Sonnenschein und viele Steigungen – der Westerwald-Steig mit Hund – Etappe 1

Für die nächste Etappe des Westerwald-Steigs habe ich mir einen warmen und sonnigen Maitag ausgesucht. Ich will Etappe 1 laufen, die vom hessischen Herborn nach Breitscheid führt und rund 16 Kilometer lang ist. Dieses Mal ist auch Suri mit von der Partie. Sie ist nämlich „not amused“, wenn Dayo und ich uns ohne sie auf die Socken machen und bestraft den reizenden Gemahl mit totaler Missachtung und Spaziergangs-Verweigerung. Also gut. Dann schauen wir, wie das funktionieren wird: Ein Frauchen, zwei Hunde, 16 Kilometer und 668 Höhenmeter nach oben. 

Mit zwei Autos fahren wir erst einmal nach Breitscheid. Ich parke am Friedhof. Hier habe ich bereits geparkt, als ich Etappe 2 von Breitscheid auf die Fuchskaute gelaufen bin. Mit dem reizenden Gemahl geht es weiter bis nach Herborn, wo er mich und die Hunde in der Nähe des Marktplatzes, wo die Etappe beginnt, absetzt.Herborn ist ein wunderschönes Fachwerkstädtchen, aber ich bin erst einmal etwas erschrocken, denn an diesem Sonntagmittag tanzt der Bär auf dem Marktplatz. Musik, viele Menschen, dichtes Gedränge. Da muss ich jetzt mit Dayo und Suri durch. Aus einem gemächlichen Spaziergang über den Marktplatz, der von wunderschönen Fachwerkhäusern umrahmt ist, die teilweise mehr als 400 Jahre alt sind, wird nichts. Mit Dayo und Suri an der kurzen Leine folge ich eilig der Markierung für den Westerwald-Steig und mache nur ein paar „schnelle“ Schnappschüsse.
Da die Seitenstraßen nicht ganz so überlaufen sind, beschließe ich, dass ich mir den Stempel für den Wanderpasse gleich hier in Herborn hole. Ich mache mich auf die Suche nach dem Museum „Hohe Schule“, denn genau da gibt es laut Broschüre eine Stempelstelle. Aber das Museum hat an diesem Sonntagmittag geschlossen. Also zurück auf den Wanderweg.Je weiter wir uns vom historischen Stadtzentrum entfernen, umso menschenleerer und sonntäglicher wird die Umgebung. Es geht nun stramm bergauf aus Herborn raus in Richtung Wald. Die Steigung hat es in sich, und ich komme schon ganz schön ins Schwitzen. Aber irgendwann ist der Wald erreicht. Es geht zwar weiter bergauf, aber eher gemächlich. Wir laufen durch einen Mischwald rund um den Dollenberg herum. Ein immer vorhandenes Grundrauschen zeugt davon, dass wir uns auf diesem Abschnitt des Westerwald-Steigs immer in der Nähe der A45 fortbewegen. 
Der Wanderweg ist gut ausgeschildert, und so läuft zwar meine Wander-App auf dem Handy mit, aber ich schaue nur selten darauf. Es geht nun unter der Autobahn hindurch runter nach Burg, einem Stadtteil von Herborn, und ein Stück des Wegs durch den Ort hindurch. Dayo und Suri sind beide noch bester Laune.Aber wir sind ja gerade auch erst einmal drei Kilometer unterwegs. Es wird zunehmend sonniger und damit auch wärmer. Und der Autobahnlärm bleibt das herausragende Geräusch auf diesem Teilabschnitt. Obwohl es hier landschaftlich natürlich wunderschön ist, möchte ich hier nicht leben. Mir reicht ja schon die entfernte Geräuschkulisse der A3 bei uns, wenn Ostwind herrscht. Das hier ist sehr viel lauter.Aber wie gesagt: Landschaftlich ist es sehr schön hier und auch der Steig-Charaker kommt nicht zu kurz. 
