Sonntagsausflug auf die Rheininsel Langenau

Zwei Hunde, zwei Menschen, ein Auto und ein Geheimtipp für Hundefreunde! Bei herrlichem Spätsommerwetter geht es an einem Sonntag in Richtung Hessisches Ried nach Trebur, einer kleinen Gemeinde unweit der Opel-Stadt Rüsselsheim. Im Internet hatte ich recherchiert, dass ein Ausflug auf die dort in der Nähe liegende Rheininsel Langenau der Geheimtipp für Hundebesitzer schlechthin sei. Nach einigen Umwegen (die wir dem zu diesem Zeitpunkt stattfindenden Stadtfest von Trebur und anderen Widrigkeiten, über die ich an dieser Stelle das Mäntelchen des Schweigens breite, zu verdanken haben) kommen wir erst eine Stunde und zahlreiche Kilometer später als geplant auf dem langersehnten Riedweg an, der uns durch eine offene Auenlandschaft bis zu einem Steindamm am Rhein führt. Der schmale Damm mit Altrheinschleuse ist das Tor zur Insel Langenau.

Blick vom Damm auf einen Altarm des Rheins

Wir parken auf dem gut gefüllten Parkplatz vor dem Steindamm, und endlich können auch die Hunde raus … es ist schön und idyllisch … jedenfalls landschaftlich und theoretisch.  Gefühlte 1.000 Fahrradfahrer, etwas weniger Spaziergänger und fast keine Vierbeiner, drängeln sich auf dem Weg und werden immer wieder von Autos zur Seite getrieben, die an diesem herrlichen Sonntagnachmittag direkt auf die Insel (und vermutlich zu Kaffee und Kuchen) fahren. Aber wir wollen uns unseren Kuchen erarbeiten und laufen. Vom Steindamm aus lassen sich an der Altrheinschleuse viele Kanuten beobachten, die sich mit viel Elan immer wieder in den einzigen, vorhandenen „Wildwasserstrom“, der aus der Schleuse resultiert, stürzen.

Auch wenn man hier nicht gerade von Wildwasserbahn sprechen kann, stürzen sich viele Kanuten immer wieder in den einzigen Strudel.

Wir spazieren über den Damm und marschieren über einen geschotterten Weg in Richtung Hofgut Langenau. Auf den rund 2,5 km laufen wir rechts an drei Campingplätzen vorbei, die fast schon im Winterschlaf versunken sind.  Links sorgt dichtes Baum- und Buschwerk dafür, dass wir nur gelegentlich einen Blick auf den Rhein erhaschen können. Es gibt viele kleine Weg, die direkt an das Ufer des Flusses führen, aber zur besten Kaffee- und Kuchenzeit sind alle Buchten „ausgebucht“. Wann immer wir auf dem Hinweg den Versuch unternehmen, ans Wasser zu kommen, werden wir ob unserer (riesigen!) Hunde mit schreckstarren Blicken empfangen, sodass wir uns sofort wieder auf den Schotterweg trollen.

… der Weg ist das Ziel …

Dank des ziemlich hohen Verkehrsaufkommens – klingelnde Fahrradfahrer und zahlreiche Autos – haben wir keine Chance, uns mit den Hunden einem verträumten Spaziergang hinzugeben, bei dem Dayo und Suri in Ruhe schnuffeln, markieren und Pippi machen können. Für uns wird der Weg zum „Geheimtipp für Hundefreunde“ zu einer Trainingsstunde in Leinenführigkeit und bei Fuß gehen!  Gemäß dem Motto „der Weg ist das Ziel“ erreichen wir dann auch irgendwann das auf der Rheininsel gelegende Hofgut Langenau.

… die Insassen dieser Fahrzeuge hatten auf jeden Fall keine Lust auf einen Sonntagsspaziergang …

Und siehe da: Hier treffen wir auch all die Autos wieder, die uns überholt haben. Schön in Reih und Glied auf dem Parkplatz des Hofguts. Ich frage mich innerlich natürlich, warum wir nicht bis zu diesem Punkt ebenfalls mit dem Auto fahren konnten. Denn schließlich kommen wir ja jetzt erst zu den „weitläufigen Rheinterrassen und Rheinauen“, wo wir ja – laut meiner gedanklichen Planung – eigentlich auch noch mindestens eine Stunde auf Erkundungen gehen wollen und vor allem: wo wir die Hunde endlich frei laufen lassen wollen. Dachte ich mir eben so!

