Die erste große Reise mit dem Hund (Werbung)

Ich werde natürlich häufiger zum Thema „Reisen mit Hund“ um meine Meinung gebeten. Erst kürzlich wurde ich gefragt, wie ich das Reisen mit Welpen sehe. Ganz spontan und aus dem Bauch heraus wollte ich gleich antworten: „Mit einem Welpen würde ich erst einmal gar nicht verreisen!“ Aber Stopp. Viele Welpen machen die erste große Reise ihres Lebens mit acht oder neun Wochen. Nämlich dann, wenn die Welpeneltern die neuen Familienmitglieder beim Züchter abholen.

Auch mein Dayo hat im zarten Alter von neun Wochen die Reise von seinem Geburtsort Hamburg nach Frankfurt angetreten. Und wie es sich für ordentliche Welpeneltern gehört, haben mein Mann und ich ihn bereits vorher ein- oder zweimal besucht und ihn dann persönlich abgeholt.

Foto: ©PURINA PRO PLAN

Foto: ©PURINA PRO PLAN

Doch wie bereite ich dieses Ereignis möglichst so gut vor, dass die kleine Fellnase auch unbeschadet und fröhlich im neuen Heim ankommt? Dazu habe ich Herrn Dr. Karsten Hesse vom Kleintierzentrum Staufenberg (Hessen) ein paar Fragen stellen können.

Bei den nachfolgenden Fragen habe ich mich bewusst „nur“ auf die Autoreise mit Welpen konzentriert. Fragen und Informationen rund um den Hunde- bzw. Welpentransport per Flugzeug aus dem Ausland unterliegen landesspezifischen und tierärztlichen Anforderungen und Richtlinien. Das würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen.

1. Herr Dr. Hesse, haben Sie selbst Hunde? Und wenn ja, verbringen Sie auch den Urlaub mit den Vierbeinern?

Während des Studiums hatte ich eine altdeutsche Hütehündin, die mit einem Alter von etwa zwei Jahren aus dem Tierheim zu mir gekommen ist. Seit der Beendigung meines Studiums hatte ich zusätzlich drei Alaskan Malamutes, die ich auch zum Schlittenhundesport (Skijöring) eingesetzt habe. Außerhalb der Winterzeit war ich mit meinen Hunden immer wandern oder bergwandern. Leider ist die „alte Garde“ mittlerweile verstorben. Aus Gründen der Praktikabilität (mittlerweile Familie mit Kindern) habe ich nun eine Border Collie-Hündin. Sie ist kleiner als die vorigen Hunde, was bei Reisen sehr praktisch ist. Aber sie ist auch „oho“, d.h. Energie ohne Ende. Dies passt aber zu unseren Familienaktivitäten.

Foto: © Dr. Karsten Hesse

Foto: © Dr. Karsten Hesse

2. Wie bereitet Ihrer Meinung nach der „ideale“ Züchter seine Welpen auf den Abgabetermin bestmöglich vor?

Idealerweise sollte der Züchter in einer für die „neue Familie“ erreichbaren Entfernung wohnen. Das ermöglicht einen guten Kontakt – bereits vor dem „Abgabetermin“ des Hundewelpen. So ist es möglich, vielleicht wenigsten zwei- oder dreimal vor dem Abgabetermin den Hundewelpen zu besuchen. Dabei entwickelt das neue Frauchen oder Herrchen bereits erste Kontakte zu ihrem neuen Vierbeiner und umgekehrt. Weiterhin kann das Verhalten in der gewohnten Umgebung studiert werden, und der Züchter kann quasi „nebenbei“ viele wertvolle Tipps für die Zukunft vermitteln. Das finde ich besser, als sozusagen am Tage X zu erscheinen, einen Vortrag über Welpenaufzucht zu hören, die Formalitäten abzuschließen und dann in die Ferne zu fahren. Hier möchte ich auch einmal erwähnen, dass ein gewissenhafter Züchter sehr viel Arbeit, Kosten und Mühe hat und dass jeder Welpe seinen Preis hat. Für mich ist es unverständlich, dass in irgendwelchen dubiosen „Kofferraumgeschäften“ Rassehundewelpen für 300 Euro oder weniger gekauft werden. Der Tierhalter in spe, der das tut, sollte wissen, dass er damit eine häufig qualvolle Hundehaltung und Zucht unterstützt und nicht selten ein krankes Tier erwirbt.

