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Vollmondwanderung im Pietzmoor

Vollmondwanderung im Pietzmoor am 1. Februar 2026

Vor einiger Zeit entdeckte ich auf Facebook die Ankündigung zu einer geführten Vollmondwanderung im Pietzmoor, organisiert von der Schneverdingen Touristik. Und wie das so ist: Man liest etwas und weiß sofort, das möchte man erleben.

Geführte Vollmondwanderung im Pietzmoor – unterwegs ohne Hund

Natürlich stellte sich mir sofort die Frage, ob ich an der geführten Wanderung auch mit Hund teilnehmen kann. Die Antwort darauf fiel ernüchternd aus: theoretisch ja, praktisch leider nein. Und zwar hauptsächlich aus Rücksicht auf den Ablauf der Führung und der nächtlichen Tierwelt.

Also hieß das für mich ausnahmsweise einmal ohne vierbeinige Begleitung unterwegs zu sein. Und so stand ich am 1. Februar 2026 um 17 Uhr schließlich ohne Hund am Treffpunkt der Vollmondwanderung im Pietzmoor. Bei -6° Grad und Ostwind war ich warm eingepackt und neugierig auf Martha und Hein, die die rund 20 Teilnehmenden durch das verschneite und nächtliche Moor führten.

Tante Martha und Onkel Hein begleiten die Vollmondwanderung im Pietzmoor

Tante Martha und Onkel Hein begleiten die Vollmondwanderung im Pietzmoor

Die beiden Gästeführer waren wie aus einer anderen Zeit gekleidet. Besonders der Herrenmantel sorgte für Aufmerksamkeit: Wie Hein erzählte, wurde ein Mantel wie dieser wie in alten Zeiten gekleidet. Und wie Hein betonte, wurde der Herrenmantel dieser Art bis vor wenigen Jahrzehnten in der Lüneburger Heide noch ganz normal verkauft und getragen.

Dann war die Gruppe komplett, und wir starteten zu unserer etwa fünf Kilometer langen Vollmondwanderung hinein ins Pietzmoor.

Von Moorschnucken, mehrstämmigen Birken und Kreuzottern

Das rund 8.000 Jahre alte Pietzmoor liegt nur wenige Autominuten von der Stadt Schneverdingen  entfernt. Mit einer Fläche von etwa 2,5 Quadratkilometern ist es das größte zusammenhängende Moor in der Lüneburger Heide. Trotz des ordentlich kalten Ostwinds ließen es sich Martha und Hein nicht nehmen, uns unterwegs mit vielen spannenden Informationen über diesen besonderen Lebensraum zu versorgen.

Zu den Besonderheiten im Pietzmoor zählen auf jeden Fall die vierstämmigen Birken

Zu den Besonderheiten im Pietzmoor zählen auf jeden Fall die vierstämmigen Birken

Zu den Besonderheiten des Pietzmoor, die selbst im Winter gut zu erkennen sind, gehören die mehrstämmigen Birken. Birken zählen zu den sogenannten Pionierbaumarten: Sie besiedeln nach Zerstörung – etwa durch Torfabbau – schnell wieder freie Flächen.

Charakteristisch für diese Birken im Moor ist zudem, dass aus einem einzigen Wurzelstock mehrere Stämme wachsen können.  Wird der ursprüngliche Baum beschädigt, beispielsweise durch das Fällen zur Brennholzgewinnung, treiben die Wurzeln später einfach erneut aus. Beindruckend, wozu die Natur selbst unter schwierigen Bedingungen fähig ist.

Auf dem Weg zum Bohlenweg erzählen uns Martha und Hein von Moorschnucken, Kreuzottern und Libellen, die hier vor allem in der warmen Jahreszeit zu beobachten sind. Heute jedoch liegt das Moor still da, während wir Schritt für Schritt tiefer hineingehen.

Ein Wanderweg aus Holz, Strümpfe im Baum und ein einsamer Hexenhut

Die Wanderung durchs Pietzmoor führt überwiegend über Holzbohlen

Die Wanderung durchs Pietzmoor führt überwiegend über Holzbohlen

An einem Aussichtspunkt entdecken die Kinder plötzlich einen Strumpf, der einsam in den kahlen Ästen eines Baumes baumelt. Was hat er hier zu suchen? Wurde er vergessen? Oder ist er vielleicht ein Zeichen der sagenumwobenen Moorhexe?

Martha steckt den Strumpf ein, und augenblicklich wird es still in der Gruppe. Kinder wie Erwachsende hängen an ihren Lippen, während sie uns in die dunkle Sagenwelt des Pitzmoors entführt. Sie erzählt von geheimnisvollen Geschichten und davon, dass hier einst ein mehrere Jahrhunderte alte Moorleiche gefunden wurde. Dann folgt eine eindringliche Warnung, niemals die Wege zu verlassen. Denn das Moor ist trügerisch. Und wer unachtsam ist, kann in den sumpfigen Bereichen schnell feststecken.

Nach diesen Erzählung gehen wir schweigend ein Stück weiter. Um uns herum liegt das Moor still und dunkel, nur der Schnee knirscht leise unter dem Füßen und die eben gehörten Geschichten hallen noch eine Weile nach.

