Mystische Orte und Sagen im kleinsten Nationalpark Deutschlands

Der kleinste Nationalpark Deutschlands ist der Jasmund Nationalpark auf Rügen. Das rund 3.000 Hektar große Gebiet umfasst das größte zusammenhängende Waldgebiet der Insel. Und genau dort wollen wir einen Tag mitsamt Dayo und Suri verbringen. Wir parken auf dem zentralen Nationalpark-Parkplatz in Hagen. Obwohl noch früher Vormittag ist der Parkplatz (leider) schon gut gefüllt. Meine Hoffnung, dass der deutsche Otto-Normal-Tourist vielleicht keine Lust hat, bei schönem Wetter auf Rügen mit Kind und Kegel zu wandern bzw. spazieren zu gehen, erfüllt sich nicht!

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Wir bewaffnen uns mit einer Wanderkarte des Nationalparks und los geht es. Die „Touristen-Autobahn“ von Hagen zum berühmten Königsstuhl ist ein leichter Waldwanderweg von ca. 4,5 Kilometer Länge.

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Buchen über Buchen

Dieser Wanderweg führt uns direkt in ein Teilgebiet einer UNESCO Weltkulturstätte, denn die rund 2.000 Jahre alten Buchenwälder auf der Jasmunder Halbinsel zählen zum Weltnaturerbe „Buchenurwälder der Karpaten und Alte Buchenwälder Deutschlands“.

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Wie auch schon in anderen Natur- und Nationalparks in Mecklenburg-Vorpommern erlebt, ist auch hier alles sehr informativ ausgeschildert.

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An Station 3 schlagen wir uns links in den Wald hinein und entkommen somit für einige Zeit dem unaufhaltsam wachsenden Menschenstrom, der gen Kreidefelsen und Meer pilgert. Bereits lange bevor die slawische Gottheit Svantevit auf Rügen ihr Unwesen trieb, war die Ostseeinsel bewohnt. Die Spuren der Menschheit reichen hier über 5.000 Jahre zurück.

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Steinzeit-Gräber und vorchristliche Mythologie

Auch wenn die steinzeitlichen Jäger und Sammler schon lange verschwunden sind, haben sie doch deutliche Spuren hinterlassen. So beispielsweise das „Pfenniggrab“ – ein Großsteingrab, das aus einer Umrandung von großen Steinblöcken bestand, über dem ein Findling als „Dach“ gelegt wurde (gut, das Dach ist jetzt weg …). Wir sind hier ganz ungestört und spazieren durch den stillen Wald …

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… und ganz langsam kommt die in Reiseführern oft beschriebene Magie des Waldes auf …

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Kurz bevor wir wieder zurück auf den viel belaufenen Wanderweg kommen, treffen wir auf den Sagenstein. Auf diesem Stein sind drei unterschiedlich große Eindrücke zu sehen, die als Fuß eines Erwachsenen, eine Kindes und eines Hasen interpretiert wurden. In der dazu passenden Sage geht es um eine Jungfrau, die angeblich mit dem Teufel im Bunde stand. Bei einer sogenannten Reinheitsprobe erscheint ein Kind als Engel und geht mit der Frau über den Stein. Der dritte Fußgänger über den Stein ist der Teufel in Gestalt eines Hasen (Quelle: www.kreidefelsen.de).

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Wenn die vielen Menschen nicht wären, wäre es jetzt am Herthasee so richtig mystisch geworden. Aber irgendwie will so recht keine verzauberte Stimmung aufkommen.

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Denn wir müssen ganz schön lange warten, bis wir mit dem Fotografieren an der Reihe sind … als ich dann jedoch ganz alleine auf einer hölzernen Plattform stehe, die ein wenig in den See hinein ragt, kann ich mir gut vorstellen, dass hier einst die Göttin Hertha ihren Wohnsitz hatte …

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Zu Zeiten der Ernte fuhr sie über das Land und sättigte sich am Anblick der Menschen. Danach nahm sie ein Bad im See. Allerdings kann niemand Kunde darüber geben, was während des Bades geschah, denn alle Diener, die der Göttin behilflich waren, wurde getötet. Tscha, so ist das mit den Sagen.