Foto: ©PURINA PRO PLAN

Foto: ©PURINA PRO PLAN

3. Woran erkenne ich als Laie, dass mir mein Welpe gesund und munter übergeben wird und beispielsweise eine Autofahrt von mehreren hundert Kilometern gut überstehen wird?

Das ist sicherlich nicht einfach. Man kann auf allgemeine Anzeichen der Gesundheit achten:

  • Ist der Welpe munter und aufmerksam, nimmt er Notiz von seiner Umgebung oder liegt er lethargisch herum.
  • Sind die Augen klar und glänzend, ist der Nasenspiegel ebenso sekretfrei oder besteht ein schleimiger oder gar eitriger Ausfluss?
  • Sind die Ausscheidungen in Ordnung, d.h. ist der Kot gut geformt, ist der Urin typisch in der Farbe?
  • Ist das Fell glänzend, nicht schuppend?
  • Riecht der Welpe hundetypisch?
  • Ist der Welpe lahmheitsfrei?
Foto: ©PURINA PRO PLAN

Foto: ©PURINA PRO PLAN

4. Was muss ich bei einer mehrstündigen Autofahrt unbedingt beachten, wenn ich mit einem Welpen reise? Kann ich ihm unterwegs schon Futter und Leckerlis anbieten?

Generell sollten vor und während der Fahrt keine Leckerchen angeboten oder gar eine komplette Mahlzeit verfüttert werden, da es dem Welpen zu 100 Prozent übel werden wird. Er erbricht und wird das Auto nebst Fahrt in einer „prägend“ schlechten Erinnerung behalten. Generell sollte man die Fahrt öfters unterbrechen. Für die Intervalle gibt es keine Faustregel. Man sollte das Verhalten beobachten. Ist der Welpe sehr aufgeregt, hechelt und speichelt, so kann es sein, dass man alle 30 Minuten unterbrechen muss. Ist der Welpe „cool“ und verschläft eigentlich die Fahrt, so sollte man einmal nach zwei Stunden eine Pippipause einlegen. In der Pause sollte es Auslauf geben, und man sollte frischen Wasser anbieten.

Foto: ©PURINA PRO PLAN

Foto: ©PURINA PRO PLAN

5. Es gibt Hunde, die – nicht nur im Welpenalter – an der Reisekrankheit leiden. Wie erkenne ich das? Was kann ich dagegen tun? Hört das irgendwann (im Alter) auf?

Wie unter Frage 4 beschrieben, zeigt sich die Reisekrankheit durch Speicheln, starkes Hecheln und auch Erbrechen. Dies geschieht dadurch, dass das Gleichgewichtsorgan so stark stimuliert wird, dass entsprechende Impulse an das Brechzentrum weitergeleitet werden. Therapeutisch setzt man in diesem Falle Medikamente ein, die auch bei sonstigem Erbrechen verabreicht werden. Der Tierarzt sollte Sie beraten und diese Medikamente abgeben. Ferner gibt es auch Welpen, denen nicht schlecht wird, die aber extrem aufgeregt während der Fahrt sein können. Dies äußert sich in Unruhe (Fiepsen, Jaulen usw.). Hier hilft die langsame Gewöhnung (kurze Fahrten von wenigen Minuten) und einem schönen Spaziergang oder Spiel als Belohnung am Ende. Sollte dies nichts nützen können im Vorfeld beruhigende Pheromone wie DAP®, Adaptil® oder Milchpeptide wie Zykene® im Vorfeld eingegeben werden. Sollte dies nicht zum Erfolg führen, so kann der Einsatz von beruhigenden und auch angstlösenden Medikamenten sinnvoll sein. Diese müssen aber vom Tierarzt verschrieben werden.