Schon von weitem weist und ein Leuchten den Weg durchs Moor ...

Schon von weitem weist und ein Leuchten den Weg durchs Moor …

Aber damit nicht genug: Im Moor tauchen weitere merkwürdige Dinge auf, die im Dunkeln leuchten. Ein Hexenhut. Natürlich wird auch er mitgenommen, denn im Naturschutzgebiet darf nichts liegen bleiben, was nicht hierhergehört. Es sei denn, die Moorhexe hat ihn verloren, als sie blitzschnell im Dunkeln verschwand …

Das Leben am und mit dem Moor war hart und anstrengend

Das Leben am und mit dem Moor war hart und anstrengend

Mit einem Schmunzeln setzen wir unseren Weg fort. Die leuchtenden Fundstücke verschwinden, die Aufmerksamkeit richtet sich wieder auf das Moor selbst. Martha und Hein übernehmen erneut das Wort, erzählen von Landschaft, Natur und der harten Arbeit des Torfstechens. Schritt für Schritt kehrt diese besondere Ruhe zurück, die das Pietzmoor bei Nacht ausstrahlt.

Vollmondwanderung im Pietzmoor – nur ohne Vollmond

Auch wenn es eine Vollmondwanderung war: Der Mond selbst ließ sich an diesem Abend leider nicht blicken. Doch der Schnee machte das mehr als wett. Er reflektierte jedes bisschen Licht und tauchte das Pietzmoor in ein sanftes, fast magisches Leuchten. Die Dunkelheit wirkte dadurch weniger schwer, eher ruhig und geheimnisvoll. Genau richtig für diesen besonderen Ort.

Vollmondwanderung im Pietzmoor - nur ohne Mond

Vollmondwanderung im Pietzmoor – nur ohne Mond

Nach einer Weile verlassen wir den Holzbohlenweg und machen uns auf den Rückweg zum Parkplatz. Dabei kommen wir an Flächen vorbei, die aktuell renaturiert werden. Noch wirken sie unscheinbar, doch irgendwann sollen auch sie wieder Teil der Moorlandschaft sein. Ein stiller Hinweis darauf, dass sich die Natur Zeit nimmt und Veränderung oft sehr leise beginnt.

Und dann leuchtet es plötzlich wieder in einiger Entfernung. Die Kinder entdecken es als Erste, rennen los und finden ein kleines Behältnis mit Wunderkerzen. Zur großen Freude aller lassen sie sich tatsächlich entzünden. Funken sprühen in die kalte Nachtluft, Kinderlachen mischt sich unter das Knirschen des Schnees. Was für ein Spektakel zum Abschluss.

Wunderkerzen sorgen für Begeisterung

Wunderkerzen sorgen für Begeisterung

Doch wir haben die Rechnung ohne die Moorhexe gemacht. Wieder leuchtet es in der Dunkelheit, wieder sausen die Kinder voller Neugier los. Unter einem Baum steht auf einer Bank ein Picknickkorb. Mit einem Lächeln öffnen Martha und Hein den Deckel: Hexenkreide für die Kinder, ein kleiner Abschiedsgrund für die Erwachsenen. Ein stimmungsvoller Schlusspunkt, denn diesmal endet die Vollmondwanderung im Pietzmoor wirklich.

Vollmondwanderung im Pietzmoor mit Abschiedstrunk für die Erwachsenen

Vollmondwanderung im Pietzmoor mit Abschiedstrunk für die Erwachsenen

Noch einen Moment bleiben wir stehen, während über uns die Dunkelheit liegt. Es war eine Vollmondwanderung ohne Vollmond und doch fehlte nichts. Stattdessen gab es Schnee, Geschichten, Kinderlachen und dieses besondere Gefühl, gemeinsam etwas erlebt zu haben.

Manchmal sind es nicht die perfekten Bedingungen, die einen Abend unvergesslich machen. Sondern die kleinen, leuchtenden Momente dazwischen. Und auch wenn ich diesmal ohne Hund unterwegs war. Ich bin mir sicher, dass Raban und Charly das Pietzmoor irgendwann noch ganz genau unter die Pfoten nehmen werden …

Weitere Informationen

  • Die geführte Vollmondwanderung im Pietzmoor mit Martha und Hein wird von der Schneverdingen Touristik organisiert und kostet 13 Euro pro Person für Erwachsene sowie 9 Euro für Kinder unter 14 Jahre.
  • Die Wanderung ist ideal für Familien mit Kindern, die eine Strecke von etwa fünf Kilometer gut bewältigen können.
  • Bei der Vollmondwanderung bleiben Hunde zuhause. Ansonsten darf dein Vierbeiner natürlich mit ins Pietzmoor. Bitte  immer an der Leine. Hier lebt viel Wild, und das Moor ist kein Ort für Freilauf-Abenteuer.
  • Die Route umfasst rund fünf bis sechs Kilometer und führt überwiegend über den Holzbohlenweg durchs Moor. Die Wege sind gut ausgeschildert. Zur besseren Planung habe ich die Strecke auf Komoot aufgezeichnet. Dort kannst du sie dir gerne herunterladen.

 

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