Hofgut Langenau ist offensichtlich ein beliebtes Ausflugsziel

Über den Parkplatz drüber und schon stehen wir im rustikalen Gutshof, der ein wirkliches Kleinod ist. Die Natursteingemäuer beherbergen Ställe und Räumlichkeiten für die Landwirtschaft, die immer noch aktiv auf Langenau betrieben wird.

In diesem Natursteingemäuer befindet sich der Pferdestall

Aber wir wollen endlich entspannen, die Hunde laufen lassen und das viel gepriesene Wiesen- und Ufergelände erforschen. Trotz leichten Murrens meines Mannes (er hat nämlich Durst und Hunger) geht es erst einmal runter zum Rhein. Auch hier ist an diesem Sonntagnachmittag nichts vom „Geheimtipp für Hundefreunde“ zu bemerken. Familien, Pärchen, Kinder und hin und wieder auch mal ein Hund vergnügen sich auf den Wiesen und am Rheinstrand. Es ist auf jeden Fall sehr voll, und wir haben wieder keine Möglichkeit, die Hunde von der Leine zu lassen. Wir begeben uns erst ein paar hundert Meter in die eine und dann in die andere Richtung, und ich hoffe immer noch, dass es hier irgendwo keine oder wenigstens weniger Menschen gibt. Natürlich – das sei an dieser Stelle klar gestellt – habe ich nichts gegen Ausflügler (wir sind ja schließlich keine … ;-)), Fahrradfahrer, schreiende Kinder und kläffende, nicht erzogene Hunde – EHRLICH!!! – aber irgendwie habe ich mir einen „Geheimtipp“ auch an einem strahlendschönen Sonntag, an dem vermutlich ganz Hessen auf den Beinen ist, anders vorgestellt …

Ich lasse mich jedenfalls nun überzeugen, dass es endlich an der Zeit ist, etwas zu essen und zu trinken … auf geht’s in den Biergarten der Gutsschänke!

Auf der Wiese am Rhein

Von der Terrasse aus haben wir einen tollen Blick auf den Rhein, aber natürlich ist hier jeder einzelne Stuhl besetzt. Wir suchen uns ein ruhiges Plätzchen im Biergarten des Hofguts.

Gibt es jetzt auch etwas Leckeres für uns?

An der langen Scheunentheke oder am „Kiosk“ gibt es Bratwurst, Schweinenackensteaks und Pommes oder Salatteller und Kuchen. Warum zwischen dem eher trivialen Speisenangebot auch Calamaris auftauchen (die mir einen eher gummiartigen Eindruck machen), erschließt sich mir nicht. Eine echte Leckerei ist aber das Schmalzbrot, das dazu auch noch mit 1 Euro pro Brot sagenhaft günstig ist. Dass mich die Qualität des Essens nicht besonders überzeugt hat, stört Dayo und Suri überhaupt nicht. Sie finden die Bratwurst (von der natürlich nur aus Versehen das ein oder andere Stück vom Tisch fällt) herrlich …

Nach einer guten halben Stunde geht es dann über den Parkplatz wieder zurück auf den Schotterweg zum Rheindamm. Jetzt bin ich doch froh, dass wir unseren Wagen dort geparkt haben, denn ansonsten hätten die Hunde fast keinen vernünftigen Spaziergang gehabt. Und dann  – wir rechnen gar nicht mehr damit – finden wir doch noch eine Idylle. Wir schlagen uns zum letzten Mal seitlich ins Gebüsch und folgen einem Trampelpfad, der uns direkt zu einer kleinen Bucht führt. Und was für eine Überraschung: Die kleine, hübsche Sandbucht ist menschenleer.

Sonntägliche Idylle am Rhein

Wir können unser Glück kaum fassen und Dayo springt sofort in die nassen Fluten und genießt ein erfrischendes Bad im Rhein.

Da soll noch mal jemand sagen, Rhodesian Ridgebacks seien wasserscheu!

Suri hält sich allerdings beim Wasser damenhaft zurück – das gilt natürlich nicht für jegliche Art der Belohnung. Sie wird natürlich dafür belohnt, dass sie so brav bei Herrchen geblieben ist.

