Die Tausendjährige, die immer schwieg

So, heute dreht sich vorerst ein letztes Mal alles um Mecklenburg-Vorpommern. Obwohl ich extra zu Beginn unseres Urlaubs das Heftchen „Wandern im Land der 1.000 Seen“ beschafft habe, sind wir auf keinem der darin beschriebenen Wege unterwegs gewesen … auch nicht auf der klitzekleinsten Route. Bärenwald, Erlebnismuseum und Wildreservat stellten sich uns immer wieder in den Weg … so auch am Tag der Deutschen Einheit. An sich habe ich für uns die knapp zehn Kilometer lange Rundwanderung „Spur der Zaubersteine“ heraus gesucht, die am Plauer See entlang und durch den Plauer Stadtwald führt. Das stößt jedoch auf wenig Gegenliebe bei meinem Mitreisendem … nein, heute auch keine Wanderung. Wir fahren zu den Ivenacker Eichen.

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Bei den Ivenacker Eichen handelt es sich um einen Natur- und Tierpark, der für seine ungewöhnlich alten Eichen bekannt ist und ein Wildgehege mit Damwild, Mufflons und Turepolje-Schweinen beherbergt. Wir erreichen den Park bei strahlendem Sonnenschein gegen 10.00 Uhr. Auch hier dürfen die Hunde an der Leine selbstverständlich mit rein (und hier kosten sie auch keinen Eintritt).

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Nur wenige Schritte hinter dem Eingang erwartet uns dann auch schon die erste alte Eichendame. Die Eichen von Ivenacker zählen zu den ältesten Bäumen ihrer Art in Europa. Sie sollen 500 bis knapp 1000 Jahre alt sein und werden deshalb auch Tausendjährige Eichen genannt.

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Wir vier posieren auch gleich vor der mächtigsten aller Ivenacker Eichen. Sie hat einen Stammunfang in Brusthöhe von über 11 Metern und eine Höhe von 35,5 Metern. Die Holzmasse wird mit 180 Festmetern angegeben. Damit ist sie die stärkste in Deutschland und sogar in ganz Europa lebende Eiche. Und dabei haben ihr die tausend Jahre fast nichts anhaben können, denn sie ist absolut gesund. Der Stamm ist unbeschädigt und die Krone noch voll. Die anderen Alteichen haben Stammumfänge zwischen sieben und neun Metern.

Meine Güte, wenn uns die alten Damen erzählen können, was sie so im Laufe der Jahrhunderte erlebt haben. Sie würden von den Slawen erzählen, die hier vor 1000 Jahren das Gebiet als Waldweide genutzt haben. Sie würden uns von der Christianisierung dieser Region erzählen (Fans historischer Romane können im Buch „Die Geisel des Löwen“ von Ricarda Jordan nachlesen, wann und wie die Slawen rund um die Mikelenburg (Mecklenburg) und Rujana (Rügen) von den Dänen und Heinrich dem Löwen dem christlichen Glauben zugeführt wurden), und sie würden von den Zisterzienserinnen erzählen, die um 1300 hier ihr Vieh in den Wald getrieben haben.

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Auf sehr gepflegten Wegen spazieren wir langsam durch den Park. Zu dieser Uhrzeit sind fast nur Erwachsene unterwegs (mit einigen Hunden). Ich erwähne das deshalb, weil es so natürlich nicht besonders laut ist und wir in den Genuß kommen, frei laufendes Dammwild auf Armeslänge entfernt zu beobachten. Als wir am frühen Nachmittag auf dem Rückweg sind, ist das Wild nämlich verschwunden. Tobende Kinder, die kreischend abseits der Wege in den Wald laufen, werden von ihren Eltern nicht zurückgehalten … da haben sich die scheuen Waldbewohner trotz der verkürzten Fluchtwege doch irgendwo im Dickicht versteckt.

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Dayo lässt sich überhaupt nicht von den Hirschen beeindrucken. Suri ist da schon aufmerksamer, aber auch sie bleibt zwar sehr interessiert, aber auch sehr ruhig und gelassen. Es gibt ja so viel zu sehen, zu schnüffeln und zu erleben.

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Hinter fast jedem Baum entdecken wir Dammwild, das sich fast gar nicht aus der Ruhe bringen lässt. Auch über die ungeschützte Wiese trabt in aller Seelenruhe ein Hirsch, der dann allerdings doch ganz schnell in den Galopp fällt und zwischen den Bäumen verschwindet. Vermutlich hat der Wind ihm Dayo und Suri in die Nase geschickt …

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Insgesamt gibt es im Park zehn Kilometer Wanderwege. Darüber hinaus sind zahlreiche Informationstafel angebracht, die beispielsweise Aufschluß über das Leben im Hute-Wald (Hütewald) geben. Wir nähern uns nun einem hübsch restaurierten Barockpavillon, der eine interaktive Dauerausstellung über die Lebenszeit der Eichen zum Inhalt hat.

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Leider dürfen Hunde in diese Ausstellung nicht mitgenommen werden. Thomas hat einen Blick reingeworfen, aber ich bin mit den zwei Hunden draußen geblieben. Aber auch ohne die Dauerausstellung gibt es rund um den Barockpavillon genug zu sehen. Denn auf der riesigen Wiese machen neben dem Dammwild auch Mufflons ein (Futter-)Pause.

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Die Tiere liegen oder stehen völlig entspannt und genießen die Sonnenstrahlen bei doch ziemlich kühlen Temperaturen.