Foto: ©PURINA PRO PLAN

Foto: ©PURINA PRO PLAN

6. Fünf Dinge, die ich unbedingt dabei haben sollte, wenn ich meinen Welpen abhole?

  1. Zeit und Geduld.
  2. Halsband und Leinchen
  3. Wassernapf und Wasserbehälter
  4. Transportbox für die Autofahrt (auch Geschirr zur Befestigung am Gurtsystem ist möglich. Jedoch ohne Gewöhnung eher unpraktikabel). Der Gesetzgeber fordert eine Sicherung der mitreisenden Tiere! „Pippidichte“ Unterlage zur Schonung der Autositze.
  5. Decke und genügend „Küchenpapier“, falls beispielsweise erbrochen wird.

Vielen Dank, Herr Dr. Hesse, dass Sie sich die Zeit genommen haben, meine Fragen zu beantworten. Ich hoffe, ich darf nochmals auf Sie zukommen, sollte der ein oder andere Leser/Leserin noch Fragen haben.

Ich persönlich habe zwei unterschiedliche Erfahrungen mit der „ersten großen Reise“ gemacht. Unser erster Rhodesian Ridgeback-Rüde Leo war leider nicht gut auf den Auszug bei seinem Züchter vorbereitet. Bis zu dem Tag, an dem wir ihn abholten, war er beispielsweise noch nie im Auto gefahren. Auf der Fahrt war er sehr verängstigt, hat sich laufend erbrochen und musste sich ständig lösen. Ich möchte hier jetzt nicht beschreiben, wie ich hinterher aussah. Wir haben damals für die Strecke von rund 300 Kilometern etwa fünf Stunden gebraucht und auf jeder Tankstellentoilette die Papierhandtuchspender geplündert.

Foto: ©PURINA PRO PLAN

Foto: ©PURINA PRO PLAN

Bei Dayo war es Gott sei Dank ganz anders. Abgesehen davon, dass wir uns bei der Züchterin bereits vorgestellt haben, bevor wir wussten, ob wir überhaupt einen Hund von ihr bekommen würden, war der kleine Kerl bestens auf den Tag der Tage vorbereitet. Für ihn war die Autofahrt von Hamburg nach Frankfurt fast kein Problem. Abgesehen von den Pippi-Pausen hat er zufrieden auf meinem Schoss geschlafen!

Welche Erfahrungen habt Ihr gemacht? Habt Ihr noch Fragen?

Anmerkung:

  • Der Beitrag wurde von der Futtermittelmarke PRO PLAN aus dem Hause PURINA unterstützt. Vielen Dank!
  • Das Copyright der Interviewantworten liegt bei Dr. Karsten Hesse. Vielen Dank!

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo liebe Martina,

    ein sehr interessanter Artikel und ein Thema, das, glaub ich, oft etwas vernachlässigt wird.

    ich habe schon eine ganze Reihe Hunde „transportiert“. Hund vom Züchter, Hunde aus dem Tierheim/Tierschutz, Hunde bei verschiedenen Reisen. Vor allem, wenn man einen Hund/Welpe aus dem Tierschutz übernimmt, hat man ja keine Ahung wie dieser so drauf ist und wie er eine (weitere) Autofahrt verkraftet. Sehr gute Erfahrung hab ich da mit Bachblüten gemacht, die ich einem Hund jederzeit vor seiner ersten Fahrt geben würde, vor allem, wenn ich nichts weiß über ihn. Den letzten hatte ich erst kürzlich, unseren Pflegehund. Dieser wurde mir vor der Heimfahrt als „Angsthund“ übergeben und zeigte sich nach einem ersten freundlichen und „leckeren“ Kontakt mit mir im Auto von seiner besten Seite, indem er ganz entspannt auf dem Rüchsitz/Schoß meiner Begleitperson geschlafen hat. ich glaube, das wichtigste ist, dass man selber entspannt ist und Verständnis und Einfühlungsvermögen hat für den „Neuling“.

    Liebe Grüße
    Anke

    • Liebe Anke,

      vielen Dank für Deinen Kommentar! Ja, ich glaube, eine solche Reise kann auch sehr prägend sein. Unser Leo ist nie so besonders gern Auto gefahren. Vielleicht hätten ihm Bachblüten geholfen! Guter Tipp!

      Viele Grüße
      Martina

Schreibe einen Kommentar