Schlimmer geht immer – der Westerwald-Steig im Regen

Noch ganz beseelt von der positiven Erfahrung, dass ich mich endlich auf den Westerwald-Steig „getraut“ habe und dass es mir so gut gefallen hat, alleine mit Dayo unterwegs zu sein, bin ich eine Woche später wieder alleine mit Dayo unterwegs. Dieses Mal haben wir uns die Etappe 3 – von der Fuchskaute nach Rennerod – vorgenommen. Dass die Wetteraussichten eher bescheiden sind, stört mich nicht. Es sind Regenschauer angekündigt. Mit abnehmender Tendenz im Laufe des Nachmittags. So ein paar Regentropfen werden Dayo und mir sicherlich nicht schaden, denke ich … Mein Rucksack ist gepackt, und wir fahren los. Ich parke mein Auto in Rennerod am Ziel, steige bei meinem reizenden Gemahl ins Auto und lasse mich auf die Fuchskaute kutschieren. Bis wir dort angekommen sind, hat sich der Himmel weiter zugezogen. Alles ist düster, neblig und sehr feucht. Ich lasse mich jedoch nicht beirren. So schlimm wird es schon nicht werden. Außerdem wurde ja gesagt, dass es im Laufe des Nachmittags schöner werden soll …

Der reizende Gemahl setzt mich ab mit den Worten: „Bist Du sicher, dass Du bei dem Wetter durch den Westerwald laufen willst?“ Joah, will ich. Und dann ist er weg. Dayo und ich sind mehr oder weniger mutterseelenallein. Vor uns liegen nun rund 13,8 Kilometer.Mein braver Bär zeigt sich unbeeindruckt vom Wetter und wir marschieren los. Kaum habe ich die ersten paar hundert Meter geschafft, wird aus dem Nieselregen ein ordentlicher Landregen. Wird schon wieder aufhören.
Relativ schnell fällt mir Gott sei Dank ein, dass meine Kamera nicht wasserfest ist. Also stecke ich sie in die Seitentasche meiner Regenjacke. Das ist eng und unbequem, funktioniert aber.Inzwischen ist Dayo durchgeweicht. Gute Laune hat er immer noch, aber stehen bleiben mag er nicht. Dann fängt er gleich an, zu frieren, der arme Kerl. Weite Ausblicke über Weiden und Wiesen bleiben mir verwehrt. 
Mein Regenjacke hält dicht, aber meine Hosen sind nass. Ein bisschen friere ich auch. Für einen kurzen Moment erwische ich mich bei dem Gedanken, den reizenden Gemahl anzurufen und mich wieder einsammeln zu lassen. Aber nein, das tue ich nicht. Außerdem hört es bestimmt bald auf mit dem Regen.