Nachdem wir ein weiteres Mal unter der Autobahnbrücke hindurch sind, geht es ein Stück an einer Landstraße entlang.Während Dayo und ich höflich auf dem Weg warten, unternimmt Madame eine Exkursion in die Tiefen einer Frühlingswiese, aus der sie gar nicht mehr auftauchen will. Sie zeigt sich völlig unbeeindruckt von meinen Rufen und von Dayos Rempeleien. Ganz genüßlich erschnüffelt sie sich ihr Wiesenreich. Irgendwann ist sie bereit, kommt aus der Wiese heraus, und wir können weitergehen. Es geht bergauf. Obwohl es „nur“ 21 Grad sind, sticht mir die Sonne ganz schön auf den Rücken. Wir passieren das einstige fürstliche Jagddomizil Neuhaus. Ein wunderschönes Gebäude, das ein wenig verlassen, aber nicht verwahrlost aussieht. Verbotsschilder an allen Ecken machen klar, das keine Schaulustigen erwünscht sind.Dayo ist immer noch frisch und munter. Bei Suri entdecke ich allerdings erste Zeichen einer nahenden Unlust. Ich nehme mir vor, die nächste „schöne“ Bank für eine Pause anzusteuern …… bis es soweit ist, können sich meine beiden Begleiter an einem kleinen Bachlauf erfrischen.Wir spazieren nun durch das Donsbachtal. Den Lärm der A45 haben wir inzwischen hinter uns gelassen. Ich sehe in der Ferne zwar noch die Autobahnbrücke, aber zu hören ist nichts mehr. Da die 668 Höhenmeter nach oben von irgendwo herkommen müssen, geht es nun schon wieder bergauf. Und da kommt endlich eine Bank zum Rasten, die mir gefällt. Dayo und Suri bekommen etwas zum Fressen und dürfen sich ausruhen, während ich mein Brötchen verspeise und den Blick über das Tal, die warme Sonne und die Stille des Sonntagnachmittags genieße. Ich habe meine Trekkingstöcke im Rucksack und beschließe, dass jetzt der Moment gekommen ist, wo ich ausprobiere, ob das mit zwei Hunden funktioniert. Da Suri aufgrund ihres Jagdinteresses an der Leine bleiben muss, habe ich mir meine Joggingleine mit Bauchgurt mitgenommen. Daran wird Suri jetzt „angeschnallt“. Und los geht es.Ich nähere mich nun dem Vogel- und Naturschutztierpark Herborn-Uckersdorf. Der Fußgänger-Verkehr nimmt zu und einige Leute schauen mich an, als ob ich nicht alle hätte … ich lächle aber die Väter mit ihren schreienden Babies, die Mütter mit ihren heulenden Kindern und die älteren Leute, die mich mißbilligend anschauen, freundlich an.Keine Sorge, Leute. Ich will doch gar nicht in den Tierpark hinein. Suri ist inzwischen allerdings auch ungehalten und schaut ihrerseits die Leute böse an. Ich sehe zu, dass wir ganz schnell da weg kommen. Im Wanderführer wird der Besuch des Tier- und Vogelparks empfohlen und für seine 80 Vogel- und weitere Tierarten hoch gelobt. Wir spazieren jetzt erst einmal durch Uckersdorf und halten auf den Brunnen zu. Ein kleiner Wasser- und Fotostopp, dann geht es weiter …… vorbei an der hübschen Fachwerkkirche in Richtung Gonkelrain.Ohne Schatten geht es nun zwischen Wiesen und Weiden auf dem Weg stetig bergauf. Die Sonne sticht ganz schön. Und Suri hechelt sehr stark und legt sich unter den nächsten Baum, um eine Pause zu machen. Mein armes Mädchen. Ich glaube, es ist doch keine so tolle Idee gewesen, sie auf diese Wanderung mitzunehmen. Ich überlege, ob ich den reizenden Gemahl anrufe, damit er Suri abholt. Aber nach einer viertelstündigen Pause ist Suri bereit, weiterzulaufen.Es geht ein kleines Stück bergab, nur um dann wieder bergauf zu laufen. Ich gebe gerne zu, dass ich das so in der prallen Maisonne ziemlich anstrengend finde. Ich weiß, dass es höchsten 23 Grad sind. Gefühlt empfinde ich aber gerade 30 Grad.Aber da ich ja mit den beiden Bären alleine unterwegs bin, stört sich keiner daran, dass ich mehr oder weniger den Weg hoch schleiche. Dankbar nehme jeden noch so kurzen Stopp von Dayo und Suri zum Anlass, beiden ausreichend Zeit zum Schnuppern zu geben … Wir machen noch eine weitere kleine Pause und Suri ist inzwischen wieder munter bei der Sache.Die herrlichen Wiesen erstrahlen alle im satten Grün, der Himmel ist Blau … was will man mehr an einem solchen Tag?Und dann geht es endlich in den lang ersehnten Wald hinein. Und gleich