Wandern mit Hund, Westerwald, Westerwaldsteig
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Der Westerwald-Steig mit Hund – Etappe 2

Seit wir im Westerwald leben, schwebt der Westerwaldsteig in meinen Gedanken. Ich habe mich jetzt mehr als zwei Jahre seelisch und moralisch auf den rund 235 Kilometer langen Fernwanderweg, der in 16 Etappen aufgeteilt ist, vorbereitet … 😉 … Mitte April war es dann endlich soweit: Ich habe meine erste Teilstrecke des Qualitswanderwegs, der zu den Top Trails of Germany zĂ€hlt, in Angriff genommen und bin die Etappe 2 vom hessischen Breitscheid auf die Fuchskaute gelaufen. Die Besonderheit fĂŒr mich: Ich bin ihn nur mit Dayo und ohne reizenden Gemahl und Suri gelaufen.

Ein bisschen aufgeregt bin ich schon, als ich meinen Rucksack fĂŒr die 11 Kilometer lange Strecke packe. Ganz alleine, nur mit Dayo. Wird das funktionieren? Macht mir das ĂŒberhaupt Spaß? Ich bin ja sehr verwöhnt, denn mein reizender Gemahl trĂ€gt sonst immer die GetrĂ€nke – sowohl fĂŒr die Hunde als auch fĂŒr uns. Heute packe ich neben der gefĂŒllten 1-Liter-Wasserflasche fĂŒr Dayo auch zwei kleine Flaschen Mineralwasser fĂŒr mich ein. Die Temperaturen sind angenehm. Sonne und Wolken wechseln sich ab, und ich mache mich auf den Weg nach Breitscheid, dem Startpunkt von Etappe 2.Die Etappe 2 des Westerwald-Steigs startet am Töpfer-Museum neben einer Kirche aus dem 14. Jahrhundert. Das Töpfermuseum ist allerdings an diesem Tag geschlossen (und auch bei meinem zweiten Besuch sind die TĂŒren fest verschlossen) und ich fahre einfach noch ein StĂŒck die Straße hinauf zur katholischen Kirche. Dort parke ich, lasse Dayo aus dem Auto und mache mich auf den Weg.Es geht erst einmal bergauf in Richtung Flugplatz. Der Winter ist definitiv vorbei und ĂŒberall sprießt frisches GrĂŒn. WĂ€hrend Dayo begeistert dort einen Grashalm beschnĂŒffelt und da ein Hölzchen findet, sortiere ich meine Gedanke. Der Anfang ist gemacht. Ich bin alleine unterwegs. Und es tut ĂŒberhaupt nicht weh.
Ich laufe in meinem Tempo. Und es ist egal, ob ich nun schnell bin oder nicht. Wunderbar. Das macht mir Spaß. Ich hĂ€nge meinen Gedanken nach. Ab und zu rufe ich nach Dayo. Er hört sofort, auch ohne, dass ich laut werden muss. Ich bilde mir ein, er genießt es, dass wir beide alleine unterwegs sind.In diesem Landstrich gibt es aufgrund der Lehmböden und der extremen StaunĂ€sse in den Mulden nur sehr wenig Landwirtschaft. Wir spazieren an großen Wiesen vorbei und auch an einer, auf der gerade eine Kuhherde mit ihren KĂ€lbern erstmals nach dem langen Winter in den Auslauf kommt.Ausgelassen toben die KĂ€lber und die MĂŒtter zicken ein wenig herum. Es ist ganz offensichtlich, dass sie es genießen, endlich wieder draußen sein zu können. Dayo interessiert sich nicht weiter fĂŒr das bunte Kuhtreiben, aber ich bleibe einen Augenblick stehen und erfreue mich an dem Kuh-Spektakel.Dann geht es weiter, und wir spazieren durch ein kleines FichtenwĂ€ldchen bis wir wenig spĂ€ter am Flugplatz von Breitscheid ankommen.
Hier herrscht rege Betriebsamkeit. Uns versperrt jedoch erst einmal ein umgestĂŒrzter Baum den Weg. Aber das ist fĂŒr Dayo und mich natĂŒrlich gar kein Problem …… und schon geht es weiter. Kaum sind wir durch das kleine WĂ€ldchen hindurch, stehen wir auch schon wieder am Rande des Flugplatzes. Wie ihr am Titelbild sehen könnt, ist hier auch das Betreten verboten. Na ja, das wollen wir ja eh nicht …… und ziehen weiter unseres Weges.Anderen Wandern begegne ich auf diesem ersten Abschnitt meiner Wanderung so gut wie gar nicht.
Der Hohe Westerwald wird in dieser Region von Wiesen, Windschutzstreifen und FichtenwĂ€ldern beherrscht. Der Weg fĂŒhrt mĂ€ĂŸig aber kontinuierlich bergauf.FĂŒr eine Weile geht es ĂŒber Stock und Stein. Ganz so, wie man sich einen Steig vorstellt. Ich bin froh, dass ich mir offensichtlich eine der leichten Etappen des Westerwald-Steigs fĂŒr meine Premiere ausgesucht habe. Wir erreichen den Bartenstein und befinden uns auf 614 Meter Höhe. Es heißt, dass hier vor langer, langer Zeit ein Barde an einen Fels gekettet war. Die Tiere des Waldes sollen ihn ernĂ€hrt haben … hĂŒbsche Geschichte … … und mit seinen zerklĂŒfteten Felsen sowie den von grĂŒnem Moos ĂŒberzogenen BĂ€umen ist der Ort auch irgendwie magisch.Immer wieder gibt es weite Blicke ĂŒber die TĂ€ler des Westerwaldes, …… bevor wir wieder in den Wald eintauchen. Alleine wandern hat irgendwie etwas Meditatives. Die Ruhe rund um mich herum wird nur durch Vogelgezwitscher unterbrochen. Und Dayo passt in diese Stimmung auch sehr gut hinein. Er ist allerdings von den vielen neuen GerĂŒchen, die auf ihn einstĂŒrzen, sehr angetan und interessiert sich eher weniger fĂŒr die Stimmung des Augenblicks.Er entfernt sich jedoch nie weit von mir. SpĂ€testens nach zehn Meter dreht er sich um und kommt zu mir gelaufen oder wartet auf mich. Er ist einfach ein ganz wunderbarer Hund.Wir nĂ€hern uns jetzt dem Heisterberger Weiher. Auf der Wiese, die uns zum Wasser hinab fĂŒhrt, treffen wir auf eine