Schlimmer geht immer …

Aber erst einmal leider nicht. Dayo und ich laufen weiter. Wie ein Mantra wiederhole ich die Worte „so schlimm ist es ja gar nicht“. Und das stimmt ja auch: Es hätte gewittern können. Es hätte richtig fies kalt sein können. Der berühmte Westerwälder Wind hätte über uns hinweg fegen können. Ganz klar also: Schlimmer geht immer! So passieren wir am Rande das kleine Örtchen Homberg. Laufen lässt sich der Weg sehr gut. Bisher ging es mehr oder weniger sanft bergab. So geht es auch den Weg hinunter, vorbei am Christlichen Erholungsheim, das wie ausgestorben wirkt, und endlich wieder in einen Fichtenwald hinein.Der Regen lässt nun auch ein wenig nach. Der Wald ist ganz still und völlig menschenleer. Schon sind wir auch schon wieder raus aus dem Wäldchen. Und der Weg führt uns entlang eines Industriegeländes. Noch mag ich es gar nicht richtig glauben, aber es hat fast aufgehört, zu regnen. Nur noch vereinzelte Tropfen fallen im Moment vom Himmel.Der Westerwald-Steig ist übrigens sehr gut ausgeschildert. Ich lasse zwar meine Wander-App auf dem Handy mitlaufen, aber schaue so gut wie gar nicht darauf. Kurze Zeit später erreichen wir das Dorf Rehe, das seinen Namen dem Rehbach, an dem wir die ganze Zeit entlang gelaufen sind, verdankt.Der hübsche Ort liegt im Sonntagmittagsschlaf. Die wenigen Menschen, denen ich begegne, denken vermutlich, dass ich nicht alle an der Waffel habe, weil ich bei dem Wetter wandern gehe.Dayo hat keinen Durst und will hier auch nicht groß herumstehen. Er ist froh, dass er langsam aber sicher trocknet.Wir steuern direkt auf das Rathaus zu. Der wunderschöne Fachwerkbau stammt aus dem 18. Jahrhundert. Wir spazieren weiter und verlassen Rehe über Wiesen und Weiden in Richtung Krombachtalsperre.
Eine Lämmerschar zeigt sich völlig unbeeindruckt von Dayo und mir und grast in aller Gemütsruhe weiter.Dann erreichen wir auch schon das Gebiet der Krombachtalsperre. Der nördliche Teil des Sees ist ein 26 Hektar großes Naturschutzgebiet. Hier sollen viele Haubentaucher und Blässhühner ihr Zuhause haben. Außerdem ist es ein Rastplatz für Zugvögel. Aber ich habe weder etwas gesehen noch etwas gehört. Vermutlich haben die sich alle vor dem grauen und feuchten Tag in ihren Nestern verkrochen. Aber so richtig nah an den See komme ich nicht heran. Der Weg führt weiträumig um das Naturschutzgebiet herum. Ein klitzekleines bisschen bin ich enttäuscht: Ich hatte mir irgendwie vorgestellt, dass wir direkt am Ufer des Sees entlang spazieren können.
Kurz darauf muss ich mich entscheiden, ob ich eine extra Runde von rund 1,4 Kilometern (hin und zurück) zur Krombachtalsperre  mache, wo es einen Campingplatz mit Badestelle und Restaurant gibt. Da ich jetzt schon mal hier bin, kommt es auf die paar Meter zusätzlich auch nicht an. Aber ganz ehrlich? So der Bringer war das jetzt nicht. Der Campingplatz ist sehr groß, und hier herrschte bereits emsige Betriebsamkeit. Die Dame im „Kassenhäuschen“ war sehr freundlich, aber generell ist es verboten, mit Hunden den Strandbereich zu betreten. Grundsätzlich sind aber Hunde hier erlaubt (eben nur nicht am Wasser). Das Restaurant sah aus der Entfernung ganz nett aus, aber ich habe hier keine Pause gemacht.Mit Beginn der Saison im Mai kostet das Betreten der Campinganlage Eintritt, auch dann, wenn man als Wanderer ins Restaurant möchte. Nun ja, ich mache mich dann doch wieder ganz zurück auf den Westerwald-Steig. 
Inzwischen hat es aufgehört zu regnen. Obwohl meine Wanderhosen ziemlich nass sind, friere ich nicht. Und inzwischen weiß ich auch, dass Wanderhosen aus dem entsprechenden Material wirklich einen Sinn haben: Die sind nämlich innerhalb relativ kurzer Zeit komplett trocken gewesen … 😉 …

Endspurt entlang einer Militäranlage zum einstigen geografischen Mittelpunkt Deutschlands

Außer am Campingplatz begegnet uns kein Mensch an diesem Tag. Ich finde das aber ganz angenehm. So kann auch Dayo ganz ungestört seinen Schnüffeleien nachgehen, ohne dass ich ihn dauernd zu mir rufen muss.
Wir laufen jetzt an einem Militärgelände entlang. Das geht eine ganze Weile so. Der Weg ist breit und gut ausgebaut, denn er ist nun auch Fahrradweg. Hier müssen wir nun auch hin und wieder Fahrradfahrern ausweichen.
Linker Hand erstreckt sich der Wald mit vielen vermoosten Baumstämmen, die so dekorativ dort liegen, als habe sie jemand bewusst so hingelegt. Ich bin angeblich an der Alsberg-Kaserne vorbei gelaufen … aber das habe ich irgendwie nicht mitbekommen … die ist vermutlich im diesigen Wetter versteckt gewesen (gute Ausrede, oder?)
In der Ferne kann ich eigentlich schon Rennerod erkennen. Zunächst geht es aber durch eine Unterführung unter der stark befahrenen Landstraße hindurch. Und dann geht es entlang einer stillgelegten Bahntrasse durch ein Randgebiet von Rennerod.Wer jetzt die Etappe etwas abkürzen möchte, kann nun über die Bahnhofstraße ins Stadtzentrum laufen. Ich bin weiter auf dem Westerwald-Steig geblieben, denn mein Auto ist ja genau am Ende der Etappe geparkt. Und es geht am Ortsrand vorbei wieder in den Wald hinein.Und so gelange ich zum „Botterweck“. Bis zur Wiedervereinigung galt dieser markante Punkt als geografische Mitte der Bundesrepublik (heute liegt dieser Mittelpunkt in Thüringen). Es handelt sich dabei um kugelige Felsformationen (die ich mal wieder nicht ordentlich fotografiert habe).Wir lassen Rennerod nochmals kurz hinter uns. Dayo ist das auch egal. Es regnet nicht mehr, er ist wieder trocken und ihm gefällt die Wanderung mit all ihren leckeren Gerüchen, die es zu erforschen gilt, auf den letzten Kilometern sehr gut.Wir kommen an diversen Steinhaufen vorbei, …… die anhand einer Schautafel erklärt werden.Nur noch ein paar Meter durch den Wald und dann sehe ich schon mein Auto durch die Bäume blitzen. 

