Spaziergang zum Anbeginn der Zeit

Manchmal ist es ja wie verhext. Da liegt ein UNESCO Welterbe seit Jahren fast direkt vor der Haustür. An der Autobahnausschilderung auf der A5 wird auch in aller Regelmässigkeit vorbei gefahren. Immer mit dem Gedanken: „Da müssen wir unbedingt mal hin!“ Und so zieht ein Jahr um’s andere ins Land, ohne dass dieser Gedanke in die Tat umgesetzt wurde. Geht Euch das manchmal auch so? Wovon ich rede? Vom Welterbe Grube Messel, das sich in der Nähe von Darmstadt befindet.

Jetzt habe ich es endlich geschafft und diesem Fossilien-Eldorado mitsamt Suri und Dayo einen Besuch abgestattet. Netterweise wurden wir von meiner Freundin und Kollegin Sabine begleitet, die mich beim Fotografieren und der Betreuung der Hunde unterstützt hat!

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Die Grube Messel ist ein stillgelegter Ölschiefer-Tagebau. Obwohl bereits Ende des 19. Jahrhunderts ein erstes Alligatorenskelett gefunden wurde, sollte es noch viele, viele Jahre dauern bis auch die Wissenschaft ein Auge auf darauf warf und feststellte, dass die Messel-Fossilien von herausragender Bedeutung sind.

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Seit 1995 zählt die Grube Messel zum UNESCO-Weltnaturerbe. Bis es jedoch soweit war, gab es viele Irrungen und Wirrungen. So sollte das Gelände nach Ende des Ölschiefer-Abbaus nämlich eigentlich eine Mülldeponie für Südhessen werden. Es gab sogar Zeiten, in denen sowohl Ausgrabungen als auch Bauarbeiten durchgeführt wurden. Aber das alles ist längst Vergangenheit. Heute können sich interessierte Besucher in das Eozän, einem Zeitabschnitt des frühen Tertiärs, entführen lassen.

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Die Grube kann nur im Rahmen von Führungen besichtigt werden. Die Mitnahme von Hunden auf die Touren, die über die ehemalige Deponiestraße bis rund 60 Höhenmeter hinab in die Grube führt, ist erlaubt. Allerdings nur, wenn die gesamte Gruppe, die vor Abmarsch gefragt wird, damit einverstanden ist.

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Unser Tourguide ist Herr Neef, ein Student, der einen Teil seiner Freizeit damit verbringt, den Besuchern der Grube Messel mit viel Begeisterung, Wissen und einer gehörigen Portion Humor die Entstehung der Grube und die Entwicklung der Landschaft in den vergangen 50 Millionen Jahren näher zu bringen.

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Der Messeler Ölschiefer entstand vor etwa 50 Millionen Jahren durch Sedimentablagerungen in einem kleinen Urwaldsee. Berühmt geworden ist der Messeler Ölschiefer durch die gut erhaltenen Fossilien zahlreicher Tiere und Pflanzen …

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Bevor es jedoch um das Urpferdchen – das zu den bekanntesten Funden zählt – und anderes Getier geht, dürfen wir uns eine Handvoll Ölschiefer nehmen, an ihm riechen (die blätterartig zerfallenden Steinchen riechen auch tatsächlich nach Öl), ihn erfühlen und ihn wieder an den Wegesrand zurückwerfen, denn – so erklärt uns Herr Neef – nichts darf aus der Grube Messel mit hinaus genommen werden – auch nicht eine Handvoll Ölschiefer! Auch Dayo und Suri geben sich – mehr oder weniger – interessiert … 😉

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So spazieren wir mit der Gruppe die breite und gut gepflegte Deponiestraße hinunter …

 

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Wir genießen die Ausblicke und hören gebannt zu, was Herr Neef uns über die Geschichte der Grube Messel und seine einstigen Bewohner zu erzählen hat.

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Für uns ist nach rund 30 Höhenmetern (leider) Schluss, denn wir haben die Tour „In 60 Minuten durch die Zeit“ gebucht. Bei der zweistündigen Grube Messel-Wanderung geht es auch bis zum Boden der Grube. Aber der eigentlich Höhepunkt der Führung kommt jetzt erst.

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Unser junger Tourguide führt uns zu einem Metallcontainer, öffnet diesen und zaubert Originalfossilien zum Anschauen und auch Anfassen hervor.

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Wie bereits erwähnt, gehören die beiden frühen „Pferdearten“ Propalaeotherium und Eurohippus zu den berühmtesten Vertretern der Grube Messel. Bisher wurden insgesamt 70 Individuen ausgegraben. Aber bis heute werden natürlich auch viele andere Wirbeltiere, Insekten und Pflanzen gefunden.

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Besonders lustig ist auch dieser fossile Fund …

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Wisst Ihr, was das ist?? Viele Gruppenteilnehmer haben sich geweigert, diese Fossilie in die Hand zu nehmen als sie hörten, um was es sich hier handelt. Ich bin da allerdings ganz schmerzbefreit … 😉 … es handelt sich nämlich um versteinerten Tierkot! Jahrmillionen alter Kot … er roch auch nicht mehr … ehrlich!!

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Leider ist die eine Stunde mit Herrn Neef ziemlich schnell vorbei, und es geht für uns zurück zum Ausgang.

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Schnell noch ein kleines Abschiedsgruppenfoto (ja, ich habe Herrn Neef gefragt, ob er damit einverstanden ist, in einem Beitrag auf meinem Blog im Bild zu erscheinen!), dann schließt sich hinter uns das Tor zur Grube.

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Wir begeben uns nun noch auf den Aussichtspunkt. Hier ist die Geschichte des Weltnaturerbes anhand von vielen Schautafeln erklärt.

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Und dann ist er auch schon zu Ende unser Spaziergang zum Anbeginn der Zeit. Das Besucherzentrum, das unter dem Motto „Zeit und Messel Welten“ seit 2010 mit interessanten Ausstellungen und Veranstaltungen viele Besucher in seinen Bann zieht, besuchen wir nicht. Nicht nur, weil Hunde im Besucherzentrum nicht erlaubt sind, sondern auch, weil unsere Führung bis gegen 16 Uhr ging und zu diesem Zeitpunkt der letzte Einlass im Besucherzentrum ist.

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Mir persönlich hat der Spaziergang gut gefallen. Allerdings achte ich beim nächsten Mal darauf, einen solchen Ausflug nicht unbedingt in den (Oster-)Ferien zu unternehmen … mit zwei großen Rhodesian Ridgebacks ist es doch relativ anstrengend, immer darauf zu achten, wo die Kinder gerade herumschwirren … 😉

Weitere Informationen:

  • Das Besucherzentrum Zeit und Messel Welten ist ganzjährig von 10 Uhr bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet hier pro Person 10 Euro. Kinder unter sieben Jahren sind kostenlos. Familien zahlen sieben Euro pro Person. Hunde haben keinen Zutritt.
  • Sofern es die Witterung erlaubt, finden in der Hauptsaison vom 1. April bis 2. November verschiedene Führungen in der Grube statt. Wir haben die Tour „In 60 Minuten durch die Zeit“ mitgemacht. Diese findet von Montag bis Donnerstag jeweils um 12 Uhr und um 15 Uhr statt. Die Teilnahme kostet sieben Euro pro Person (in Kombination mit dem Eintritt für das Besucherzentrum kostet das Ticket für Führung und Besucherzentrum 14 Euro pro Person). Da die Plätze in einer Führung begrenzt sind, solltet Ihr Euch vorher anmelden.
  • Hunde dürfen auf die Grubenführungen mitgenommen werden. Allerdings entscheidet die jeweilige Gruppe, ob die Hunde mit von der Partie sein dürfen oder nicht. Das kann auch ins Auge gehen. Bei unserer Gruppe hatte ich den Eindruck, dass der ein oder andere (ältere) Teilnehmer nicht so begeistert war. Wir haben uns immer sehr im Hintergrund gehalten, um niemanden zu „belästigen“. Dafür nehmen die Hunde aber kostenlos an den Führungen teil. Dass jeder Hundebesitzer Kottütchen dabei haben sollte und die Hinterlassenschaften natürlich sofort wegräumt, muss ich hier nicht erwähnen, oder?
  • Ganz besonders interessant ist die Grube Messel natürlich für Kinder. Es gibt viele Führungen, die speziell auf Kinder zugeschnitten sind. Darüber hinaus gibt es im Mai (der ja nun schon länger vorbei ist … aber vielleicht für’s nächste Jahr) mehrfach abendliche Fledermausführungen.
  • Über alle Veranstaltungen, Führungen und Sonderausstellungen könnt Ihr Euch unter www.grube-messel.de informieren. Hier gibt es natürlich auch die Anfahrtsskizze. Außerdem steht hier, wie und wo Ihr Euch anmelden könnt.

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Wow, da wäre ich gerne selbst gewesen mit unseren kleinen. Ich kann mir nur zu gut vorstellen, was das für eine interessante Route war. Das ist ja wirklich der Ursprung der Zeit!

  2. Das ist ein wirklich guter Bericht und eine sehr schöne Gegend. Ich rate Dir, dass Du am besten nicht in Höhlen oder ähnliches mit den Hunden gehst. Die Stickstoff- und Schwefelkonzentration ist am Boden erheblich höher, als in menschlicher Kopfhöhe, sodass unsere Vierbeiner zu ersticken drohen.

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