kleine Ziegenherde. Die bĂ€rtigen Gesellen betrachten uns neugierig, wĂ€hrend sich Dayo ĂŒberhaupt gar nicht fĂŒr diese Tiere interessiert.Er lĂ€uft zielstrebig und auch recht schnell die Wiese hinab. Vermutlich ahnt er schon, dass er sich gleich im kĂŒhlen Nass erfrischen kann.Die Uferpromenade ist sehr gepflegt, und auch hier begegne ich keiner Menschenseele. Auf der anderen Seite des Weihers befindet sich ein Campingplatz, auf dem bereits ein paar hartgesottene Camper die Frischluftsaison eingelĂ€utet haben.Ich steuere die nĂ€chste Bank an und packe fĂŒr mich und Dayo unseren Proviant aus. WĂ€hrend ich genussvoll mein Fleischwurstbrötchen verspeise, genießt Dayo seinen Riesenkeks. Mir fallen Begriffe wie idyllisch und friedlich ein. Genauso ist die Stimmung hier. Idyllisch ist es bestimmt immer hier. Aber friedlich sicherlich nicht, wenn hier erst die Saison losgeht und Erholungssuchende hier ihren Sonntagnachmittagspaziergang machen. Die ĂŒblichen Verbotsschilder (und Hunde mĂŒssen an der Leine gefĂŒhrt werden) sprechen eine deutliche Sprache. Doch genau heute sind wir hier alleine. Und ich halte mich auch nicht so ganz an die Leinenvorschrift.Zur Fuchskaute sind es nur noch etwas mehr als fĂŒnf Kilometer. Mehr als die HĂ€lfte der Strecke habe ich also schon geschafft. Und ab hier bin ich auch nicht mehr die „einsame Wanderin mit Hund“, denn hinter mir laufen nun drei Wanderer. Wir betreten jetzt ein kleines Naturschutzgebiet. Ich trödele ein wenig herum, weil ich die andere Wandergruppe an mir vorbei laufen lassen will. Ich bin ja – so denke ich – sowieso immer langsamer als alle anderen …Die drei sind ganz angetan von meinem gut erzogenen BĂ€ren, und ich nutze den Plausch, um zu fragen, ob die Herrschaften schnell ein Foto von mir und meinem tollen Hund machen können … können sie.Und weiter geht’s. Die Dreier-Gruppe lĂ€uft voraus und ich hinterher.Die Etappe 2 des Westerwald-Steigs ist wirklich gut ausgeschildert, aber hier an der Straße nach Heisterberg ist es ein wenig kniffelig. Aber dank meiner Wander-App auch kein Problem. 
Weiter geht es ĂŒber einen Wiesenweg. Auf der einen Seite verlĂ€uft eine Landstraße und auf der anderen Seite sehe ich im Tal das kleine Örtchen Waldaubach. Ich habe die drei Wanderer nun doch eingeholt und Dayo fĂŒhrt ein paar KunststĂŒcke vor in der Hoffnung, dass ihm etwas Eßbares zugesteckt wird. Hat er sich aber leider getĂ€uscht.
Ich ziehe an den drei Wanderern vorbei und freue mich, dass ich doch gar nicht so langsam zu sein scheine … 
… und wieder geht es ein StĂŒck durch einen Fichtenwald …… bei meinen Fotostopps rĂŒckt die „Verfolgergruppe“ wieder nĂ€her.Nun geht es in den Endspurt. Ein StĂŒck Schotterweg und dann biegen wir links ab.Ein letztes Mal durch ein FichtenwĂ€ldchen und kurz darauf erreichen wir auch schon das Plateau der Fuchskaute. Die Fuchskaute (ein erloschener Vulkan) ist mit 657 Metern der höchste Berg im Westerwald und sozusagen der „Sonntagsnachmittagsspazierweg“ des gesamten Westerwaldkreises.
Rund um diese Wiese ist deutlich mehr los als auf den vergangenen 11 Kilometern. Mir begegnen viele SpaziergÀnger, die eine Runde drehen und wohl hinterher einen Kaffee im Restaurant auf der Fuchskaute trinken.
Wir haben damit unsere „Jungfernwanderung“ auf dem Westerwald-Steig erfolgreich abgeschlossen. Zufrieden und gar nicht so mĂŒde suche ich meinen Westerwald-Steig Wanderpass heraus, den ich im Restaurant abstempeln lassen kann (so steht es in der entsprechenden WanderbroschĂŒre).Neben einem eher schicken Restaurant (was so von Außen zu sehen war), in dem Hunde nicht erlaubt sind, gibt aus auch die Lodge. Hier dĂŒrfen Hunde mit hinein. Werbung fĂŒr den Westerwald-Steig hĂ€ngt auch an der TĂŒr. Ich freue mich auf meinen Wanderstempel und dann will ich mir Kaffee und Kuchen gönnen, wĂ€hrend ich auf meinen reizenden Gemahl warte, der mich hier abholt. Ich frage eine Mitarbeiterin am GetrĂ€nketresen, ob sie mir bitte den Pass abstempeln kann. „Nein, das machen wir nicht mehr“ ist die etwas pampige Antwort. Ich bin ein wenig verblĂŒfft. „Oh, wo kann ich das denn sonst abstempeln lassen?“ „Das weiß ich doch nicht.“ Obwohl ich vorher schon in der Outdoor Active-Community gelesen hatte, dass das Personal auf der Fuchskaute offenbar des öfteren etwas ĂŒberfordert wirkt (als ich da war, war gut zu tun, aber ausgebucht war das Lokal nun nicht), bin ich doch ein wenig enttĂ€uscht. Bei solchen Servicemitarbeitern habe ich allerdings keine Lust, zu bleiben und Geld auszugeben. Dayo und ich setzen uns draußen auf eine Bank und warten auf das Herrchen. Ich lasse den Weg von Breitscheid zur Fuchskaute nochmals Revue passieren. Es hat mir viel mehr Spaß gemacht, alleine mit Dayo zu wandern als ich vorher dachte. Die Etappe 2 ist mir lauftechnisch eher leicht vorgekommen. Auf den 11 Kilometern habe ich beschlossen, dass ich alle Etappen des Westerwald-Steigs gerne alleine (mit Dayo – und manchmal auch mit Dayo und Suri) wandern möchte. Am liebsten komplett noch in diesem Jahr. 

