auch auf Englisch). Mein Tipp daher: Vorher im Internet die relevanten Informationen nachschauen … auch im Internet sind deutschsprachige Texte rar, aber immerhin geben diese einen kurzen Überblick (über das, was wir verpasst haben … ;-)).

Leba ist das Seebad und der Fischereihafen, der dem Naturpark am nächsten ist. Hier gibt es zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten und viele Restaurants. Während der Hauptsaison ist hier der Teufel los.

Auf der Website www.ostsee-urlaub-polen.de findet man recht gute Informationen über den Urlaub an der polnischen Ostseeküste. Die Homepage des Naturparks www.slowinskipn.pl bietet Infos in polnischer und englischer Sprache.

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Danke für diesen Bericht und die Fotos – meine Kamera wurde mir später in Danzig gestohlen. Umso mehr haben wir uns über die Beschreibung gefreut, denn wir haben im Mai 2016 im Slowinski-Park unsere Wanderung genauso erlebt. Es hat sich nach 3 Jahren nichts geändert – leider nur deshalb, weil alles in polnischer Sprache war.

    • Das ist sehr schade, dass Ihnen die Kamera gestohlen wurde. Um so mehr freue ich mich, dass Ihnen der Beitrag gefallen hat. Ich würde gerne nochmals dorthin fahren und hoffe, dass sich irgendwann die Gelegenheit wieder ergibt. Es ist erstaunlich, dass in dieser Region die „touristische Internationalität“ immer noch nicht Einzug gehalten hat.
      Viele Grüße
      Martina

  2. Vielen Dank für diesen Bericht. Nachdem wir selbst Ende August/Anfang September an die polnische Ostseeküste mit Hund möchten, waren die Informationen bzgl. Hundemitnahme sehr hilfreich und auch die Bilder sind toll, geben mir schon den ersten Eindruck von Polen!

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