Ivenacker 15Suri, die zu Hause auf dem Feld sofort in Jagdposition geht und einen mordsmässigen Tanz aufführt, interessiert erst gar nicht für die eleganten Tiere. Dayo sowieso nicht. Ich glaube, sie wissen, dass hier irgendwie andere Verhältnisse herrschen … 😉 … auch die Menschen können hier eine Pause einlegen, denn es gibt ein kleines Café mit Kinderspielplatz. Eine heiße Schokolade wäre jetzt nicht schlecht gewesen, aber das Lokal ist proppenvoll und auf der Terrasse zu sitzen, wäre mir jetzt wirklich zu frisch … also geht es weiter … man kann sich ja schließlich auch warm laufen!

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Der Wild- und Eichenpark grenzt direkt an den Ivenacker See und vom Barockpavillon haben wir einen schönen Blick auf das Örtchen Ivenack und sein Schloss. Im 18. und 19. Jahruhundert gehörte das Schloss wegen seines Parks und der berühmten Vollblutzucht der Grafen Plessen auf Ivenack zu den bekanntesten Gütern in Mecklenburg. Davon ist heute leider nicht mehr viel übrig geblieben. Das ganze Anwesen wurde 2012 an einen dänischen Geschäftsmann verkauft, der nun eine „Notsicherung“ der maroden Gebäude plant (Quelle: Wikipedia).

Wir machen uns auf in Richtung Turopolje-Schweine.

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Diese buntgefleckten Gesellen leben seit 2011 unter den Eichen und zählen zu den besonders bedrohten alten Haustierrassen. Als „lebende Genreserve“ haben sie hier ein artgerechtes Zuhause gefunden. Ein solide gebauter Holzsteg sorgt dafür, dass man das ganze Rudel in Ruhe beobachten kann. Einige der Besucher haben Äpfel mitgebracht, auf die sich die Schweinchen grunzend stürzen.

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Dayo schaut auch interessiert auf das bunte Treiben! Und für uns geht es weiter durch den Wald. Wir sind fast alleine, und es herrscht eine wunderbare Stimmung. Und da. Hinter einem Baum bewegt sich etwas. Thomas flüstert: „Schau, da steht ein Mufflon.“

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Wir können uns bis auf wenige Meter an das seltene Tier heranschleichen. Irgendwann bemerkt es uns allerdings und macht sich dann langsam aus dem Staub. Was für ein Erlebnis.

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Ein paar Minuten später erreichen wir das „Lischengrab“, das sich auf einem künstlich angelegten Hügel befindet. Zwei Gedenksteine mit Inschriften in lateinischer und französischer Sprache erinnern an die unglückliche Liebe zwischen dem jungen Grafen aus Ivenack und Anna Elisabeth Gilo, Tochter des Statthalters in Grischow, die im Alter von 22 Jahren starb. Der Ort ist romantisch gelegen und würde eigentlich – hätten wir jetzt ein paar Brote dabei – zu einer kleinen Pause einladen. So aber trollen wir uns in Richtung Ausgang. Dabei kommen wir am Brunftplatz vorbei, der aber völlig einsam in der Sonne liegt.

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Ein letzter kapitaler Hirsch, der uns auf Armeslänge entfernt im Wald begegnet, dann stoßen wir wieder auf einen Hauptwege im Park. Jetzt am frühen Nachmittag ist es hier alles andere als ruhig, denn mittlerweile strömen die Besucher durch den Park. Und wie eingangs erwähnt, hat der Lärmpegel extrem zugenommen, und die Waldtiere haben sich in ihre Verstecke zurückgezogen und bleiben so unsichtbar für die vielen Kinder. Schade, dass hier die Eltern nicht dafür sorgen, dass mal für ein paar Minuten Ruhe herrscht. Für die Kinder wäre es sicherlich ein wunderschönes Erlebnis, die Tiere so nah beobachten zu können. Egal, wir haben sie ja gesehen … 😉 … und machen uns zufrieden auf den Weg zum Auto. Am Ein- bzw. Ausgang schaue ich noch schnell in das kleine Lädchen, denn hier wird allerlei Schmackhaftes vom Wild verkauft, und ich erstehe ein Glas Wildleberwurst und etwas Hirschschinken … beim Auto angekommen, werden Dayo und Suri erst einmal für ihr tolles Verhalten belohnt.

So, das war die letzte Geschichte aus unserem Urlaub in Mecklenburg-Vorpommern. Das Bundesland ist wirklich extrem hundefreundlich und hat eine wunderbare Natur zu bieten. Wir waren ganz bestimmt nicht zum letzten Mal hier, denn es gibt noch viel zu besuchen, zu erleben und zu sehen …  auch wenn die Tausendjährigen kein Wort über ihre Vergangenheit verlieren!!

Weitere Informationen:

Der kleine Ort Ivenack ist rund fünf Kilometer von der Reuterstadt Stavenhagen (die wir leider nicht besucht haben) entfernt. Der Tiergarten Ivenacker Eichen ist ganzjährig geöffnet und umfasst ein Gebiet von 70 Hektar. In der Woche von 9 Uhr bis 18 Uhr und am Wochenende von 10 Uhr bis 18 Uhr. Der Eintritt für Erwachsene kostet drei Euro pro Person. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre sind kostenfrei, ebenso Hunde. Es werden Gruppenführungen, die von erfahrenen Förstern durchgeführt werden, angeboten. Hierfür muss man sich natürlich  anmelden. Im gesamten Jahreslauf werden zahlreiche Veranstaltungen angeboten. Weitere Informationen unter www.ivenacker-eichen.de.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

      • Liebe Martina, ich kenne die Gegend, aber mehr zu Wasser. Wir versuchen einmal im Jahr Bootsurlaub dort zu machen. Ich würde aber gern auch mal ein paar schöne Landgänge planen und wandern in der Natur gehört zu unseren Lieblingsbeschäftigungen. Liebe Grüße, Peggy

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