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Eine Burg und mein Lieblingsschild

Suri macht sich aus diesen Geschichten nicht so viel. Ihr ist es auch egal, dass in diesem See angeblich jährlich ein Jüngling und eine Jungfrau zu Ehren der Göttin ertränkt worden sein sollen. Sie hat einfach nur Durst!

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Wenige Schritte später gelangen wir zu den Überresten der Herthaburg – eine Wallburg, die nachweislich aus der slawischen Besiedlung Rügens vom 8. bis zum 12. Jahrhundert stammt.

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Wir gehen weiter in Richtung Königsstuhl und kommen an wirklich magischen Naturschauspielen vorbei …

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… und wir kommen auch an meinem absoluten Lieblingsschild des Urlaubs vorbei (am liebsten hätte ich es mitgenommen, um es hier in der Wetterau einmal aufzustellen) …

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Ich hatte mich schon die ganze Zeit gewundert, dass wir fast keinen Radfahrern begegnet sind!! Dieses Schild ist für mich das Schild des Jahres!!! So etwas wünsche ich mir auch für viele andere Orte in Deutschland!!!

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Der Königsstuhl

Kurze Zeit später haben wir unser Ziel erreicht – das Nationalpark-Zentrum Königsstuhl. Ähnlich wie bei Müritzeum in Waren an der Müritz handelt es sich hier um eine Erlebnisausstellung mit Multivisionskino und allem drum und dran.

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In mir keimt die Hoffnung auf, dass wir hier – wie auch im Müritzeum – die Hunde mit hinein nehmen dürfen. Ich befrage dazu einen der netten Mitarbeiter, die am Eingang bereit stehen, um Fragen zu beantworten. Er erklärt mir bedauernd, dass Hunde nur im Außenbereich des Nationalpark-Zentrum erlaubt sind. In die Erlebnisausstellung dürfen sie nicht mitgenommen werden. Anfangs seien Hunde in allen Bereichen erlaubt gewesen. Allerdings haben sich einige wenige Hund-Mensch-Teams (Betonung liegt hier auf Mensch) daneben benommen. Deshalb wurde der Zutritt für Hunde verboten. Schade! Mein besonderes Kompliment geht aber an den Nationalpark-Zentrums-Mitarbeiter, der uns trotz großem Menschenandrang sehr freundlich und ausführlich informiert hat!

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Wir spazieren über den großen Parkplatz und sind wenige Minuten später am Treppenabgang vom Königsstuhl, einem Kreidefelsvorsprung, der 118 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Von hier aus führt eine schmale Holztreppe auf 412 Stufen zum Strand hinunter. Und genau diese Treppen wollten wir eigentlich auch hinabsteigen. Aber was ich hier sehe, erinnert mich sehr stark an eine überfüllte Rolltreppe in einem Kaufhaus zur Weihnachtszeit, auf der ein nicht enden wollender Strom an Menschen hinab und hinauf treibt. Und da sollen wir mitsamt zwei ausgewachsenen Rhodesian Ridgebacks runter und wieder hoch? Was wenn wir anderen Hund-Mensch-Teams, die auf der Gegenrichtung unterwegs sind, begegnen? Was, wenn sich Dayo und Suri erschrecken und dabei einen Satz machen? Einen Satz ins Nichts? Andere Menschen beobachten uns und unser Zaudern und erzählen uns, dass es für die Hunde unten am Strand sowieso nicht so toll sei wegen der vielen Steine. Wir beschließen, nicht meinem Abenteuergeist zu folgen, sondern vernünftig zu sein und uns zur Viktoria-Sicht zu begeben, das rund 500 Meter südlich vom Königsstuhl liegt.

