Odenwald, Wandern mit Hund
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Auf den Spuren von Parzival

Kaum zu glauben aber wahr: Wir waren mal wieder in Sachen „Burg“ unterwegs. Diesmal haben wir sogar das Bundesland gewechselt und uns nach Bayern aufgemacht. Aber keine Sorge, sonst ist alles beim Alten geblieben … ­čśë … denn wir sind mal wieder im Odenwald unterwegs und dies zum dritten Mal. Mit von der Partie ist unser Burgenf├╝hrer Reiner – allerdings ohne Frau. Som fand unseren Ausflug zur Burg Breuberg wohl etwas zu anstrengend (obwohl wir an sich ja nur ein wenig durch die Gegend spaziert sind).

Schwei├čtreibender Anstieg

Wir haben einen herrlichen Sonntagmorgen erwischt. Bei strahlendem Sonnenschein laden wir Reiner in Frankfurt ins Auto und machen uns auf in Richtung Amorbach im unterfr├Ąnkischen Landkreis Miltenberg. Wir wollen die Burg Wildenberg, eine der bedeutendsten Burganlagen Deutschlands aus der Stauferzeit, erklimmen. Irgendwann erreichen wir unser Ziel: Beuchen, ein kleiner Ort, der rund sechs Kilometer von Amorbach (das d├╝fte den meisten von Euch eher ein Begriff sein) entfernt ist. Wir parken au├čerhalb des Ortes Beuchen am Waldrand und haben uns damit eine Wanderetappe von rund drei Kilometern, die durch Felder und Wiesen geht, erspart.

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Nach der ├╝ber einst├╝ndigen Fahrt freuen sich Dayo und Suri am allermeisten, dass sie endlich raus aus dem Auto k├Ânnen. Und schon geht’s los …

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Der erste und noch ziemlich gem├Ą├čigte Anstieg l├Ą├čt mich ├ťbles ahnen … es wird doch jetzt nicht nur bergauf gehen, oder (ich meine ja nur …)? Doch es geht weiter bergauf. Wir folgen dem Schild in Richtung Wildenburg.

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Gott sei Dank habe ich nicht gleich losgemeckert, ob das heute wieder so eine Miniwanderung wird, denn bis zur Burg haben wir nur rund 1,5 Kilometer Fu├čmarsch zur├╝ckzulegen. Der Anstieg wird immer steiler und schwei├čtreibender.

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Dayo und Suri haben jedoch einen Riesenspa├č. Suri, weil sie (oh, was bin ich ihr daf├╝r dankbar) praktisch jedes Blatt, jeden Ast und jeden Stein ausgiebig und in aller Ruhe beschn├╝ffeln muss und Dayo, weil er seine ganze Energie in das Hin- und Herrennen zwischen mir und Thomas steckt.

W├Ąhrend ich mich tapfer nach oben k├Ąmpfe, gibt es auch schon den ersten Blick durch die B├Ąume auf die Wildenburg.

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Auf den Spuren von Parzival

Wir laufen hier ├╝brigens auf einem Ausschnitt des Nibelungensteigs. Das ist ein 133 Kilometer langer Wanderweg, der in Zwingenberg an der Bergstra├če beginnt und in Freudenstadt am Main endet. Auf der gesamten Strecke sind insgesamt 4.900 H├Âhenmeter zu ├╝berwinden.

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Immerhin ist dieser Teil-Wanderweg mit Kennzeichen ausgestattet, die wir immer und ├╝berall wiederfinden … das hat zur Folge, dass wir dieses Mal ausnahmsweise die ganze Zeit auf dem richtigen Weg sind und bleiben … ­čśë … dann endlich ist es soweit … die Burgruine ist erreicht.

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Die Burgruine Wildenberg – wie sie ganz korrekt hei├čt – ist eine der bedeutendsten Stauferburgen in Deutschland. Hier soll Wolfram von Eschenbach Anfang des 13. Jahrhunderts sein Ritterepos „Parzival“ verfasst haben.

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Trotz Zerst├Ârung und Verfall hat sie ihr hochmittelalterliches Aussehen bewahrt. Ihre Ausma├če sind etwa dreimal so gro├č wie sonst ├╝bliche Burganlagen. Mit etwas Fantasie kann ich mir sehr gut die glanzvolle Zeit der Staufer, des Rittertums und der Minne vorstellen.

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W├Ąhrend Dayo als Ritter wohl eher nicht der Minne zugetan w├Ąre – zumindest nicht, wenn es um Suri geht, erkunden wir drei gemeinsam die Burganlage. Thomas und Rainer haben es gerade erst in den Eingangsbereich der Burg geschafft, da bestaune ich schon den wirklich monumentalen Kamin im fr├╝heren Rittersaal.

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Bei den Erbauern handelt es sich um die Herren von D├╝rn, einem Adelsgeschlecht, das so pl├Âtzlich ins Rampenlicht der Geschichte trat, wie es 150 Jahre wieder verschwand. Zwischen 1171 und 1196 wird der Name Rupertus de Durne 142 in Schlichtungs- und ├Ąhnlichen Urkunden erw├Ąhnt, die von Kaiser Friedrich Barbarossa und seinem Sohn Heinrich VI. unterzeichnet waren. Dies bezeugt die Kaisern├Ąhe dieser an sich sonst unbekannten Adelsfamilie.

 

1315 erlosch das Adelsgeschlecht aus Mangel an m├Ąnnlichen Nachkommen. Das eigentliche Ende der Wildenburg kam im Mai 1525. Kampflos fiel die Burg in die H├Ąnde der aufst├Ąndischen Bauern und wurde aus Protest gegen die zur M├Ą├čigung ratende „Amorbacher Deklaration“ ihres Anf├╝hrers G├Âtz von Berlichingen sowie ihrer Hauptleute von den aufgebrachten Bauern niedergebrannt (Quelle: „Auf dem Nibelungensteig“ von Rainer T├╝rk).

