Ausflug in die Zeit des Kalten Krieges

Stadtführung mit Rotweinwanderung, Hochgenuss bei der Winzergenossenschaft Mayschoß … alle guten Dinge sind drei, und mit meinem dritten Beitrag über mein Reisebloggerwochenende im Ahrtal entführe ich Euch in die Zeit des kalten Krieges.

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Denn hier im idyllischen Ahrtal befindet sich der ehemalige Regierungsbunker der Bundesrepublik Deutschland. Von 1960 bis 1972 war dies der „Ausweichsitz der Verfassungsorgane der Bundesrepublik Deutschland in Krise und Krieg“.

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Seit März 2008 kann ein Teilbereich der Anlage besichtigt werden. Träger dieser Dokumentationsstätte ist nicht etwa die Bundesrepublik, sondern der Heimatverein „Alt-Ahrweiler“. Ehrenamtliche Mitarbeiter dieses Vereins begleiten die Bunkerführung.

0222 Ahr 15Eine solche Bunkerführung beginnt mit einem ohrenbetäubenden Hubton als sich das schwere und  atombombensichere Betontor gemächlich auf quietschenden Rollen schließt. Einmal im Schliessmodus lässt sich das tonnenschwere Tor durch nichts und niemanden mehr aufhalten.

0222 Ahr 16Wir betreten die Welt der 1960er und 1970er Jahre. Es ist eine Zeit, in der die Welt politisch eigentlich in nur zwei Teile aufgeteilt ist: in Ost und West. Es ist eine Zeit, in der die Feindbilder noch ganz klar und deutlich umrissen sind.

Kommandozentrale

Kommandozentrale

Und in genau dieser Zeit hatten sowohl West als auch Ost große Angst vor einem Atomschlag des jeweiligen Feindes. So wurde bereits in der Regierungszeit von Bundeskanzler Adenauer nach einem passenden Standort für einen Bunker gesucht. Man entschied sich schließlich für zwei (niemals genutzte) Eisenbahntunnel, die durch das Ahrgebirge führten.

Es wurde für jeden erdenklichen Notfall vorgesorgt

Es wurde für jeden erdenklichen Notfall vorgesorgt

Es war das angeblich geheimste Bauwerk in der Geschichte der Bundesrepublik und auch das teuerste. Tausende von Arbeitern bauten hier eine komplett autarke Stadt in die Felsengänge. Bei Fertigstellung war die Anlage insgesamt 17,3 Kilometer lang und verfügte über 936 Schlaf- sowie 897 Büroräume. Von einer gut ausgerüsteten Feuerwehr über ein Fernsehstudio bis zum Friseur: Es gab hier fast alles.

Schlafzimmer des Bundespräsidenten

Schlafzimmer des Bundespräsidenten

Schlafraum für Soldaten und weniger hochrangige Amtsträger

Schlafraum für Soldaten und weniger hochrangige Amtsträger

Natürlich war auch für das leibliche Wohl gesorgt …

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Es gab auch eine gut sortierte Krankenabteilung …

0222 Ahr 32… mit einem Zahnarztstuhl, auf dem der Patient den Bohrer selber antreiben musste!

0222 Ahr 33Im Falle eines Atomschlags gegen die Bundesrepublik hätte die Regierung von hier aus 30 Tage lang ihre Regierungsgeschäfte weiterführen können. Für genau diese Zeitspanne gab es Vorräte, Strom etc. für die rund 3.000 Personen, die Zutritt zu diesem Bunker gehabt hätten.

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Und danach? Nun, ein Danach gab es im Bunker-Szenario niemals. Der ehemalige Regierungsbunker war in der Zeit des Kalten Krieges ein kleines Puzzle-Teil zur gegenseitigen Abschreckung der Atommächte in Ost und West. Im Falle eines Falles hätte der Bunker „nur“ dem Luftangriff einer Atombombe mit der Kraft einer Hiroshima-Bombe standgehalten. Unter Umständen hätte es dann diese 30 Tage nicht gegeben …

Erklärung der heutigen Atommächte

Erklärung der heutigen Atommächte

Aber die gegenseitige Abschreckung hat jahrelang funktioniert. Jeder Regierung war zu jedem Zeitpunkt klar, dass ein Atomkrieg die Vernichtung der ganzen Welt – und zwar sowohl Ost als auch West – zur Folge gehabt hätte.

Hier geht es nicht weiter. Die dahinter liegenden Gänge und Räume wurden komplett zurückgebaut.

Hier geht es nicht weiter. Die dahinter liegenden Gänge und Räume wurden komplett zurückgebaut.

Mit dem Ende des Kalten Krieges und dem Fall der Mauer hatte der Regierungsbunker ausgedient und wurde 1997 von der Bundesregierung. Bis auf 203 Meter (die heutige Dokumentationsstätte, die mit Hilfe des Landkreises Ahrweiler ins Leben gerufen wurde) wurde der komplette Bunker zurückgebaut.

Nach etwas mehr als 1,5 Stunden verlassen wir dieses Kapitel der deutschen Geschichte, und damit endet auch ein wunderschönes Wochenende im Ahrtal.

Ich kann Euch den Besuch des ehemaligen Regierungsbunkers nur empfehlen. Die Führung ist ausgesprochen interessant und war – zumindest in unserem Fall – auch ausgesprochen kurzweilig.

Weitere Informationen:

  • Die Dokumentationsstätte hat von Mitte November bis Ende März Winterpause und ist in dieser Zeit nur für vorher angemeldete Gruppen geöffnet.
  • Von April bis Mitte November ist die Anlage für Einzelbesucher Mittwoch, Samstag, Sonntag und an gesetzlichen Feiertagen jeweils von 10 Uhr bis 17 Uhr geöffnet. Der Besuch erfolgt in einer Gruppe und dauert ca. 90 Minuten.
  • Der Eintritt inklusive Führung kostet acht Euro pro Erwachsenen, Kinder bis 12 Jahre sind in Begleitung Erwachsener kostenlos. Eine Familienkarte für zwei Erwachsene mit bis zu fünf Kindern kostet 20 Euro.
  • Hunde sind nicht erlaubt.
  • Unter www.dokumentationsstaette-regierungsbunker.eu findet Ihr zahlreiche weitere Infos.

Anmerkung:

Ich wurde von Rheinland-Pfalz Tourismus und Ahrtal-Tourismus zu diesem Wochenende eingeladen, die die Kosten für Unterbringung, Verpflegung und Führungen übernommen haben. Vielen Dank dafür – es waren wirklich wunderschöne Tage.

 

 



 

 

 

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Sehr interessanter Bericht. Werde das mal für einen Ausflug im Kopf behalten. Schade, dass keine Hunde mit rein dürfen. Vielleicht im Hunde-Trolley? Da können sie ja nichts markieren oder beschmutzen. Werde da mal nachfragen, bevor wir uns auf den Weg machen.

    • Dass Hunde nicht mit rein dürfen, hat sicherlich auch sicherheitstechnische Gründe. Wenn man da mit einer Gruppe durchgeht, ist es schon manchmal auch eng … aber vielleicht geht es ja wirklich mit einem Trolley!

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