Deutschland, Mecklenburg-Vorpommern, Reiseziele
Schreibe einen Kommentar

Prora – heller Sonnenschein, dunkle Geschichte

Strandlust auf Rügen

Dass mir der Hundestrand in Prora – obwohl er nicht sehr groß ist – mit am besten von allen von uns besuchten Hundestränden gefallen hat, habe ich euch ja bereits berichtet. Doch Prora kann weit mehr als Strand. Nur wenige Schritte entfernt ragen gespenstische Bauruinen in den strahlend blauen Ostseehimmel und erinnern an ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte.

Prora, das ehemalige „KdF-Seebad-Rügen“

Bevor wir allerdings in diese Vergangenheit eintauchen, genießen wir erst einmal den Moment: Bei Sonnenschein spazieren wir vom Hundestrand, der praktisch direkt unterhalb des Dokumentationszentrums Prora liegt, durch den lichten Kiefernwald entlang der Ostsee – immer Richtung Sassnitz.

Der Duft von Salz und Nadeln in der Luft, das Meer zur Rechten und ein Hund, der sichtlich zufrieden neben mir herläuft. Ein perfekter Einstieg in einen Ort, der Gegensätze kaum stärker vereinen könnte.

0813 Prora 20Wären nicht auch hier die Reste einer kilometerlangen Strandpromenade zu sehen, könnte man fast meinen, irgendwo am Mittelmeer zu sein. So herrlich sind Sonne, Wind, Natur und Blick über die Ostsee.

0813 Prora 22

Kurze Zeit später werden wir jäh aus unserem mediterranen Träumen gerissen, denn vor uns taucht die schier endlos wirkende Skyline der Ruinen des „KdF-Seebad-Rügen“ auf.

0813 Prora 23

Tatsächlich kenne ich die Geschichte der heute gespenstig anmutenden Bauten natürlich von früher aus der Schule und aus Büchern. Aber erst als ich hier vor Ort – sozusagen Auge in Auge mit der Realität – stehe, wird mir bewusst, um welch gigantisches Bauwerk es sich handelt. Mir war nicht klar, wie groß groß ist!

0813 Prora Thomas 9

Mit einer Gesamtlänge von 4,5 Kilometern ist dies der größte Gebäudekomplex Deutschlands. In den grauen Betongebäuden sollten einst 20.000 Menschen gleichzeitig urlauben und sich erholen. Und das zu Zeiten, wo Pauschalurlaube bzw. Urlaube für jedermann nicht einmal ansatzweise existierten.

0813 Prora 24

Wie jeder weiß, kam es nie soweit. Nach dem zweiten Weltkrieg versuchte die Rote Armee, die Gebäude in die Luft zu jagen. Die Zerstörungswünsche scheiterten jedoch am soliden Stahlbeton. Das Gelände wurde zum Sperrbezirk erklärt und die Häuser wurden von der  NVA der DDR als Kasernen genutzt.

0813 Prora 25

25 Jahre nach dem Fall der Mauer gibt es wohl viele Ideen und Pläne, um hier beispielsweise Miet-, Eigentums- und Ferienwohnungen zu gestalten. An einigen der jeweils 550 Meter langen Betonblocks wird auch renoviert und gebaut.

In Gesprächen mit Ruganern wird jedoch ganz schnell klar, dass diese Entwicklung kritisch gesehen wird. Denn mit dem Verkauf oder der Vermietung der wie auch immer zu nutzenden Wohnungen wird gerüchteweise auch immer wieder gesagt, dass es dann keinen öffentlichen Zugang zu einem der schönsten Strandbereiche von ganz Rügen geben würde.

Dokumentationszentrum Prora

0813 Prora 26

Wir spazieren staunend und geradezu „erschlagen“ an der teilweise mehr traurigen als bedrohlichen Fassade entlang zurück, denn wir wollen das Dokumentationszentrum Prora besuchen. Unter dem Motto „MACHTUrlaub“ wird in dieser Dauerausstellung die Bau- und Nutzungsgeschichte von Prora minutiös dokumentiert und erklärt.

0813 Prora 28

Zunächst einmal: Hunde dürfen in diese Dauerausstellung mitgenommen werden. Da hier – insbesondere in der Hauptsaison – das Besucheraufkommen sehr hoch ist, sollten die Fellnasen natürlich an solche Menschenansammlungen gewöhnt sein.

0813 Prora 27

Hier wird – wissenschaftlich fundiert – ausführlich über das „Kraft durch Freude“-Programm der Nationalsozialisten informiert. Darüber hinaus wird über die Arbeits- und Sozialgeschichte des Nationalsozialismus berichtet.

0813 Prora 30

Etwas zu kurz kommt dabei allerdings Proras Geschichte nach dem 2. Weltkrieg. Aber es ist eine wirklich sehr sehenswerte Daueraustellung. Ich habe eine ganze Menge an neuem Wissen mitgenommen. Dayo und Suri sind jedoch ziemlich erleichtert, als sie nach mehr als einer Stunde (endlich) wieder raus an die frische Luft können.

Hundestrand Prora

Wir gehen jetzt an den Hundestrand, wo Dayo und Suri ganz in Ruhe toben und ihren Bedürfnissen nachgehen können. Sie haben es sich verdient.

0813 Prora Thomas 2

Ach so: Ein Tipp für die Tanzwütigen unter Euch: Direkt neben dem Dokumentationszentrum befindet sich auch Rügens größte Disco, das M3. Hier können sich bis zu 4.500 Menschen abends austoben. Und für alle, die ohne Hund unterwegs sind, gibt es noch eine ganze Menge mehr zu besichtigen, wie die Kultur-Kunststatt Prora, das NVA-Museum, KdF-Museum und das Rügen-Museum.

Weitere Information

  • Das Dokumentationszentrum Prora ist ganzjährig geöffnet – in den Wintermonaten jedoch nicht ganz so lange.
  • Der Eintritt kostet sechs Euro pro Person. Die Familienkarte für Eltern und Kinder kostet 14 Euro. Hunde spazieren kostenlos durch Daueraustellung.
  • Es werden kostenpflichtige Führungen angeboten.
  • Weitere Informationen findet Ihr hier.

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert