Mit Hund im Museum – Explora Science Center Frankfurt

Mit dem Hund ins Museum? Geht das überhaupt? Meistens leider nicht. Aber hin und wieder gibt es Ausnahmen von dieser Regel. Im Herbst haben sich Dayo und Suri bereits im Müritzeum umgesehen. Das hat mich auf die Idee gebracht, mal im Internet zu recherchieren, ob es auch noch andere Museen gibt, die Hunde willkommen heißen. Gibt es tatsächlich – und sogar in Frankfurt: das Explora Science Center Frankfurt.

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Ja, ich weiß. Wer mich kennt, der weiß, dass es mich eigentlich nicht in technisch orientierte Museen zieht … aber was macht man nicht alles für bzw. mit seinen Hunden. Ich habe sogar noch meine Freundin und Kollegin Petra davon überzeugen können, dass ein Ausflug in das Mitmach-Museum, in dem sich alles um Wahrnehmung und Sinnestäuschung sowie Kunst, Sprache, Mathematik und Physik dreht, genau das richtige für sie ist.

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Und gleich vorab muss ich sagen: Es war ein toller Nachmittag. Ich hätte nie gedacht, dass die Exponate in dem alten Bunker so spannend und interessant sein würden.

Als wir ankommen, werden wir mitsamt den Hunden sehr freundlich von einer Mitarbeiterin im Museum begrüßt. Wir hatten uns vorher angemeldet, weil ich mir beim besten Willen nicht vorstellen konnte, dass wir auch mit zwei ausgewachsenen Rhodesian Ridgebacks durch das Science Center spazieren dürfen … ist aber so. Und Hunde kosten auch keinen Eintritt.

0130 Explora 6Bevor es für uns los geht, werden wir ausführlich „gebrieft“ … wir geben unsere Mäntel – na ja, ich gebe meinen Mantel – an der Garderobe ab, und wir schließen unsere Handtaschen in Schließfächer, damit wir überall freie Hand haben. Dann stellt sich uns László vor … er ist der 14-jährige Schülerpraktikant in der Explora und wird uns teilweise durch die Räume begleiten und erklären, was es zu erleben gibt. Nein, das macht er nicht extra für uns, das macht er für alle Besucher (zumindest solange sich die Anzahl der Besucher im Rahmen hält … 😉 ). Gleich am Eingangsbereich geht es auch schon mit einer Klangschale los. Durch das gefühlvolle Reiben der Griffe mit nassen Handflächen beginnt das Wasser zu „kochen“ (Quelle: Museumsführer). Petra hat es ausprobiert, und es hat funktioniert.

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Es ist mehr als sinnvoll, sich den Museumsführer für fünf Euro zu kaufen, der alle Exponate mitsamt Gebrauchsanweisungen in alphabetischer Reihenfolge vorstellt. Außerdem sind alle Objekte, zu denen man unbedingt vorher die Gebrauchsanweisung lesen sollte, entsprechend gekennzeichnet … ja, sogar ich, die immer nie irgendwelche Gebrauchsanweisungen liest, hat sie gelesen. Ich hätte sonst auch nix verstanden!

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Das Explora Life Science Museum hat insgesamt vier Stockwerke (mit Kellergeschoss), und wir starten in Begleitung von László ganz oben bei einem Gemälde, das „Ein Irrtum mit Folgen“ heißt. Zunächst stellen wir uns frontal zum Bild und sagen, welche Farben und Formen wir sehen. Dann positionieren Petra und ich uns rechts und links des Bildes und beschreiben erneut, was wir sehen. Unglaublich: Ich sehe helle Farben und ganz andere Forman als Petra, die mich ungläubig anstarrt, als ich zum Besten gebe, was ich sehe … wir tauschen die Plätze … und siehe da … auf einmal sind die Farben viel dunkler und die Formen ganz anders … toll!!

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Am Eingang haben wir auch jeder eine 3D-Anaglyphenbrille erhalten, damit wir uns die entsprechenden Bilder in 3D-Optik anschauen können. Und was ich vorher einfach schnell mal so fotografiert habe, bekommt erst jetzt (beim Schreiben …) einen tieferen Sinn. Klar, ich habe eine Bronzestatue mit 3D-Brille fotografiert. Na und? Dabei handelt es sich allerdings um die Original-Bronzeskulptur von Wladimir Iljitsch Anaglyphowitsch aus der ehemaligen Sowjetunion. Neben „Goethe“ und dem „Hammering Man“ ist das die meistfotografierte Skulptur in Frankfurt.

Hätte ich die Gebrauchsanweisung meines Fotoapparats bloss auch mal so intensiv gelesen, wie diesen Museumsführer, dann hätte ich jetzt hier auch viel mehr Fotos … leider habe ich mich aber vorher nicht damit beschäftigt, welche Einstellungen ich für derartige Aufnahmen nehmen sollte … deshalb sind leider viele Fotos nichts geworden … jedenfalls gibt es viele verschiedene Bilder in  Stereo Anaglyphen-Technik, die mittels eines Rot/Grün-Systems und eben jener Pappbrille räumlich erfassbare Bilder im Kopf entstehen lassen. Die zahlreichen barbusigen Damen weisen darauf hin, dass die Objekte wohl von einem Mann zusammen getragen wurden … 😉 … für „emanzipierte Besucherinnen“ gibt es immerhin den „The pink Penis“  …

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Neben den verschiedenstens Bilder-Exponaten gibt es aber auch einige Denkspiele wie beispielsweise „Der Turm von Babylon“. Der Turm soll dabei von einem Stab auf den anderen gestapelt werden. Es darf jedoch immer nur eine Scheibe bewegt werden, und eine kleine Scheibe muss immer auf einer größeren liegen … juchhuuu, das haben wir auch geschafft … allerdings durfte dabei keine von uns beiden reden … wenn man die Reihenfolge im Kopf verstanden hat, geht es ruckzuck, aber die kleinste Bemerkung bringt einen aus dem Takt.

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Den T-Tisch haben wir leider nicht geknackt. Mit Geduld und ohne Gewalt sollen hier vier Ts in eine quadratische Mulde eingepasst werden … da hatte uns László leider gerade verlassen …

Natürlich dürfen in einem Museum wie der Explora Holografien nicht fehlen. Hier in Frankfurt sowie im Museum der 3. Dimension in Dinkelsbühl befindet sich die größte, öffentlich zugängliche Holografie-Sammlung der Welt … hier werden seltene Hologramme gezeigt, die entweder eine gestalterische oder physikalische Besonderheit enthalten … tscha, ich hatte eigentlich das „Enigma Marilyn Monroe“ fotografiert … das war jetzt die Sache mit der Gebrauchsanweisung …

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Dayo und Suri erweisen sich die ganze Zeit als äußerst geduldige Begleiter … wir sind auch immer mal für einige Zeit alleine im Stockwerk … ich gebe zu, da sind die beiden Mäuse auch schon einfach so durch die Gegend marschiert …

0130 Explora 15Besonders großen Spaß machen mir die Zungenbrecher (in Deutsch, Englisch und Französisch). Eben weil wir hin und wieder alleine auf einer Ebene sind, spreche ich diese fast alle auch immer laut mit … Gott sei Dank ist meiner Petra  ja nichts so schnell peinlich … 😉 … interessant sind in diesem Zusammenhang auch die Palindrome – das sind Wörter, Sätze oder Verse, die vorwärts und rückwärts gelesen, identisch sind.

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Immer wieder zeigt sich László als hilfsbereiter Führer und Helfer. Mit großer Begeisterung und Geduld gibt er uns bei diversen Denkspielen Tipps und stellt uns viele Dinge vor, an denen wir sonst vielleicht einfach achtlos vorbei gegangen wären. Ein absolut motivierter Schüler, wie ich noch selten einen erlebt habe … an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Dich, Lázló!

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… bei dem ein oder anderen Denkspiel ist auch Dayo voll bei der Sache.

Es gibt in der Explora natürlich viel, viel mehr zu sehen, zu bestaunen und auszuprobieren als ich hier schreiben kann: Von Anamorphosen über mechanische, mathematische und physikalische Objekte bis hin zu Vektorgrammen und Vexierbildern … das alles und noch viel mehr. Für die Hunde ist die ganze Sache relativ stressfrei. Wir halten uns allerdings bei den Exponaten, die mit Klang zu tun haben, zurück … wegen der sensiblen Hundeohren! 0130 Explora 21

Alles in allem verbringen wir fast zweieinhalb Stunden im Explora Life Science Center. Es hört sich jetzt ein bisschen albern an: Aber wir sind völlig erledigt und müde als wir zum Auto laufen, denn es ist natürlich auch eine ganz schöne Leistung und Anstrengung für unsere Gehirne gewesen … nö, jetzt bitte nicht lachen! Wie bereits eingangs gesagt: Es war ein toller Nachmittag, und wir haben jede Menge gelernt und manchmal auch einfach wieder Vergessenes aus dem Gedächtnis hervor gekramt. Und besonders schön war natürlich, dass die Hunde mit dabei sein konnten …

Anmerkung:

Immer, wenn sich obenstehend die Beschreibung diverser Ausstellungsobjekte sehr professionell und fachmännisch anhört, habe ich den Museumführer zu Hilfe genommen und den ein oder anderen Satz daraus übernommen!

Weitere Informationen:

Das Explora Life Science Center gibt es seit 1994. Es befindet sich im ehemaligen Glauburgbunker im Frankfurt Nordend. Die Parksituation ist – wie fast überall in Frankfurt – sehr kritisch. Ab 16 Uhr kann auf den meisten Parkplätzen (wenn man überhaupt erst einmal einen gefunden hat) nur mit Anwohner-Ausweis geparkt werden. Wir haben natürlich länger geparkt … bis jetzt ist aber Gott sei Dank noch kein Strafzettel gekommen … 😉 … am besten reist man wohl mit öffentlichen Verkehrsmitteln an.

Hunde dürfen kostenlos mit in den Glauburgbunker genommen werden und das Fotografieren ist erlaubt. Die Eintrittspreise haben es in sich: Erwachsene zahlen 16 Euro pro Person, Jugendliche bis 17 Jahre und Senioren 12 Euro, Kinder von vier bis sechs Jahre zahlen sechs Euro. Familien (Papa, Mama und alle Kinder) zahlen 38 Euro. Es gibt jedoch zahlreiche „Rabatt“-Möglichkeiten.  Die Infos dazu gibt es hier. Darüber hinaus können auch Führungen gebucht und die Räumlichkeiten für Veranstaltungen genutzt werden.

Ich habe im Vorfeld ein bisschen im Internet recherchiert und oft gelesen, dass über die hohen Eintrittspreise geschimpft wurde. Das Explora Life Science Center ist jedoch Frankfurts einziges Privatmuseum und erhält als solches keine Subventionen oder andere Unterstützung von wem auch immer. Es finanziert sich komplett aus den selbst erwirtschafteten Mittel!

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Wirklich schön, dass es solche Möglichkeiten gibt. Hab ich bei uns in der Ecke leider noch nie gesehen, dass man mit seinem Hund ins Museum kann. Schön, dass es Leute gibt, die so etwas machen. Ich finde es oft schon sehr schwer einen schönen Ausflugsort zu finden, wo ich mit meinem Hund hingehen kann, ohne andere Leute gleichzeitig zu stören. Viele wirken doch oft ziemlich angenervt, wenn man zum Beispiel den Hund mit an den See nimmt. Hab schon öfters versucht meinen Momo mit solchen Lernspielzeugen (http://www.hundeland.de/hundezubehoer/hundetraining) zu erziehen aber ich denke er ist wohl noch zu jung, um das alles richtig umsetzen zu können :(. Hoffe ich kann ihn auch mal bald ruhigen Gewissens mit in ein Museum nehmen. Vielen Dank auf jeden Fall für diesen schönen Beitrag!

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