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W├Ąhrend Thomas und Reiner sich in Fachsimpelei ├╝ber mittelalterliche Milit├Ąrstrategien (ja, das ist IMMER eines der Lieblingsthemen der beiden Herren) ergehen und dabei fast jeden Stein in der Burg in Augenschein nehmen, mache ich mich mit den beiden „B├Ąren“ auf den Weg zum Ausgang.

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Auf Stippvisite am ├Ąltesten Bauernhaus im Odenwald

Ich warte auf meine beiden Strategieexperten, genie├če die Sonne und den Blick ├╝ber den Odenwald. Trotz Sonnenschein ist es gar nicht so warm, und beim reinen Rumstehen fange ich ein bisschen an zu frieren. Wo bleiben denn nur wieder die Herren. Wir wollen doch jetzt das ├Ąlteste Bauernhaus im Odenwald besichtigen.

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Na ja, wir haben ja abgesprochen, dass wir zum Waldmuseum Wattenbacher Haus wollen. Da Thomas und Reiner offensichtlich total versunken in die Burgenerforschung sind, beschlie├če ich, mich mit den Hunden schon mal in Richtung Wattenbacher Haus auf den Weg zu machen. Eigentlich ganz sch├Ân so allein, denn so kann ich den wirklich steilen Weg in meinem etwas langsamen Tempo gehen, ohne dass ich gro├č au├čer Atem komme.

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Ein letzter Blick auf die Burg und auf die Herren, die immer noch nicht in Sicht sind …

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… und w├Ąhrend Dayo begeistert durch die Gegend tobt …

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… k├Ąmpfe ich mich tapfer den Weg hinauf …

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Da es wirklich ziemlich steinig, steil und rutschig ist, nehme ich Dayo sicherheitshalber mal an die Leine. Da er ├╝berm├╝tig Ausschau nach seinem Herrchen h├Ąlt (das immer noch nicht wieder aufgetaucht ist), habe ich ein bisschen Angst, dass er irgendwo runterspringt und dann abst├╝rzt. Dann ist es endlich geschafft … und vor mir breitet sich ein gerader Weg aus, an dessen Ende sich wohl das Waldmuseum befindet.

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Ich muss dann allerdings noch einige Zeit warten bis endlich Thomas und Reiner auftauchen. Dann geht es gemeinsam weiter, und kurze Zeit sp├Ąter erreichen wir das Watterbacher Haus.

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Das nach seinem urspr├╝nglichen Standort in Wattenbach, einem Ortsteil der Gemeinde Kirchzell, benannte Bauernhaus gilt als das ├Ąlteste im Odenwald. Es ist ein typisches Beispiel der mittelalterlichen Wohn-Stall-H├Ąuser. Das hei├čt: Tiere und Menschen lebten hier unter einem Dach. Bevor das Bauernhaus am Ortseingang von Preuschen 1981 seinen endg├╝ltigen Standort erhielt, ist Geb├Ąude, das etwa 1475 erbaut wurde, bereits zweimal umgezogen. Eigentlich sollte das Museum an diesem Sonntag ab 12 Uhr ge├Âffnet sein.

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Leider taucht aber bis kurz vor 12.30 Uhr niemand auf, sodass wir uns unverrichteter Dinge wieder auf den R├╝ckweg machen m├╝ssen. Wir nehmen den Weg, den wir gekommen sind. Nochmals ein letzter Blick auf die Burg, und schon sind wir fast wieder am Auto angekommen. Dayo ist nach wie vor in Tobelaune und nutzt jede Gelegenheit, um sich ein Leckerli zu erarbeiten …

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Am Auto angekommen gibt es f├╝r Suri und Dayo erst einmal frisches Wasser und einen kleinen Imbiss. Da uns Zweibeinern auch der Magen knurrt, beschlie├čen wir, unseren Ausflug mit einem Abstecher nach Miltenberg abzuschlie├čen … das ist dann aber eine andere Geschichte.

Weitere Informationen:

Wie bereits erw├Ąhnt, sind wir auf einem kleinen Teil des Nibelungensteigs gelaufen. Generell werden alle Etappen dieses Wanderweges als „Herausforderung f├╝r Jung und Alt“ beschrieben, da viele Etappen (wie auch unser kurzes St├╝ck) extrem steil sind. Ohne vern├╝nftiges Schuhwerk ist man hier aufgeschmissen. An den sehr steilen Auf- und Abstiegen ist es ratsam, die Hunde anzuleinen, damit diese nicht aus Versehen abst├╝rzen. Belohnt wird man aber durch traumhafte Bilderbuchpanoramen (wenn man sch├Ânes Wetter hat … ­čśë ).

Streckenm├Ąssig haben wir „nur“ rund sechs oder sieben Kilometer zur├╝ckgelegt. Doch die hatten es wirklich in sich und waren f├╝r mich gef├╝hlte 20 Kilometer … ­čśë … wir haben au├čerhalb des Ortes Beuchen (rund sechs Kilometer von Amorbach entfernt) am Waldrand geparkt. Von hier aus auf die Burgruine Wildenberg sind es knapp zwei Kilometer. Von der Burg bis nach Preunschen sind es nochmals rund 1,5 Kilometer.

Das Wattenbacher Haus ist von Oktober bis M├Ąrz Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 12 Uhr bis 16 Uhr ge├Âffnet (nur bei uns leider nicht) und von April bis September Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 11 Uhr bis 17 Uhr.

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