Zur Belohnung gibt’s jetzt doch wohl hoffentlich mal endlich etwas.

Es ist an diesem Sonntagnachmittag weit nach 17.00 Uhr als wir wieder in unserem Auto sitzen und nach Hause fahren. Mein Fazit: Die Rheininsel Langenau ist an sich ein wirklich schönes Ausflugsziel und hält landschaftlich alles, was versprochen wird. Der im Internet beschriebene Anspruch „einer nicht alltäglichen Oase der Ruhe zum Entspannen und Wohlfühlen inmitten urwüchsiger, geschützter Natur“ ist zumindest an strahlendschönen Sonntagen zur besten Kaffee- und Kuchenzeit nicht gegeben. Dazu ist viel zu viel (auch motorisierter) Trubel. Während der Woche mag das anders aussehen und an Tagen, an denen das Wetter nicht so schön ist, ist die Rheininsel garantiert ein Geheimtipp (gemäß dem Motto „Es gibt kein schlechtes Wetter – nur die falsche Kleidung). Außerdem müssen alle Hunde vom 15. März bis 15. Juli wegen der Brutsaison an der Leine geführt werden.

Rheininsel Langenau aus der Luft
Foto: Hofgut Langenau

Anfahrt per Auto: Die Rheininsel Langenau erreicht man von Trebur aus über einen mehrere Kilometer langen, verkehrsberuhigten Riedweg (Achtung: Die Beschilderung in Trebur ist nicht optimal. Man muss der Beschilderung „Gut Hohenau“, das später dann auch passiert wird, folgen). Ein schmaler Steindamm mit Altrheinschleuse ist das Tor zur Insel. Hier gibt es einen Parkplatz (auf dem wir auch geparkt haben). Von hier aus können die rund 2,5 km bis zum Hofgut Langenau im Spaziergang zurückgelegt werden oder eben mit dem Auto.

Überfahrt auf die Insel mit der Fähre in Ginsheim: Wanderer oder Radler haben die Möglichkeit mit einer nostalgischen Fähre auf die Insel überzusetzen. Die Fähre legt in Ginsheim am Altrhein ab, wird privat betrieben und verkehrt nur zu bestimmten Zeiten.

Informationen zum Hofgut Langenau unter www.hofgut-langenau.de.

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo liebe Hundefreunde,

    das von Euch zuletzt gezeigte Bild zeigt nicht das Hofgut Langenau von oben, sondern den Campingplatz und Vereinsgelände des NB Rhein-Main.

    Mit freundlichen Grüßen

    Ein Mitglied

    • Lieber Herr Zimmermann,
      vielen Dank für Ihren Hinweis … es handelt sich dabei um die Quellenangabe, wo ich das Luftbild her habe.
      Ihnen ein schönes und sonniges 2015 und viel Spaß auf dem toll gelegenen Campingplatz.
      Herzliche Grüße
      Martina

  2. Hallo! Der Bericht ist schon etwas älter, ich bin nur gerade durch Zufall darauf gestoßen, weil ich heute mal wieder dort war und es dort anders kenne, nämlich genau so, wie es versprochen wird. Sie haben den Fehler gemacht, an einem Sonntag bei schönem Wetter und viel zu spät dort anzukommen. Ich wohne glücklicherweise keine 15 Minuten Fahrt entfernt und bin dort regelmäßig. Entweder, wenn ich nicht arbeiten muss, unter der Woche morgens, oder am Wochenende sehr, sehr früh, also im Sommer auch schon mal zwischen sechs und halb sieben.
    Dann kann man dort, solange kein Hochwasser ist, stundenlang mit seinem Hund von Strand zu Strand wandern, muss gar nicht den Weg benutzen, trifft keinen anderen Menschen und es ist tatsächlich so idyllisch und ruhig wie versprochen.

    Bitte verurteilen Sie nicht den Ort, nur weil Sie die falsche Zeit gewählt haben.

    • Liebe Silke,
      vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich glaube gerne, dass es auf der Insel Langenau ganz anders zugeht, wenn man abseits der „Spazierströme“ dort unterwegs ist. Bei Gelegenheit probieren wir es sicher noch einmal aus.
      Viele Grüße
      Martin

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