Mehr als 13 Kilometer sind geschafft (wir haben ja schließlich den Umweg über die Krombachtalsperre gemacht) und Dayo rollt sich zufrieden im Kofferraum zusammen. Es war sicherlich nicht das tollste Wetter für unsere Wanderung, aber es hätte ja auch noch viel schlimmer kommen können. So hat auf den letzten fünf Kilometern doch wenigstens der Regen aufgehört. Mir (und natürlich auch Dayo) ist die Etappe von der Fuchskaute nach Rennerod leicht gefallen. Es ging mehr oder weniger die ganze Zeit gemächlich bergab. Sehr angenehm. Eine „ordentliche“ Pause haben wir bei dem Wetter nicht gemacht. Ich habe zwischendurch mal ein Stück Schokolade gegessen. Das war es aber auch schon.

Weitere Informationen:

  • Die Etappe 3 des Westerwald-Steigs verläuft von der Fuchskaute bis nach Rennerod und ist 13 Kilometer lang.
  • Der Abstecher auf den Camping-Platz (der auch ein Restaurant hat) an der Krombachtalsperre verlängert die Wanderung um rund 1,4 Kilometer. Wenn ihr nicht wirklich eine Pause in dem Restaurant machen wollt, lohnt sich dieser Abstecher in meinen Augen nicht, denn zwischen Mai und Ende September kostet es Eintritt, wenn ihr das Gelände betreten wollt. Und der Hund darf nicht an den Strand.
  • Es sind 122 Höhenmeter nach oben und 276 Höhenmeter nach unten zu bewältigen.
  • Für die Tour sind rund vier Stunden (ohne Pausen) angesetzt. Ich habe habe nur unwesentlich mehr Zeit gebraucht.
  • Die Etappe ist in manchen Beschreibungen als mittelschwer eingestuft. Ich empfand sie allerdings als sehr leicht.
  • Es gibt keine öffentlichen Verkehrsmittel, die euch wieder an euren Startpunkt bringen können. In der Wanderbroschüre vom Westerwald-Steig sind jedoch diverse Taxiempfehlungen (ob die auch Hunde mitnehmen, ist hier natürlich die Frage). Ich habe mein Auto am Ziel im Friedhofsweg in Rennerod geparkt. Mein reizender Gemahl hat mich dann zur Fuchskaute gefahren und dort „ausgesetzt“.
  • Der Westerwald-Steig gehört zu den „Top Trails of Germany„. Insgesamt ist er 235 Kilometer lang und umfasst 16 Wander-Etappen. Weitere Infos findet ihr hier

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Wandern geht bei jedem Wetter – und trotz 8 km im Regen sind schöne Bilder entstanden. Nebel und Dunst haben auch was und man hat im Wald seine Ruhe. 🙂

    Herzliche Grüße aus dem Harz, wo es oft neblig und dunstig ist,
    Maddie mit Barney

    • Liebe Maddie,

      das hast Du absolut Recht. Und da ich persönlich eher der Typ „Alaska“ bin, habe ich mit dem Wetter, das im Moment herrscht, viel mehr „Probleme“ als mit Nebel und Dunst.

      Viele Grüße in den Harz
      Martina, Dayo und Suri

    • Hahaha, Gerhard, das stimmt ja auch. Nur die armen Hunde sehen das mitunter anders …
      Viele Grüße
      Martina

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