Weitere Informationen:

  • Die Etappe 2 des Westerwald-Steigs geht von Breitscheid auf die Fuchskaute. Die Strecke ist insgesamt 11 Kilometer lang. Dabei geht es 280 Höhenmeter nach oben und 126 Höhenmeter nach unten. Ich habe die Etappe als leicht empfunden. Laut WanderfĂŒhrer sind fĂŒr diese Strecke 3:30 Stunden ohne Pausen veranschlagt. Ich habe etwas lĂ€nger gebraucht.
  • Informationen ĂŒber alle Etappen des Westerwald-Steigs findet ihr hier
  • Am Startpunkt in Breitscheid habe ich oberhalb der Kirche in der Kirchstraße am Friedhof geparkt. Hier gibt es ausreichend ParkplĂ€tze sowie eine große Informationstafel zum Thema Wandern im Westerwald. Selbiges gilt fĂŒr die Fuchskaute.
  • Es gibt keine öffentlichen Verkehrsmittel, die euch von der Fuchskaute zurĂŒck nach Breitscheid bringen können. Eventuell mĂŒsstet ihr ein Taxi rufen (lassen). Oder ihr seid mit zwei Autos unterwegs und habt sowohl am Start- als auch am Zielpunkt einen Wagen stehen.
  • FĂŒr alle anderen Etappen lasse ich mich von meinem reizenden Gemahl nicht mehr am Ziel abholen. Wir fahren zum Ziel und parken mein Auto. Danach transportiert er mich zum Start und lĂ€sst mich dort frei … 😉 … das ist fĂŒr alle Beteiligten praktischer.

Seid ihr manchmal auch ganz alleine (na gut, der Vierbeiner ist erlaubt …) unterwegs? Macht euch das Spaß oder eher nicht?

2 Kommentare

  1. Ach wie schön geschrieben.
    Ich gehe ja auch gerne mal alleine wandern. NatĂŒrlich ist es auch schön zu zweit aber alleine geht man eben sein eigenes Tempo und kann so schön abschalten.
    Der Westerwaldsteig steht bei mir auch noch irgendwann an. Aber jetzt habe ich ja erstmal den Natursteig Sieg fĂŒr mich entdeckt von dem ich im SpĂ€tsommer auch noch 1-2 Etappen laufen möchte.

    LG Mel

    • martinazuengel sagt

      Liebe Mel,
      wir mĂŒssen auch mal wieder wandern gehen …
      Viele GrĂŒĂŸe
      Martina

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