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Doch bevor wir uns zu diesem Felsplateau aufmachen, das angeblich auch weniger frequentiert sein soll als der Königsstuhl, machen wir erst einmal Mittagspause. Und zwar im Waldrestaurant „Am Königsstuhl“. Hier setzen wir uns raus in die Sonne und genießen eine total leckere Pommersche Kartoffelsuppe mit Würstchen (für 5,40 Euro pro Portion und die Portion war mehr als ausreichend). Ich probiere zum ersten Mal einen Sanddornsaft, der ja extrem Vitamin-C-haltig ist. Hmm, mir hat er nicht so geschmeckt. Der Saft riecht recht eigenwillig und ist im Abgang (wie der vornehme Saftkenner erkennt) etwas „muffig“. So gestärkt, geht es in Richtung Viktoria-Sicht.

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„Weniger frequentiert?“ Nun ja, das ist alles eine Auslegungssache. Wir sind halt in der Hauptsaison hier und können daher nicht erwarten, mutterseelenallein die fantastischen Aussichten auf die Kreidefelsen zu genießen …

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Ihr könnt Euch bei schönem Wetter die Kreidefelsen auch von Sassnitz her erlaufen. Ich nehme an, auf der 8,5 Kilometer langen Strecke ist nicht ganz so viel los, wie auf den einfachen und kurzem Wanderweg von Hagen aus, da diese Wanderung unterhalb der Klippen als sehr anspruchsvoll gilt und rund fünf Stunden dafür veranschlagt werden sollten. Mit einem letzten Blick auf die Kreidefelsen machen wir uns jetzt auf den Rückweg.

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Wir haben gerade die Herthaburg passiert, da zieht sich der Himmel zu, und es zeigen sich erste Regenwolken, die immer dicker und grauer werden, je mehr wir uns dem Parkplatz nähern. Zum Schluss legen wir an Tempo zu. Mit den ersten Regentropfen erreichen wir die Toilettenhäuschen des Parkplatz, die uns Unterschlupf bieten, denn Sekunden später geht die Welt unter … Regen, Hagel, Wind … rund eine Viertelstunde drängen wir uns unter dem Dachvorsprung an die Wand. Dayo und Suri finden das total doof, aber jetzt zum Auto rennen? Nein, das geht gar nicht … kaum ist der Extremschauer vorbei blinkt das erste Blau vom Himmel, die Sonnenstrahlen tasten sich über den regennassen Asphalt und lassen die Umgebung wie frisch gewaschen ausschauen …

Fazit

Wenn Ihr auf Rügen unterwegs seid, solltet Ihr dem Jasmund Nationalpark unbedingt einen Besuch abstatten. Die Buchenwälder, Kreidefelsen und das Meer sind eine faszinierende Kulisse. Mitten im August mit Tausenden von anderen Spaziergängern und Wanderern bleibt die viel gepriesene Mystik und Magie so ziemlich auf der Strecke. Wer sich jedoch abseits der ausgetretenen Rennstrecken auf Erkundungstour begibt, kann sich auch mitten im August von der Natur, den Sagen und Geschichten verzaubern lassen.

Weitere Informationen:

  • Hunde müssen im Nationalpark Jasmund an der Leine bleiben.
  • Wir haben auf dem Parkplatz zum Königsstuhl in Hagen (ein Ortsteil von Lohme) geparkt. Das Parkticket für den ganzen Tag kostet 5,50 Euro. Außerdem gibt es hier auch Wohnmobilstellplätze.
  • Von Mai bis Oktober werden kostenlose Wanderungen mit einen Nationalpark-Ranger angeboten, die täglich um 11 Uhr am Parkplatz in Hagen starten. Weitere Informationen über den Nationalpark findet Ihr hier.
  • Das Nationalpark-Zentrum Königsstuhl hat ganzjährig geöffnet. Das Ticket für Erwachsene kostet 7,50 Euro. Kinder bis 14 Jahre zahlen 3,50 Euro. Darüber hinaus gibt es eine Familienkarte für 15 Euro (zwei Erwachsene + Kinder). Hunde dürfen zwar mit auf das Außengeländer aber nicht mit in die Ausstellungsräume. Weitere Informationen über die Erlebniswelt Königsstuhl findet Ihr hier.

 

 

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