fällt mir das Laufen viel leichter … Als wir auf den Karstlehrpfad kommen, sind wir schon in der Nähe von Breitscheid. Rund um meinen Zielort gibt es zahlreiche Möglichkeiten, einen Blick in Höhlen, Stollen und Grabkammern aus frühester menschlicher Besiedlung zu werfen. Auf dem insgesamt vier Kilometer langen Rundweg des Karstlehrpfades gibt es 17 Stationen, die über die geologischen Besonderheiten dieses Gebiets informieren. Und einige dieser Informationstafeln liegen eben auch auf dem Westerwald-Steig. Wir kommen aber jetzt bald an meinem persönlichen Höhepunkt dieser Wanderetappe an: der Großen und Kleinen Steinkammer.
Der Weg zu den Steinkammern ist sehr steil, und ich habe ein bisschen Mühe, nicht irgendwo auszurutschen. Vor tausenden von Jahren diente genau dieser Platz als Kult- und Grabstätte.
Ich finde, dass sich dieser Abstecher auf jeden Fall lohnt. Ich mag solche geschichtsträchtigen Orte sehr. Wenn man sich auf einen Stein setzt und einen Augenblick in die Natur lauscht, ist es fast ein wenig so, als wolle mir die leichte Brise, die gerade in diesem Moment ein paar Blätter aufwirbelt, flüsternd von den Geheimnissen dieser Felsen erzählen. Aber bevor ich diese Geschichte zu Ende hören kann, fängt Dayo an, zu toben und um Aufmerksamkeit zu bitten. Ihm ist langweilig, und so krabbeln wir wieder runter auf den Westerwald-Steig.Gefühlt haben wir doch garantiert schon mindestens 1.000 Höhenmeter überwunden, oder? Aber es geht schon wieder recht stramm nach oben. Wir kommen kurz darauf auch an die Abzweigung, wo es zur 2009 eröffneten Tropfsteinhöhle „Herbstlabyrinth“ geht. Hierbei handelt es sich um Europas erste LED-beleuchtete Höhle. Und die kann man besichtigen. Ich spare mir den Abstecher, weil es zum einen schon ziemlich spät ist und ich zum anderen nicht weiß, ob dort überhaupt mit den Hunden hinein dürfte.Schöne Ausblicke und schöne Waldpfade …… lassen mich dann doch aber immer wieder die Mühen vergessen. Schön ist es hier.Kurz darauf befinden wir uns dann auch schon im Landeanflug auf Breitscheid. Dayo genießt seinen letzten Ausflug auf die Wiese, bevor ich ihn anleine, denn wir laufen jetzt einmal komplett durch Breitscheid.Noch schnell ein Maul voll Wasser bevor es zum Endspurt geht.Vorbei am Töpfermuseum, das geschlossen ist, und vorbei an der Kirche kommt jetzt die wirklich allerletzte Steigung dieser Wanderung, die mich bis zum Friedhof führt, wo mein Auto steht.
Dayo und Suri sind froh, als sie sich im Auto endlich zur Ruhe begeben können. Ich empfand diese Etappe zwar nicht als schwierig, aber als sehr anstrengend. Es war ein wunderschöner Tag, wobei mir das letzte Drittel des Weges am besten gefallen hat. 

Weitere Informationen:

  • Die Etappe 1 des Westerwald-Steigs führt von Herborn nach Breitscheid und ist rund 16 Kilometer lang.
  • Es gilt 668 Höhenmeter nach oben und 380 Höhenmeter nach unten zu bewältigen. Für die Wanderung sind 5.30 Stunden veranschlagt. Ich habe aufgrund der längeren Pausen etwas 1,5 Stunden länger gebraucht.
  • Rund um den Vogel- und Tierpark in Uckersdorf ist gerade am Wochenende ziemlich viel Betrieb. Ansonsten habe ich wie immer kaum Menschen auf der Strecke getroffen.
  • Außer am Vogelpark gibt es auf der Strecke keine Einkehrmöglichkeiten. 
  • Es gibt keine öffentlichen Verkehrsmittel, die euch vom Ziel zurück an den Start bringen. Wenn ihr nicht mit zwei Autos unterwegs seid, müsstet ihr euch für die Rückfahrt ein Taxi nehmen (vorher Telefonnummern notieren).
  • Weitere Informationen über den Westerwald-Steig und seine 16 Etappe findet ihr hier

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